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Die Bancroft Strategie: Roman (German Edition)

Die Bancroft Strategie: Roman (German Edition)

Titel: Die Bancroft Strategie: Roman (German Edition)
Autoren: Robert Ludlum
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das hier herrschende Halbdunkel zu gewöhnen.
    Gottverdammt! Hatten sie etwa die ganze Zeit über ihn Bescheid gewusst?
    Jetzt erkannte er seine Umgebung deutlich. Er befand sich in einer Art Arbeitszimmer mit einem teuer aussehenden Orientteppich auf dem Boden, einem Spiegel mit Ebenholzrahmen an der Wand und einem großen Biedermeierschreibtisch am Fenster.
    Hinter dem Schreibtisch stand Richard Lugner.
    Ein Mann, dem er niemals begegnet war, aber ein Gesicht, das er überall erkannt hätte. Der schlitzartige Mund, die pockennarbigen Wangen, die leicht gekrümmte fünf Zentimeter lange Narbe, die sich wie eine zweite linke Augenbraue über seine Stirn zog: alles genau wie auf den Fahndungsbildern. Belknap begegnete dem Blick der kleinen, bösartigen anthrazitgrauen Augen des Mannes. Und er sah in Lugners Händen eine doppelläufige großkalibrige Schrotflinte, deren Mündungen ihn wie ein zweites Augenpaar anzustarren schienen.
    Zwei weitere Bewaffnete – gut ausgebildete Profis, wie ihre Haltung, ihre Feuerbereitschaft, ihre wachsamen Blicke zeigten  – standen auf beiden Seiten von Lugners Schreibtisch und hielten Belknap ebenfalls in Schach. Angehörige seiner privaten Leibwache, vermutete Belknap sofort: Männer, auf deren Loyalität und Kompetenz er sich verlassen konnte; Männer, die
auf seiner Gehaltsliste standen; Männer, die finanziell von ihm abhängig waren. Für einen Mann in seiner Lage rentierte sich die Investition in eine Schutztruppe dieser Art unbedingt. Jetzt kamen die beiden Revolvermänner auf Belknap zu und hielten ihre Waffen in Hüfthöhe schussbereit, während sie ihn zwischen sich nahmen.
    »Sie sind ein hartnäckiger kleiner Scheißer, was?«, fragte Lugner schließlich. Seine Stimme war ein nasales Krächzen. »Sie sind ’ne Zecke in Menschengestalt.«
    Belknap sagte nichts. Die Verteilung der Schützen war nur zu offensichtlich und professionell arrangiert; es gab keine plötzliche Bewegung, die er machen konnte, um die Geometrie des Todes zu verändern.
    »Zecken hat meine Mutter uns Jungs mit ’nem heißen Zündholzkopf weggebrannt. Hat verdammt wehgetan. Bloß dem Viech noch mehr.«
    Einer seiner privaten Bodyguards ließ ein leises, kehliges Lachen hören.
    »Oh, spielen Sie bloß nicht das Unschuldslamm!«, fuhr der Verräter fort. »Mein Vermittler in Bukarest hat mir von seinem Gespräch mit Ihnen berichtet. Danach musste er einen Arm in der Schlinge tragen. Er war verdammt sauer, kann ich Ihnen sagen. Sie sind unartig gewesen.« Ein ironisch missbilligendes Schmollen. »Probleme löst man nicht mit den Fäusten – haben Sie in der ersten Klasse nicht aufgepasst?« Ein groteskes Blinzeln. »Schade, dass ich Sie nicht gekannt habe, als Sie in der ersten Klasse waren. Ich hätte Ihnen ein paar Sachen beibringen können.«
    »Fuck you!« Belknaps Stimme war ein heiseres Knurren.
    »Hitzig, hitzig. Sie müssen Ihre Gefühle zügeln, sonst bekommen Ihre Gefühle die Oberhand. Erzählen Sie mir also, Greenhorn, wie Sie mich gefunden haben.« Lugners Blick verhärtete sich. »Werde ich den kleinen Ingo garottieren müssen?« Er
zuckte mit den Schultern. »Nun, der Kleine hat behauptet, er habe es gern hart. Ich habe ihm versprochen, ihn zu Orten zu führen, an denen er noch nie gewesen ist. Nächstes Mal werden wir einfach die nächste Stufe erklimmen. Die letzte Stufe. Ich glaube nicht, dass jemand sich groß darum scheren wird.«
    Belknap erschauderte unwillkürlich. Lugners Handlanger feixten nur.
    »Keine Sorge«, sagte der Verräter in scheinbar beruhigendem Tonfall. »Ich werde auch Sie an einen Ort führen, an dem Sie noch nie gewesen sind. Haben Sie schon mal eine taktische Schrotflinte wie eine 410er Mossberg aus Kernschussweite abgefeuert? Auf einen Mann, meine ich. Ich hab’s getan. Unvergleichlich!«
    Belknaps Blick glitt von der unergründlichen Schwärze der beiden Mündungen zu der unergründlichen Schwärze von Lugners Augen hinauf.
    Lugner hingegen betrachtete die Wand unmittelbar hinter seinem Gefangenen. »Die Sache bleibt unter uns, das kann ich Ihnen versprechen. Diese alten Wohnblocks haben wundervoll massive Mauern – der weiche Bleischrot wird den Verputz kaum ankratzen. Und dazu kommt die Schalldämmung, die ich habe vornehmen lassen. Mir war klar, dass ich die Nachbarn gegen mich aufgebracht hätte, wenn einer der Bahnhofsjungen sich als Stöhner erwiesen hätte.« In einer scheußlichen Karikatur eines Lächelns wich Fleisch von Jacketkronen

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