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Dhana - Im Reich der Götter

Dhana - Im Reich der Götter

Titel: Dhana - Im Reich der Götter
Autoren: Tamora Pierce
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    Prolog
    Eine magische Barriere hatte über vierhundert Jahre
lang die Reiche der Götter von den Reichen der Sterblichen getrennt. Solange
die Barriere existierte, waren die Sterblichen sicher vor den sagenhaften, als
»Unsterbliche« bekannten Geschöpfen, die so hießen, weil sie ewig lebten, außer
sie wurden im Kampf getötet. Riesen, Sturmflügel, Greife, Basilisken, Eiszähne,
Zentauren, geflügelte Pferde, Einhörner . .. mit der Zeit wurden sie zum
Gegenstand von Kindererzählungen oder erweckten das Interesse von Schülern, die
Unterlagen über längst vergangene Zeiten erforschten.
    Im achten Jahr der Regierung von Jonathan und Thayet
von Tortall fanden Magier in Carthak die lange verschollenen Zaubersprüche,
welche den Schlüssel zu den Toren der Göttlichen Reiche bildeten. Ozorne, der
Kaiser von Carthak, machte sich jene Zaubersprüche zu Eigen und lehrte seine
Magier Tore in anderen Königreichen zu öffnen, um diese zu schwächen und somit
eine spätere Eroberung zu ermöglichen. Die Unsterblichen kehrten zurück: Selbst
jene, die friedfertig waren oder uninteressiert an den Angelegenheiten der
Menschen, verursachten Panik und Verwirrung, wo immer sie hinkamen. Tor um Tor
wurde geöffnet. Kein Gedanke wurde an die langfristigen Auswirkungen, die das
auf die Barriere haben musste, verschwendet.
    Im Herbst des dreizehnten Regierungsjahres der
Majestäten kam Ozornes großer Plan zum Stillstand. Während der Friedensverhandlungen
mit Tortall, dessen Gesandte Ozornes Verstrickung in die ständigen
Schwierigkeiten seiner Nachbarn enthüllt hatten, unternahm der Kaiser eine
letzte Anstrengung, um seine Vormachtstellung wieder zu erlangen. Er schlug die
Vorzeichen in den Wind, die deutlich machten, dass die Götter mit der
Verwaltung seines Königreiches höchst unzufrieden waren. Für seine Untaten
wurde Ozorne in einen Sturmflügel verwandelt und der menschlichen
Gerichtsbarkeit entzogen. Sein Neffe übernahm den Thron. Die Tor-Zauberformeln
wurden zerstört. Zu der Zeit jedoch war die Barriere bereits unendlich weit ausgedehnt
worden, um die Lücken zu schließen, die durch die magischen Tore entstanden
waren. Ihre Macht flackerte wie eine tropfende Kerze.
    In der Morgendämmerung der Winter- Sonnenwende, dem
kürzesten Tag des Jahres, erwachten plötzlich all jene, die irgendeine Art von
Magie - entweder die Gabe oder wilde Magie - besaßen, und lauschten auf etwas,
was kein normales Geräusch war. In Tortall setzte sich Numair Salmalfn, einer
der größten Magier der Welt, schweißgebadet im Bett auf. Obwohl er sie nicht
sehen konnte, wusste er mit einem Mal, was jeder andere Magier im Palast oder
in der Stadt tat. Der König, der wach war und in seinem Studierzimmer bei der
Arbeit saß, sprang von seinem Stuhl auf. Harailt von Aili, Dekan der
Königlichen Universität, warf sich im Bett herum und fiel mit einem Plumps
heraus. Gareth der Ältere von Naxen presste eine Hand auf sein rasendes Herz. Kuri
Taylor hielt sich schwankend, halb ohnmächtig auf den Füßen. Selbst jene mit
wilder Magie sprachen Numairs Sinne an. Onua von der Königlichen Reiterei
sprang aus ihrem Morgenbad und stieß einen schrillen K'miri-Kriegsruf aus.
Stefan Groomsman fiel von seiner Lagerstatt herunter und landete wohlbehalten
auf Ballen von Heu, während die Pferde, für die er zuständig war, besorgt
wieherten.
    Und Dhana, Numairs junge Freundin und seine Verbündete
während der letzten drei Jahre, setzte sich in ihrem nestartigen Bett zwischen
Katzen, Drachen, Murmeltieren, Mardern und Hunden auf, die Augen im Dämmerlicht
weit aufgerissen. Der junge Drache Himmelslied trillerte unaufhörlich, seine
Stimme war bald im ganzen Palast zu hören.
    »Kätzchen, psst«, hörte Numair Dhana sagen, obwohl das
Mädchen nicht versuchte dem Befehl besonderen Nachdruck zu verleihen. »Numair,
was ist los?«
    Ihr Wissen, dass er trotz Hunderter von Metern und
einer Anzahl von Gebäuden zwischen ihnen hören konnte, was sie sagte, war für
ihn eigenartigerweise kein Grund zur Verwunderung, genauso wenig, wie sie das
in Frage stellte. In diesem Augenblick, da die Sonne über den Horizont
kletterte, schien mit einem Male jede Mauer durchlässig und gespenstisch. »Es
ist die Barriere«, antwortete er leise, aber sie hörte jedes Wort. »Die
Barriere zwischen uns und den Göttlichen Reichen. Sie ist.. . weg. Verschwunden.«
    Er konnte spüren, wie Dhana blinzelte, als würden ihre
langen, dunklen Wimpern tatsächlich seine Wangen

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