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Der Wissenschaftswahn

Der Wissenschaftswahn

Titel: Der Wissenschaftswahn
Autoren: Rupert Sheldrake
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    Vorwort
    Mein Interesse an der Naturwissenschaft begann schon in früher Jugend. Als Junge hielt ich Tiere aller Art, Raupen und Kaulquappen, aber auch Tauben, Kaninchen, Schildkröten und einen Hund. Mein Vater, der Apotheker und Spezialist für Kräuterheilkunde und Mikroskopie war, unterrichtete mich schon in ganz jungen Jahren über Pflanzen. Er führte mir unter dem Mikroskop eine Welt der Wunder vor Augen, winzige Lebewesen in einem Tropfen Teichwasser, die Schuppen auf Schmetterlingsflügeln, Kieselalgenschalen, Querschnitte von Pflanzenstengeln, sogar im Dunkeln glosendes Radium. Ich sammelte Pflanzen und las naturkundliche Bücher wie Fabres
Book of Insects
, die mir die Lebensgeschichten des Skarabäus, der Gottesanbeterin und des Glühwürmchens erzählten. Mit zwölf war mir klar, dass ich Biologe werden wollte.
    Schon auf der Schule stellte ich die Naturwissenschaften in den Mittelpunkt, und für mein Studium an der Cambridge University wählte ich Biochemie als Hauptfach. Mir gefiel diese Arbeit, nur fehlte mir hier der weite Horizont, ich hätte gern das Gesamtbild gesehen. Die alles verändernde Gelegenheit, meinen Blick zu weiten, kam mit einem Forschungsstipendium an der Harvard University, wo ich Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaft studieren konnte.
    Zurück in Cambridge, begann ich mit Forschungen zur Entwicklung der Pflanzen. Im Zuge meiner Doktorarbeit gelang mir eine Neuentdeckung: Absterbende Zellen spielen eine wichtige Rolle für die Regulation des Pflanzenwachstums, weil sie im Verlauf ihres »programmierten Zelltodes« das Pflanzenhormon Auxin freisetzen. In wachsenden Pflanzen lösen sich neue Holzzellen selbst so auf, dass ihre Zellulosewände als mikroskopische Röhren stehen bleiben, durch die in Stielen, Wurzeln und Blattadern Wasser geleitet wird. Mir fiel auf, dass Auxin produziert wird, während die Zellen sterben. [1] Die absterbenden Zellen regen weiteres Zellwachstum an, mehr Wachstum bedeutet dann mehr Zelltod und folglich wieder mehr Wachstum.
    Nach meiner Promotion fiel mir ein Forschungsstipendium des Clare College in Cambridge zu, wo ich Studienleiter für Zellbiologie und Biochemie war und Studenten der Übungs- und Laborkurse unterrichtete. In dieser Zeit wurde ich zum Research Fellow der Royal Society ernannt und setzte in Cambridge meine Forschungen über Pflanzenhormone fort. Es ging mir darum zu klären, wie Auxin von den oberirdischen Pflanzenteilen in Richtung der Wurzelspitzen transportiert wird, und hier gelang es mir, die molekulare Basis des polaren Auxintransports zu ermitteln, [2] was dann zur Grundlage eines Großteils der weiteren Forschung zur Frage der Pflanzenpolarität wurde.
    Mit Mitteln der Royal Society konnte ich ein Jahr lang an der Universität Malaya in Kuala Lumpur arbeiten, wo ich mich mit den Farnen des Regenwalds beschäftigte. Am Rubber Research Institute of Malaysia fand ich während dieser Zeit heraus, wie der Latexstrom in Gummibäumen genetisch gesteuert wird und wie die Entwicklung der Latexgefäße vor sich geht. [3]
    Als ich dann wieder in Cambridge war, entwarf ich eine neue Hypothese über das Altern bei Pflanzen und Tieren einschließlich des Menschen. Alle Zellen altern. Wenn sie aufhören zu wachsen, sterben sie schließlich ab. Meine Hypothese betrifft die Verjüngung und besagt, dass sich schädliche Abfallprodukte in der Zelle ansammeln und sie altern lassen, dass sie aber durch asymmetrische Zellteilung verjüngte Tochterzellen hervorbringen können. Dabei nimmt eine der Tochterzellen den Großteil der Schlacken auf und geht zugrunde, während die anderen einen sauberen Neubeginn haben. Die in diesem Sinne am stärksten verjüngten Tochterzellen sind Eizellen. Bei Pflanzen und Tieren erzeugen zwei aufeinanderfolgende Zellteilungen (Meiose) eine Eizelle und drei weitere Tochterzellen, die bald absterben. Meine Hypothese erschien 1974 in einem Aufsatz mit dem Titel »The ageing, growth and death of cells« in der Zeitschrift
Nature
. [4] »Programmierter Zelltod« oder Apoptose ist seither ein breites Forschungsgebiet geworden, wichtig für unser Verständnis von Krankheiten wie Krebs oder Aids und für die Geweberegeneration durch Stammzellen. Viele Stammzellen teilen sich asymmetrisch und bringen dabei eine neue, verjüngte Stammzelle und eine weitere Zelle hervor, die sich differenziert und dann altert und stirbt. Meine Hypothese besagt, dass die Verjüngung von Stammzellen durch Zellteilung darauf

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