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Der Winterschmied

Der Winterschmied

Titel: Der Winterschmied
Autoren: Terry Pratchett
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    1. Der große Schnee
     
    A ls das Unwetter kam, traf es die Hügel wie ein Hammer. Kein Himmel konnte so viel Schnee halten, und deshalb fiel er wie eine weiße Wand.
    Dort, wo sich vor einigen Stunden eine Ansammlung von Dornbüschen auf einem alten Erdwall befunden hatte, lag nun Schnee. Im vergangenen Jahr hatten hier um diese Zeit einige frühe Primeln geblüht, doch jetzt war dort alles weiß.
    Der Schnee bewegte sich. Ein etwa apfelgroßer Pfropf schob sich nach oben, und darum herum stieg Rauch auf. Eine Hand, nicht größer als eine Kaninchenpfote, fächelte ihn beiseite.
    Ein sehr kleines, aber auch sehr zorniges blaues Gesicht blickte unter dem Schopf aus Schnee hervor in die unvermutet weiße Wüste.
    »Potzblitz!«, brummte es. »Seht euch das an! Das is' das Werk des Winterschmieds! Er meint es verdammt ernst!«
    Weitere Schneehäufchen gerieten in Bewegung. Mehr Köpfe zeigten sich.
    »Oh, schlimm, schlimm, schlimm!«, sagte einer von ihnen. »Er hat die große kleine Hexe wieder gefunden!« Der erste Kopf wandte sich ihm zu. »Doofer Wullie?«
    »Ja, Rob?«
    »Habe ich dir nich' gesagt, du sollst nich' immer >schlimm< sagen?«
    »Ja, Rob, das hast du«, bestätigte der Kopf, der mit Doofer Wullie angesprochen worden war.
    »Und warum hast du's gerade wieder getan?«
    »Tschuldige, Rob. Is' mir so rausgerutscht.«
    »Das zieht einen so runter.«
    »Verzeihung, Rob.«
    Rob Irgendwer seufzte. »Aber ich fürchte, du hast Recht, Doofer Wullie. Er is' wegen der großen kleinen Hexe gekommen, kein Zweifel. Wer passt bei ihrer Farm auf?«
    »Kleiner Gefährlicher Stachel, Rob.«
    Rob sah zu den Wolken hoch, die so voller Schnee waren, dass sie in der Mitte durchhingen.
    »Na schön«, sagte er und seufzte erneut. »Jetzt muss der Held ran.«
    Er tauchte in die Höhle der Wir-sind-die-Größten ab, und der Schneepropf auf seinem Kopf kehrte an seinen ursprünglichen Platz zurück.
    Das Innere des Erdwalls war recht groß. In der Mitte konnte ein Mensch aufrecht stehen, aber er hätte sich sogleich vor Husten zusammengekrümmt, denn dort zog der Rauch durch ein Loch ab.
    Die Wände waren von Galerien gesäumt, auf denen es von blauen Kobolden wimmelte. Normalerweise ging es in der Höhle recht laut zu, aber jetzt herrschte eine seltsame Stille.
    Rob Irgendwer ging zum Feuer, wo seine Frau Jeannie wartete. Sie erhob sich stolz, wie es sich für eine Kelda gehört, aber aus der Nähe schien es ihm, dass sie geweint hatte. Er schlang den Arm um sie.
    »Also gut, ihr wisst vermutlich, was los ist«, wandte er sich an das rotblaue Publikum, das von den Galerien auf ihn herabsah. »Dies ist kein gewöhnlicher Schneesturm. Der Winterschmied hat die große kleine Hexe gefunden... Jetzt seid doch mal ruhig!«
    Er wartete, bis das Geschrei und Schwerterklirren nachließ, und fuhr dann fort:
    »Wir können nich' an ihrer Stelle gegen den Winterschmied kämpfen! Das ist ihre Aufgabe! Wir können sie ihr nich' abnehmen! Doch die Hexe der Hexen hat uns einen anderen Weg gezeigt! Einen dunklen und gefährlichen!«
    Jubel ertönte. So etwas gefiel den Größten.
    »Jawoll!«, sagte Rob zufrieden. »Und ich breche auf, um den Helden zu holen!«
    Daraufhin erklang Gelächter, und der Große Yan, Größter der Größten, rief: »Es is' zu früh! Wir haben ihn doch erst ein paar wenige Stunden im Heldsein unterrichtet! Er ist noch eine totale Null.«
    »Für die große kleine Hexe wird er ein Held sein, und damit basta«, sagte Rob scharf. »Los mit euch, der ganze Haufen! Zur Kreidegrube! Grabt mir einen Weg zur Unterwelt!«
    Das muss der Winterschmied sein, dachte Tiffany Weh, als sie im eiskalten Farmhaus vor ihrem Vater stand. Sie konnte ihn dort draußen spüren. Dieses Wetter wäre selbst mitten im Winter nicht normal gewesen, und inzwischen war der Frühling angebrochen. Es war eine Herausforderung. Oder
    vielleicht ein Spiel. Beim Winterschmied wusste man das nie so genau.
    Aber ein Spiel kam eigentlich nicht infrage, denn die Lämmer starben. Ich bin erst dreizehn, und mein Vater und viele andere Leute, die älter sind, erwarten von mir, dass ich etwas tue. Doch ich kann nicht. Der Winterschmied hat mich wieder gefunden. Er ist jetzt hier, und ich bin zu schwach.
    Es wäre einfacher, wenn sie mir die Hölle heiß machen würden, aber nein, sie betteln. Das Gesicht meines Vaters ist grau vor Sorge, und er bettelt. Mein Vater bettelt mich an.
    O nein, jetzt nimmt er den Hut ab. Er nimmt den Hut ab, um mit mir zu

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