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Der Verrat

Der Verrat

Titel: Der Verrat
Autoren: John Grisham
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Das Buch
    Michael Brock ist der aufsteigende Stern bei Drake & Sweeney, einer großen, einflußreichen Anwaltskanzlei in Washington, D.C. Das Geld stimmt, und die Aussichten auf eine Teilhaberschaft sind für den jungen Anwalt mehr als gut. Ein Leben auf der Überholspur, keine Zeit zum Stehenbleiben, keinen Augenblick zum Nachdenken, keine Zeit fürs Gewissen.
    Doch eine gewalttätige Begegnung mit einem Obdachlosen gibt seinem Leben eine unerwartete Richtung, Michael überlebt, der Geiselnehmer nicht. Wer war dieser Mann, was trieb ihn zu dieser Wahnsinnstat? Michael stellt Nachforschungen an, gräbt in der Geschichte des Mannes und findet ein schmutziges Geheimnis, in das die ehrbare Kanzlei Drake & Sweeney verwickelt ist. Plötzlich findet sich Michael auf der anderen Seite wieder, die Bilder des Elends inmitten des Wohlstands lassen ihn nicht mehr los. Er kämpft als >street lawyen einen ungleichen Kampf gegen die Allianz von Macht und Geld.
    Der Autor
    John Grisham, 1955 in Mississippi geboren, war dort Parlamentsabgeordneter und Anwalt, bevor er mit dem Thriller »Die Firma« (deutsch 1992) Weltruhm erlangte.
    Bei Hoffmann und Campe erschienen von ihm außerdem: »Die Akte« (1993), »Die lury« (1994), »Der Klient« (1994), »Die Kammer« (1995), »Der Regenmacher«
    (1996), »Das Urteil« (1997) und »Der Partner« (1998).
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    John Grisham
    DER VERRAT
    Roman
    Aus dem Amerikanischen
    von Dirk van Gunsteren
    Hoffmann und Campe
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    Die amerikanische Originalausgabe erschien 1998 unter dem Titel
    >The Street Lawyer< im Verlag Doubleday (Bantam Doubleday Dell Publishing Group, Inc.) New York Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Grisham, John
    Der Verrat : Roman / John Grisham.
    Aus dem Amerikan. von Dirk van Gunsteren.
    - 1. Aufl. - Hamburg : Hoffmann und Campe, 1999
    Einheitssacht.: The street lawyer
ISBN 3-455-02501-3
    Copyright © 1998 by John Grisham

    Für die deutschsprachige Ausgabe:
    Copyright © 1999 by Hoff mann und Campe Verlag, Hamburg und Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG., München Schutzumschlaggestaltung: Thomas Bonnie
    Foto: Photonica / Lynn Saville
    Satz: Dörlemann Satz, Lemförde
    Druck und Bindung: Graphischer Großbetrieb Pößneck Printed in Germany
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    EINS

    Der Mann mit den Gummistiefeln trat hinter mir in den Aufzug, doch zunächst sah ich ihn nicht. Allerdings roch ich ihn: den stechenden Geruch nach Rauch und billigem Wein und einem Leben auf der Straße, ohne Seife. Auf der Fahrt hinauf waren wir allein, und als ich ihm schließlich einen Blick zuwarf, sah ich die schwarzen, schmutzigen und viel zu großen Stiefel. Unter dem abgetragenen, zerrissenen Trenchcoat, der ihm bis zu den Knien reichte, waren Schichten ungewaschener Kleider, die am Bauch Falten warfen und ihn stämmig, ja beinahe dick wirken ließen. Dabei war er alles andere als das. Im Winter tragen die Obdachlosen in Washington alle Kleider, die sie besitzen, am Körper -
    jedenfalls sehen sie so aus.
    Er war schwarz und nicht mehr jung. Sein Bart und seine Haare waren halb ergraut und seit Jahren weder gewaschen noch geschnitten worden. Er trug eine dunkle Sonnenbrille, sah starr geradeaus und ignorierte mich vollkommen. Sein Verhalten war so, dass ich mich einen Augenblick lang fragte, warum ich ihn eigentlich musterte.
    Er gehörte nicht hierher Er gehörte nicht in dieses Gebäude und in diesen Aufzug. Es war ein Ort, den er sich nicht leisten konnte. Die Rechtsanwälte auf diesen acht Etagen arbeiteten für Stundensätze, die mir auch nach sieben Jahren noch obszön erschienen.
    Er war bloß irgendein Penner, der sich mal aufwärmen wollte. In der Innenstadt von Washington passierte das andauernd. Bei uns gab es für so was einen Sicherheitsdienst.
    Der Aufzug hielt in der fünften Etage, und jetzt erst fiel mir auf, dass der Mann keinen Knopf gedrückt, keine Etage gewählt hatte. Er folgte mir. Ich stieg schnell aus, und als ich in das schicke, mit Marmor ausgekleidete Foyer von Drake & Sweeney trat, warf ich einen kurzen Blick über die Schulter. Der Mann stand im Aufzug, sah noch immer starr geradeaus und beachtete mich auch jetzt nicht.
    Madame Devier, eine unserer sehr energischen Empfangsdamen, begrüßte mich mit ihrem üblichen geringschätzigen Blick.