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Der Unwillige Braeutigam

Der Unwillige Braeutigam

Titel: Der Unwillige Braeutigam
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    Kapitel eins
     
    „Wer ist die junge Dame, die neben Lady Windmere steht?“, fragte Lord Derek Creswell, den Blick auf die dunkelhaarige Schöne gerichtet, die ihn über ihre reizend geformte bloße Schulter immer wieder verstohlen musterte.
    Derek hatte sie das erste Mal auf dem Ball der Radcliffes im vergangenen Monat gesehen und sie seitdem bei verschiedenen anderen gesellschaftlichen Anlässen angetroffen.
    Und es würde ihn nicht stören, wenn er noch mehr von ihr zu sehen bekäme.
    Lord Alex Cartwright drehte den Kopf in die Richtung, in die Derek schaute, und erwiderte knapp: „Miss Elizabeth Smith.“
    Gewöhnlich hätte Derek keine Zeit verschwendet und sich um eine Vorstellung bemüht, aber etwas hatte ihn davon abgehalten und gewarnt, damit noch zu warten. Vielleicht lag es an der widersprüchlichen Mischung aus Unschuld und Sinnlichkeit, die in eine Figur verpackt war, die einen Mann nur an eines und sonst nichts denken ließ: Sünde.
    Himmel, er war in Versuchung geführt, daran bestand wahrlich kein Zweifel. Aber da er aufgehört hatte, seinem Geschlechtsteil die Führung zu überlassen, wenn es um alles ging, was weich und weiblich war, musste er sich damit begnügen, sie aus der Ferne zu bewundern.
    „Und?“, fragte Derek nach, dessen gesamte Aufmerksamkeit immer noch allein Miss Smith galt. Es schien, als werde es mühsam werden, seinem Freund die Informationen zu entlocken.
    Nach einer kurzen Pause gab Cartwright nach und antwortete, als läse er eine Liste vor: „Miss Elizabeth Smith. Sie ist Missys Cousine zweiten Grades. Ihr Vater ist kürzlich in den Besitz einer Baronie gekommen. Das hier ist ihre erste Saison.“
    Lady Windmeres Cousine und daher eine Verwandte von Rutherford – wenn auch reichlich entfernt und angeheiratet.
    Was für ein vermaledeites Pech.
    Das machte die Situation besonders heikel, wenn er beschlösse, ihr nachzustellen. Er musste entscheiden, ob sie die Schwierigkeiten wert wäre, die Rutherfords Zorn mit sich brächte, wenn die Dinge nicht so liefen, wie die Dame es wünschte.
    „Sie ist atemberaubend“, bemerkte Derek beiläufig – ein verspäteter und schwacher Versuch, sein Interesse zu verharmlosen.
    Hellbraune Augen, rote einladend geschwungene Lippen und Haut wie Seide; beinahe war es, als sei sie mit Männern wie ihm im Sinn erschaffen worden.
    Derek hatte sie vom ersten Moment an begehrt, in dem er sie gesehen hatte, und heute Abend war aus dem Begehren ein hartnäckiges Pochen in seinen Lenden geworden. Er wusste, was das bedeutete, und wie man sich von einem alten geschätzten Freund verabschiedete, sagte er seinem gesunden Menschenverstand stumm Lebewohl. 
    „Das ist sie allerdings“, antwortete Cartwright mit leiser und beinahe verwunderter Stimme.
    Verstört sah Derek ihn rasch an, dann folgte er dem Blick seines Freundes und stellte fest, dass er gar nicht Miss Smith anschaute. Die Aufmerksamkeit seines Freundes ruhte auf einer von den Rutherford-Zwillingen; allerdings konnte Derek aus dieser Entfernung nicht sagen, auf welcher, da sie beide sich bis in die letzte Einzelheit zu gleichen schienen – mit Ausnahme des Temperaments. Er glaubte, es sei Charlotte, die ruhigere, denn zwischen Alex und ihr hatte es immer schon gewisse Unterströmungen gegeben. Er wusste nicht, was genau, aber jetzt war es offenkundig.
    Verlangen. Leidenschaft. Zuneigung?
    Für seinen Freund hoffte Derek, dass er eine Menge von Letzterem verspürte, denn schließlich war sie Rutherfords Cousine, mit ihm verwandt und hatte seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr bei ihm gelebt. Es gab da ein Band zwischen ihr und Rutherford, das nicht auch zu der Cousine seiner Frau bestehen würde. Nicht, dass Rutherford es tatenlos mitansehen würde, wenn jemand mit den Gefühlen von Miss Smith spielte.
    Egal, Derek war erleichtert, dass das Interesse seines Freundes nicht Miss Smith galt. Es wäre nicht gut, wenn sie beide nach der gleichen Frau verlangten.
    Derek wandte seine Aufmerksamkeit wieder Miss Smith zu, und als hätte er sie mit der Macht seines Blickes gezwungen, drehte sie den Kopf, um ihn zum fünften Mal, seit er vor einer halben Stunde hier eingetroffen war, verstohlen zu anzusehen. Ihre Augen weiteten sich, als sie seine offen bewundernde Musterung bemerkte, denn in der Vergangenheit war er ebenso umsichtig wie sie in ihrem Blickkontakt gewesen.
    Sie schauten einander an, ihre Blicke verfingen sich, und die Anziehungskraft, die wie ein Feuer zwischen

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