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Der Untergang der Götter - Die Rückkehr (German Edition)

Der Untergang der Götter - Die Rückkehr (German Edition)

Titel: Der Untergang der Götter - Die Rückkehr (German Edition)
Autoren: Stefan M. Ritter
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Kapitel 1
     
    Einst, so erzählt man sich, gab es keinen Schrecken. Die Welt war frei, die Menschen ohne Angst. Dann kamen die Dunklen und mit ihnen die Neuen Götter, und seitdem liegt die Welt in Finsternis und Verzweiflung.
     
     
    Kalt wehte der Wind und mit sich brachte er ein Heulen, das merkwürdig fremd und falsch klang. Die Nebel, die fast undurchdringlich alles bedeckten und über den Boden zu fließen schienen, als besäßen sie eine Art eigenes Leben, ließen nur schemenhaft die Konturen des Tals erkennen, auch das Licht der Monde vermochte es kaum einmal, durch die Wolken hindurch zu dringen.
    Den Mann, der oberhalb des Tales einer Statue gleich regungslos dastand und nach unten starrte, schien dies alles nicht zu kümmern. Nur die sich regelmäßig hebende und senkende Brust zeugte davon, dass noch Leben in ihm steckte. Er allein jedoch wusste, wie schwer dieses Leben erkämpft und erlitten war, wie unbarmherzig das Schicksal ihn gezeichnet hatte.
    Er schaute hinab in die Schwärze des Tals, an dessen Seiten sich die Berge von Asteros erhoben, unbesteigbar und abweisend, ein Mahnmal für alle, die an der Macht der Götter zweifelten. Niemand, der je versucht hatte sie zu erklimmen, war zurückgekehrt, und nur Gerüchte erzählten von den unsäglichen Dingen, die jenen Toren widerfahren waren. Aber die Legende berichtete auch davon, dass jenseits der Berge das Reich der Alten Götter liegen sollte, und allein das war Anreiz genug gewesen, den Aufstieg zu versuchen.
    Hinter ihm herrschte vollkommene Finsternis; eine Finsternis, der er gerade erst entronnen war und die ihn so lange gefangen gehalten hatte, dass er sich kaum mehr erinnern konnte, wie der Anblick von Licht sich anfühlte.
    In dieser Finsternis hörte er das Tosen des Meeres, das gegen die Felsen schlug, in ewig gleichem, alles verzehrendem Rhythmus. Niemand wusste mit Sicherheit, was jenseits des Meeres lag, denn die Finsternis verdeckte alles, was es dort vielleicht geben mochte.
    Doch er hatte diese Finsternis hinter sich gelassen, und jetzt kannte er nur noch einen einzigen Gedanken, der ihn nährte und der ihm Kraft gab. Sein erstes Ziel war die Stadt, die vor ihm oberhalb des Meeres lag und deren Lichter sich mühsam gegen die Dunkelheit der Nacht stemmten.
    Der Fremde lächelte; er wusste, wie sinnlos und vergebens ein solcher Versuch war. Blut tropfte von seiner Wange hinab auf den Boden, doch er achtete nicht darauf; es würde nicht das letzte Blut sein, das vergossen würde.
    Er fühlte die Nähe dessen, nach dem er suchte und nach dem es ihn auf eine alles verzehrende Weise verlangte. Er war hierher gebracht worden, um seine erste Aufgabe zu erfüllen. Hass wallte in ihm auf und seine zerrissenen Hände ballten sich verkrampft zusammen. Alles in ihm drängte darauf, sofort den Ort der Anbetung aufzusuchen, doch noch war es dazu zu früh; noch war er nicht stark genug, das zu tun, wonach sein Herz so sehr verlangte. Er benötigte Hilfe, und er wusste, dass er sie in der Stadt finden würde.
    Seine Sinne suchten und spürten die Nähe der Menschen. Er war einer von ihnen, und doch auch nicht. Er war genauso Opfer wie sie, und doch auch nicht.
    Er fühlte die Kälte der Dunkelheit hinter sich, doch jetzt war sie nur noch ein dumpfer und matter Abglanz dessen, was sie früher für ihn bedeutet hatte. Selbst jetzt kroch die Gefahr dieser Dunkelheit wie ein Schatten an ihm hoch, versuchte ihn zu peinigen, aber er wusste, dass es nur eine Illusion war. Niemand anderes hätte hier stehen können, ohne von den tödlichen Gefahren zerrissen zu werden; den Gefahren, die wie eine Geißel die Menschen plagten, seit die Neuen Götter auf diese Welt gekommen waren. Niemand anderes hätte es gekonnt, und doch vermochte er es.
    Ein letztes Mal ballten sich seine Fäuste, dann machte er sich auf, um die Stadt der Menschen aufzusuchen und dort das zu beginnen, was allein noch wichtig für ihn war. Der Ausgang dessen, was er vorhatte, war ungewiss, und selbst wenn er erfolgreich war, würde dies nur den Beginn bedeuten. Denn schon bald würde er selber zum Gejagten werden, und seine Häscher würden die Götter selber sein.
    Er lachte und spuckte aus bei dem Gedanken an sie. Sie würden ihn unterschätzen, und das war ein Vorteil, den er zu nutzen gedachte. Alle würden ihn unterschätzen, alle bis auf einen. Und dieser eine war der Schlimmste und Mächtigste von allen, doch noch war die Zeit fern, da er auf ihn treffen und seine Kräfte mit ihm

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