Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Der träumende Diamant 2 - Erdmagie

Titel: Der träumende Diamant 2 - Erdmagie
Autoren: Shana Abé
Ads
zusammen und schaukelte vor und zurück, ohne zuzuhören.
    Nein, nein, nein … Sie würde lieber ertrinken, sie würde lieber sterben …
    Jemand legte ihr eine Hand auf die Schulter. Ein Mann zog sie mit einem Arm an sich heran. Dieser sterbliche Mann, der nach Schweiß und Füchsen und frischem Blut roch, drückte sie an sich, und das Geräusch in seiner Brust war schwach, so
schwach. Das Wasser rann lautlos von ihr herab. Sie schlang dem Mann die Arme um den Hals. Sie drückte ihr Gesicht in sein Haar und spürte, wie Zane rasselnd Atem schöpfte.
    »Es tut mir so leid«, keuchte sie. »Es tut mir so leid, das war nicht ich! O Gott! Was ist geschehen? Es tut mir so leid …«
    »Ganz ruhig«, murmelte der Dieb, und sein Arm umschlang sie ganz fest. »Mein süßes Mädchen, ich halte dich. Schschsch … «
    Der D rákon -Prinz hob seine Stimme gleichzeitig mit der dunklen Melodie Draumrs.
    »Lady Amalia. Jede Sekunde, in der du mir nicht gehorchst, wird dir ein Messer ins Herz stechen.«
    Sie holte tief und schaudernd Luft und spürte, wie die Klinge in sie eindrang.
    »Es wird dich wie Feuer verletzen. Es wird deine Haut versengen. Du brennst, Amalia. Du musst ihn töten, um den Schmerz aufhalten zu können.«
    Ihr wurde die Kehle eng. Ihre Augen tränten. Ihre Finger verkrampften sich, sie warf ihren Kopf zurück und konnte nicht mehr atmen.
    »Feuer, Amalia. Alles, was du tun musst, ist …«
    Zane drängte: »Lia. Hör nicht auf ihn.«
    Ihre Haut bekam Bläschen und fing an zu qualmen. Lia rollte über den harten Boden und spürte, wie ihr Fleisch zu schmelzen begann. Zanes Hand auf ihrer Schulter war rotglühendes Eisen, das ihr bis auf die Knochen schnitt.
    »Lia! Das alles geschieht nicht wirklich!«
    »Doch, Mylady. Du kannst es beenden. Verwandle dich in einen Drachen. Er bedeutet dir nichts. Du wirst wieder unversehrt sein.«
    Und das war die andere Seite des Sees: eine Feuerwand.
Dies war eine Seite Draumrs, die sie sich nie hätte vorstellen können. Er konnte benutzt werden, um ihre Nervenenden zu entflammen, er konnte flüstern: Verbrenne ihn zu Schutt und Asche , und sie würde es tun.
    »Vernichte ihn, Amalia, und der Schmerz wird nachlassen.«
    Zane versuchte aufzustehen. »Verdammt sollst du sein! Hör auf, ihr wehzutun!«
    Lia riss sich an den Haaren, aber sie konnte nicht schreien. Sie konnte nur den Kopf schütteln, immer und immer wieder, ohne auch nur ein Stöhnen herauszubringen.
    Aus sehr großer Entfernung hörte sie den Prinzen seufzen.
    »Maricara. Bring du es zu Ende.«
    Ein Stuhl wurde zurückgeschoben und scharrte über den Stein.
    Lia hörte ihre Stimme. » Nein.« Das Wort entrang sich heiser und brüchig vor Zorn ihrer Kehle. Es klang nicht menschlich, sondern wie die Stimme eines Tieres, aber diese Stimme gehörte ihr. »Ich werde dich töten. Ich werde es nicht zulassen.«
    Verräterin , sang der Diamant. Brenne, brenne, brenne lichterloh …
     
    Maricara bewegte sich wie eine Meerjungfrau unter der Wasseroberfläche, um zu gehorchen. Sie war schlank und geschmeidig, was einer der Gründe dafür war, warum sie zu einem so prächtigen Drachen wurde. In dem orangefarbenen Brokatkleid, das ihr Mann an diesem Morgen für sie ausgesucht hatte, glitt sie vor ihn, den Arm erhoben, das Messer von der Tafel fest in ihrer Hand. Sie stach ihm tief
unter die dritte Rippe; er war groß gewachsen im Gegensatz zu ihr, und sie kam nicht viel höher.
    Imre starrte mit einem erstaunten Ausdruck auf dem Gesicht zu ihr hinunter. Interessanterweise fühlte sie absolut überhaupt nichts. Seine Hände umklammerten ihre und zerrten sie so nah an ihn heran, dass ihr Rock um seine Beine flatterte und ihre Brust auf seinem Bauch lag. Rote Rinnsale ergossen sich über ihre verschränkten Finger; der Diamant glühte heiß auf ihrer Haut. Dann lockerte sich sein Griff, und als Mari zurücktaumelte, trat sie in ein Gewirr aus Jasminstängeln.
    Lange stand ihr Ehemann allein vor ihr, die blauen Augen klar, sein schönes Gesicht bleich. Er schluckte, zog das Messer heraus und starrte stirnrunzelnd auf das blutverschmierte Metall.
    »Du hast nicht gesagt, wie ich die Sache zu Ende bringen soll«, sagte Maricara, als der Prinz auf dem Boden zusammenbrach.
     
    Draumr rollte Imre aus den Fingern. Aber er kullerte nicht weit; er war nicht eigentlich rund, sondern nur abgerundet, und die Kraft, mit der die Hand des Mannes auf dem Boden aufgeschlagen war, hatte ihm einen Schwung gegeben, sodass er mit einem leisen,

Weitere Kostenlose Bücher

Himmel uber Langani
Himmel uber Langani von Barbara und Stefanie Keating
Lockvögel
Lockvögel von A. A. Fair