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Der Tote am Steinkreuz

Der Tote am Steinkreuz

Titel: Der Tote am Steinkreuz
Autoren: Peter Tremayne
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H ISTORISCHE A NMERKUNG
    Diese Geschichte ereignete sich in dem Monat, den die Iren des siebenten Jahrhunderts als Cét-Soman kannten und der später Beltaine oder Mai genannt wurde. Sie spielt im Jahre 666.
    Leser früherer Abenteuer der Schwester Fidelma kennen bereits die Unterschiede zwischen der irischen Kirche des siebenten Jahrhunderts, die man jetzt gewöhnlich die keltische Kirche nennt, und der römischen Kirche. In vielem wich die irische Liturgie und Philosophie von der römischen ab. Ich habe schon erläutert, daß der Begriff des Zölibats bei Mönchen und Nonnen zu der Zeit nicht populär war, weder in der keltischen Kirche noch in der römischen. Man muß sich vor Augen halten, daß in Fidelmas Tagen viele Klöster häufig beide Geschlechter beherbergten und Mönche und Nonnen oft heirateten und ihre Kinder zum Dienst im Glauben erzogen. Sogar Äbte und Bischöfe durften damals heiraten und taten es auch. Das muß man bedenken, wenn man Fidelmas Welt verstehen will.
    Da den meisten Lesern das Irland des siebenten Jahrhunderts recht wenig vertraut sein wird, habe ich eine Skizze des Königreichs Muman beigegeben. Ich habe lieber diesen Namen beibehalten, als die anachronistische Bezeichnung zu benutzen, die dadurch entstand, daß man im neunten Jahrhundert die nordische Endung stadr (Ort) an Muman anhängte, woraus der moderne Name Munster wurde. Weil auch viele irische Eigennamen des siebenten Jahrhunderts unbekannt sein werden, habe ich eine Liste der Hauptpersonen als Hilfsmittel beigefügt.
    Zum besseren Verständnis des Lesers erwähne ich noch, daß die Währungseinheit cumal einen Wert von drei Milchkühen besaß. Als Einheit der Ackergröße entsprach ein cumal etwa 13,85 Hektar.
    Schließlich muß der Leser wissen, daß Fidelma im Rahmen des alten irischen Gesellschaftssystems agiert, dessen Gesetze der Fénechus besser unter der Bezeichnung Gesetze der Brehons (von breaitheamh = Richter) bekannt sind. Sie ist als Anwalt bei Gericht zugelassen, eine Stellung, die Frauen im Irland jener Zeit häufig bekleideten.

H AUPTPERSONEN
    Schwester Fidelma von Kildare, eine dálaigh oder Anwältin bei Gericht im Irland des siebenten Jahrhunderts
    Bruder Eadulf Von Seaxmund’s Ham, ein angelsächsischer Mönch aus dem Lande des Südvolks
     
    Cathal, Abt von Lios Mhór
    Bruder Donnán, ein Gerichtsschreiber
    Colgú von Cashel, König von Muman und Fidelmas Bruder
    Beccan, Oberrichter der Corco Loígde
     
    Bressal, ein Herbergswirt
    Morna, Bressals Bruder
     
    Eber, Fürst von Araglin
    Cranat, Ebers Ehefrau
    Crón, Ebers Tochter und seine Tanist, seine designierte Nachfolgerin
    Teafa, Ebers Schwester
    Móen, ein blinder Taubstummer
     
    Dubán, Kommandeur der Leibwache Ebers
    Crítán, ein junger Krieger
     
    Menma, oberster Pferdewärter im rath von Araglin
    Dignait, die Hausverwalterin
    Grella, eine Dienerin
     
    Pater Gormán von Cill Uird
     
    Archú, ein junger Bauer aus Araglin
    Scoth, seine Verlobte
    Muadnat vom Schwarzen Moor, sein Vetter
    Agdae, Muadnats Oberhirt und Neffe
     
    Gadra, ein Einsiedler
     
    Clídna, eine Bordellwirtin



K APITEL 1
    Der Donner grollte um die hohen kahlen Gipfel der Berge, die den Maoldomhnach umgaben und nach ihm genannt wurden. Gelegentlich erhellte ein Blitz die runde Kuppe und ließ die Schatten schnell über das Tal von Araglin gleiten, das inmitten seiner nördlichen Vorberge lag. Es war eine dunkle Nacht, in der sich die Gewitterwolken zusammenballten und über den Himmel jagten, als würden sie vom mächtigen Atem der alten Götter durcheinandergewirbelt.
    Auf den hochgelegenen Weiden drängten sich die zottigen Rinder zusammen, manchmal aufgeregt brüllend, nicht nur, um sich vor dem drohenden Gewitter zu schützen, sondern auch, um einander vor dem allgegenwärtigen Geruch hungriger Wolfsrudel zu warnen, die durch die dichten Wälder am Rande der Bergwiesen streiften. In einer weit von den Rindern entfernten Ecke der Weiden stand ein majestätischer Hirsch und bewachte besorgt seine Hirschkühe und ihre Kälber. Ab und zu warf er den Kopf mit dem weitverzweigten Geweih hoch und sog mit zitternden Nüstern die Luft ein. Trotz der Dunkelheit, der schwe ren Wolken und des nahen Gewitters spürte er die he raufziehende Dämmerung hinter den fernen Gipfeln im Osten.
    Unten im Tal, an dem düsteren, murmelnden Fluß, lag eine Gruppe unbefestigter Gebäude in völliger Finsternis. Kein Hund rührte sich um diese Zeit, und es war noch zu früh für die Hähne, den

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