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Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Titel: Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter
Autoren: Margaret Weis
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es ist – er möchte, dass ich das Grabmal für ungeöffnet halte. Er fürchtet, dass ich, wenn ich zum Grabmal komme und entdecke, dass es offen ist, mich einfach abwenden und nicht einmal hineingehen werde. Und das zeigt, dass diese Person mich nicht sonderlich gut kennt.« Gustav lächelte, aber es war ein grimmiges Lächeln. »Er hat die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich das Grabmal finde. Er hat sich sorgfältig vor mir versteckt. Er möchte, dass ich hineingehe. Warum? Das ist die Frage. Warum?«
    Er wusste keine Antwort, zumindest keine, die ihm vernünftig erschienen wäre. Eines war allerdings sicher. Wer immer diese Person war oder was immer sie wollte, Gustav hatte nicht vor, sie zu enttäuschen. Er begann, die Steinmauer abzubauen.
    Das dauerte nicht lange. Die Steine waren eilig wieder aufgetürmt worden und saßen ziemlich locker. Er hatte das Grab bald wieder geöffnet. Kühle, feuchte Luft, die nach frisch aufgegrabener Erde roch, drang aus dem Grabmal. Das Sonnenlicht gestattete es Gustav, ein Stück weit in den Zugangstunnel zu schauen, und er stellte angenehm überrascht fest, dass der Gang nach all diesen Jahren immer noch intakt war. Er hatte angenommen, dass ein von den Pecwae gegrabener Erdtunnel unweigerlich einstürzen würde, weil sie sich nicht die Mühe machen würden, ihn mit Holz abzustützen. Aber dieser Tunnel bestand noch, hatte glatte Seiten, war etwa fünf Fuß hoch und vier Fuß breit und führte ins Dunkel.
    War hier jemand gewesen? Wenn, dann sollte es einen Hinweis geben. Gustav hockte sich vor den Eingang, betrachtete den Boden und die Mauern und suchte nach Fußabdrücken oder anderen Zeichen.
    Er fand Abdrücke – die von kleinen, nackten Pecwae-Füßen. Viele von ihnen waren hier hin und her gelaufen, so dass nur die wenigen Spuren dicht an der Tunnelwand deutlich zu erkennen waren. Auf dem fest gestampften und getrockneten Boden des Tunnels hatten sich die Fußabdrücke gut erhalten. Dies waren die Zeichen jener, die den Tunnel gebaut hatten, nicht die eines Eindringlings.
    Gustav konnte sich vorstellen, wie die Pecwae aufgeregt mit ihren schrillen Stimmen aufeinander eingeredet hatten. Er spürte eine gewisse Verbundenheit mit ihnen, die über die Jahre zurückreichte, und er war froh bei dem Gedanken, dass sie einen, der ihnen bis zum Ende treu gedient hatte, so geehrt hatten.
    Gustav stand auf und kehrte ins Sonnenlicht zurück. Er sah sich um, lauschte sorgfältig, aber er hörte nichts und sah niemanden. Wie üblich spürte er, dass er beobachtet wurde. Er legte seinen Rucksack auf den Boden, öffnete ihn und holte Gegenstände heraus, die er in dem Grabmal nicht brauchen würde – Essen, eine Landkarte. Diese Dinge ließ er draußen. Danach blieben noch eine kleine Öllaterne, Feuerstein und Zunder, um sie anzuzünden, Werkzeuge zum Öffnen von Schlössern so wie Wasser.
    Überzeugt, dass er nun alles hatte, was er brauchte, schob er die Arme durch die Riemen des Rucksacks, nahm ihn wieder auf und ging auf die Grabmalöffnung zu. An der Schwelle blieb der Ritter stehen. Er drehte sich um, legte die Hand entschlossen auf den Schwertgriff und warf einen langen, bedeutungsvollen Blick in die Runde.
    »Ich weiß, dass du da bist«, sagte er zu dem unsichtbaren Beobachter. »Und ich warte auf dich. Glaub nicht, dass du mich überraschen kannst.«
    Er wartete nicht auf eine Antwort.
    Er drehte sich um, bückte sich und betrat das Grabmal.

Gustav hatte erst einen Schritt in den Tunnel gemacht, als er bereits die Magie spürte.
    Er selbst kannte sich nicht mit diesen verborgenen Künsten aus – eine Tatsache, die er als Kind bitterlich bereut hatte, denn damals hatte er fälschlicherweise geglaubt, dass Magie all seine Probleme lösen, all seinen Kummer beenden und alles wieder gutmachen könnte. Das Älter werden hatte Erfahrung und genaueres Wissen über Magie und die Opfer gebracht, die sie jenen abverlangte, die sie praktizierten. Das Älterwerden brachte auch eine andere Art von Magie zu ihm, in Gestalt der verzauberten Rüstung, die ein Geschenk der Götter an die Paladine ist, jene heiligen Ritter, jene Erwählten der Götter, die sich der Verwandlung unterziehen.
    Wenn ein Paladin dieses Wunder erlebt, gibt er sich ganz den Göttern. Sein Fleisch wird in jenes Element verwandelt, das mit seinem Volk in Verbindung steht. Menschliche Paladine verwandeln sich in Stein. Elfen verwandeln sich in Luft, Orks in Wasser, Zwerge in Feuer. Wenn das Wunder vollendet ist,

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