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Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Titel: Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter
Autoren: Margaret Weis
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den Kreis bei jeder Runde. Hier wuchsen die Bäume nur spärlich, was möglicherweise darauf hinwies, dass der Boden vor langer Zeit bearbeitet worden war. Die Pecwae waren keine Bauern, aber die Trevinici, ihre Beschützer, hatten sicher Ackerbau betrieben und ihre Spuren hinterlassen. Am Ende eines von Büschen bewachsenen rechteckigen Landstücks, das vielleicht einmal ein Getreidefeld gewesen sein mochte, stieß Gustav auf eine Erhebung, einen großen Hügel, bedeckt mit Gras.
    Er hob den Blick zur Sonne. Es blieben ihm immer noch mehrere Stunden Tageslicht. Er ging um den Hügel herum, untersuchte ihn in allen Einzelheiten und erinnerte sich dabei an die Beschreibung, die ihm der Mönch gegeben hatte.
    »Nachdem sie den toten Bahk in die Grabkammer geschafft hatten, versiegelten die Pecwae den Eingang mit aufeinander getürmten Steinen, dann bedeckten sie diese mit einer Schicht Schlamm.«
    Und dort war er. Dieser grob gemauerte Steinwall. Gustav hielt inne, nicht so sehr aus Begeisterung über seinen Fund, sondern vor Schreck.
    Wenn man der Historikerin glauben durfte, hatten die Pecwae die Steine mit Schlamm bedeckt. In den vergangenen Jahren hätten sich in diesem Schlamm Gräser und Unkräuter ansiedeln und die Steinmauer zumindest zum Teil verdecken müssen. Es hätte ausgesprochen schwierig sein sollen, die Mauer zu finden, aber sie ragte deutlich sichtbar vor ihm auf.
    Gras und Unkräuter waren ausgerissen und zur Seite geworfen worden. Jemand war vor ihm hier gewesen. Er fand kleine Erdklumpen, an denen das Gras noch hing, hob einen von ihnen auf und untersuchte ihn. Das Gras war immer noch grün und hatte gerade erst angefangen zu welken. Jemand war erst vor kurzem hier gewesen.
    Gustav betrachtete die Steine der Mauer. Er konnte sehen, dass man sie abgebaut und wieder hochgemauert hatte, damit es so aussah, als wären sie nie berührt worden. Der Ritter wusste es besser. Die Pecwae waren keine Baumeister. Sie hätten kaum mehr getan als einen Stein auf den anderen zu legen und nie daran gedacht, ob sie gut passten oder dass man Mörtel dazwischen geben musste. Der Staub der Jahrzehnte wäre zwischen die Steine gekrochen. Es hätte hier Spinnen geben müssen, Würmer, Ameisen.
    Diese Steine waren sauber. Die Insekten waren verscheucht worden.
    Gustav fluchte. Überwiegend verfluchte er sich selbst, seine eigene methodische Suche. Während er seine Planquadrate abmarschiert war, hatte ein anderer das Grabmal gefunden. Während er Schritte zählte, hatte ein anderer das Grabmal geöffnet.
    Gustav setzte sich ins Gras, um sich auszuruhen, einen Schluck aus seinem Wasserschlauch zu trinken und über diese unerwartete Entwicklung nachzudenken. Jemand hatte das Grabmal des Bahk nur Tage vor ihm entdeckt.
    Ein Zufall? Das Grabmal war hundert Jahre lang unberührt und unbeachtet geblieben. Es war vielleicht möglich, dass jemand anderes es sich in den Kopf gesetzt hatte, diese abgelegene Gegend zur gleichen Zeit wie Gustav nach dem Grabmal abzusuchen, aber das hielt der Paladin für reichlich unwahrscheinlich.
    Jemand hatte gewusst, dass er auf dem Weg war.
    Gustav ging in Gedanken noch einmal alles durch, was er in den letzten Monaten getan und gesagt hatte. Er hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er nach dem Stein der Könige suchte. Aber er war ein zurückhaltender Mensch und blieb immer für sich. Er gehörte nicht zu den Leuten, die jedem Fremden in einem Gasthaus erzählen, was sie gerade tun. Die Mönche auf dem Drachenberg wussten, dass er vorhatte, das Grabmal zu suchen. Aber sie waren Historiker und nicht selbst darauf aus, Geschichte zu machen. Wenn einer der Mönche auf den Gedanken gekommen wäre, diesen Ort aufzusuchen, dann hätte er das getan und dabei sein übliches Gefolge von hoch aufragenden, treu ergebenen Leibwächtern mitgebracht. Gustav hatte die Mönche auch nicht dazu gedrängt, seine Suche geheim zu halten. Er hatte es nicht für notwendig gehalten und daher hatten sie es vielleicht jemandem erzählt, der danach gefragt hatte.
    Jemand hatte das Grabmal geöffnet und war vielleicht hineingegangen. Grabräuber? Das bezweifelte Gustav. Ein gewöhnlicher Grabräuber wäre einfach mit der Beute verschwunden und hätte das Grab unversiegelt zurückgelassen. Hier allerdings hatte sich jemand einige Mühe gegeben und viel Zeit damit verschwendet, die Steine wieder an Ort und Stelle zu setzen.
    »Jemand will mich bei meinen Forschungen nicht entmutigen«, murmelte Gustav. »Wer immer

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