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Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter

Titel: Der Stein der Könige 2 - Der junge Ritter
Autoren: Margaret Weis
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der die Nation zerrissen hatte, war sie ein Teil von Karnu.
    Der junge Mann hatte von einem Berg gesprochen, der wie ein Adlerschnabel aussah und sich westlich eines gewaltigen Flusses befand, der von Norden nach Süden verlief, westlich des Drachenberges. Die Grabstätte des Bahk befand sich irgendwo zwischen Fluss und Adlerschnabelberg. Gustav war der Ansicht, es müsse sich bei dem Fluss um den Deverel handeln. Er hatte sich an die Anmerkungen der Historikerin gehalten, in denen es Hinweise gab wie: »innerhalb des Schattens des Berggipfels am Mittag«, und »siebzehn Tagesreisen vom Fuß des Berges entfernt«, war er nun an der Stelle angekommen, die er für die wahrscheinlichste hielt.
    Gustav nahm an, dass sich das alte Lager irgendwo in der Nähe von Wasser befunden haben musste, denn es wäre den Pecwae nie in den Sinn gekommen, einen Brunnen zu graben oder eine Wasserleitung zu bauen – die Pecwae werden generell als das faulste Volk von ganz Loerem betrachtet.
    Der Deverel bildete nun die Grenze zwischen dem Kaiserreich Vinnengael und dem Königreich von Karnu. Wäre Gustav durch eine der Grenzstädte gekommen, hätte er auf beiden Seiten bewaffnete Wachen vorgefunden, die einander über den Fluss hinweg wütend anstarrten und vielleicht sogar den einen oder anderen Pfeilschuss wagten, denn die beiden Reiche befanden sich ununterbrochen, wenn auch nicht offiziell, im Krieg miteinander. Tatsächlich aber erforschte Gustav eine Wildnis, die, seit die Pecwae sie vor hundert Jahren verlassen hatten, vermutlich von keinem zivilisierten Volk mehr bewohnt worden war.
    Gustav, der selbst aus Vinnengael stammte, würde mit offener Feindseligkeit, wenn nicht Schlimmerem empfangen werden, wenn man ihn in Karnu fand und erkannte. Aber er hatte keine Angst, entdeckt zu werden. Ritter Gustav Hurensohn hatte ein Talent, das er sich in seinen Jahren auf den Straßen und in den Gassen von Neu-Vinnengael erworben hatte und das es ihm gestattete, unbemerkt feindliche Dörfer und Städte zu durchqueren. Wenn er wollte, war Gustav nur ein einsamer alter Mann unter vielen, der durch abgelegene Straßen schlurfte, bestrebt, dem Tod davonzulaufen. Niemand, der ihn sah, hätte ihn für einen Paladin gehalten.
    Er schlug eine Meile westlich des Flussufers sein Lager auf und machte sich auf die Suche nach dem Grabmal des Bahk. Er arbeitete methodisch, teilte die Region zunächst in Planquadrate ein und verbrachte dann Tage damit, diese Planquadrate nach einem bestimmten Muster abzugehen. Hundert Schritte nach Norden, dann wandte er sich nach Osten und ging weitere hundert Schritte. Dann hundert Schritte nach Süden und hundert nach Westen, die ihn wieder zum Anfangspunkt zurückbrachten, und zusätzliche hundert Schritte in diese Richtung. Wenn er mit einem Quadrat fertig war, begann er mit dem nächsten.
    Drei Tage. Drei Quadrate. Er hatte noch nichts gefunden, aber das entmutigte ihn nicht. Es gab vier weitere Planquadrate, die er noch erforschen musste. Falls er dort nichts fand, plante er, zehn Meilen weiter den Fluss entlang nach Süden zu ziehen und dort wieder von vorn zu beginnen.
    Und die ganze Zeit über wurde er beobachtet.
    Am Morgen des vierten Tages erwachte Gustav aus einem Schlaf, der nicht sehr tief gewesen war. Er war in dieser Nacht nicht weniger als dreimal aufgewacht, weil er glaubte, etwas vor seinem Zelt gehört zu haben. Jedes Mal, wenn er aufwachte, war er gezwungen gewesen, sich zu erleichtern. Eine schwache Blase. Nur einer der vielen Nachteile des Älterwerdens. Der Ritter kroch müde aus seinem kleinen Zelt hinaus und stellte fest, dass er wohl mit einem klaren, sonnigen Tag rechnen konnte. Es war noch früh im Sommer, jene Zeit des Jahres, in der die Blätter noch glänzend grün sind, bevor der Staub sie überzieht, die Hitze sie welken lässt und die Würmer an ihnen fressen. Gustav sah sich sorgfältig den Boden rings um das Zelt an, aber er fand keine anderen Fußabdrücke als seine eigenen.
    Er ging zum Fluss, erleichterte sich und schwamm dann ein wenig, um die Schläfrigkeit aus dem Kopf zu bekommen. Auch am Fluss fand er keine Spuren. Er holte Wasser für sein Pferd, pflockte das Tier dort an, wo es genug Gras und Klee gab, und machte sich dann auf, um mit seiner Suche fortzufahren.
    Er ging vor sich hin, die warme Sonne im Rücken, und blieb plötzlich stehen. Er zog seinen Stiefel aus, starrte wütend hinein, kippte ihn um und schüttelte ihn, als nähme er an, dass er im Laufe der Nacht

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