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Der Sodom Kontrakt

Der Sodom Kontrakt

Titel: Der Sodom Kontrakt
Autoren: Martin Compart
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    Dr. Johnson: “Wenn jemand jetzt leugnen würde, dass Salz auf diesem Tisch steht, dann könnte man ihm die Absurdität seiner Behauptung nachweisen. Ich leugne, dass wir Kanada in Besitz genommen haben, und ich kann meine Behauptung auf recht gute Argumente stützen. Die Franzosen sind ein viel größeres Volk als wir, und sie würden wahrscheinlich nicht zulassen, dass wir das Land in Besitz nehmen.”
    Boswell: “Aber das Ministerium behauptet das.”
    Dr. Johnson: “Richtig. Aber das Ministerium hat von uns ungeheure Ausgaben verlangt, und deshalb liegt es in seinem Interesse, uns davon zu überzeugen, dass wir etwas für unser Geld bekommen haben.”
    Boswell: “Aber Tausende von Menschen behaupten das, die dabei gewesen sind.”
    Dr. Johnson: “Ja, aber diese Leute haben ein noch größeres Interesse daran, uns zu täuschen. Sie wollen nicht zugeben, dass sie selbst ins Bockshorn gejagt worden sind, und sie wollen nicht, dass man den Eindruck gewinnt, die Franzosen hätten sie besiegt, sondern man soll glauben, sie hätten die Franzosen geschlagen. Nehmen wir nun an, Sie gehen hin, um festzustellen, ob das so ist. Das würde nur Sie selbst befriedigen, denn wenn Sie zurückkämen, würden wir Ihnen nicht glauben. Wir würden sagen, Sie seien bestochen worden. Doch trotz all dieser plausiblen Einwände glauben wir, Kanada gehöre wirklich uns. Solches Gewicht hat der Glaube der Allgemeinheit.”
     
    Boswell’s London Journal
    F.A.Pottle (Hrsg.), 1950
     
    “ Wenn nur die Zwecke erreicht werden, so ist es gleichgültig, unter welcher Hülle es geschieht.”
    Adam Weishaupt
    Gründer des Geheimordens der Illuminaten
     
    DORTMUND. Gill schoss mit seinem 600-Rockor-Tele-Objektiv gerade eine Bilderserie von dem kopulierenden Paar, als sich sein Handy meldete. Geschickt ließ er sich von dem Balkon im ersten Stock herunter und tauchte in die nächtlichen Schatten der Büsche ab.
    “ Ja?”
    “ Gill? Hier ist Brenner. Du musst mir helfen. Es geht um mein Leben. Wenn du mir nicht sofort kommst, habe ich keine Chance mehr...”
    “ Was ist los? Wo steckst du?”
    “ Nicht am Telefon. Komm her. Ich bin in Witten. In der Alten Zeit... Die Kneipe in der Johannis...”
    “ Ich weiß, wo das ist. Ich bin in Hörde, mitten in einer Observation...”
    “ Du musst sofort kommen. Es sind fünfhundert Eier für dich drin. Für eine Stunde Arbeit.”
    “ Bleib, wo du bist. Ich komme.”
    Gill warf noch einen Blick zum Balkon hinauf. Er betrachtete diesen Auftrag als abgeschlossen. Früher hätte ihn ein Ehemann beauftragt, seine Frau zu bespitzeln. Aber man lebte im neuen Jahrtausend. Ein verheirateter Mann wollte wissen, ob ihn seine unverheiratete Freundin betrog. Es sah ganz danach aus. Wahrscheinlich würde sie ihm genau erzählen müssen, wie der andere es ihr besorgt hatte.
     
    WITTEN. Brenner hängte den Hörer ein und ging zurück zum Tresen. Er setzte sich an eine Ecke, und die rothaarige Bedienung stellte ihm ein Pils vor die Nase. Harry Brenner gehörte zu den Männern, deren einnehmendes Lächeln sie entweder beliebt machte oder Antipathie hervorrief. Er schaute sich um. Die Kneipe war fast leer. Einige Stammgäste, vier Männer und drei Frauen, standen an der anderen Seite des Tresens, amüsierten sich, lachten viel und tranken ordentlich was weg. Die Bedienung gesellte sich wieder zu ihnen, nahm einen Schluck aus ihrem Sektglas und wollte sich gerade eine Zigarette anzünden, als sie in spielerischer Wut von einem kleinen, dicken Gast mit Vollbart und Halbglatze angefahren wurde. “Wo, zum Teufel, bleibt mein Bier...?!”
    “ Ich hab’ dir doch gerade...”
    “ Gerade! Gerade! Willst du hier was verkaufen, du Umsatzbremse, oder muss ich mir demnächst selber ‘n Kasten mitbringen?”
    Die Rothaarige machte sich am Zapfhahn zu schaffen. Das Dickerchen grinste in die Runde der Stammgäste.
    “ Vorausschauendes Zapfen muss man ihr noch beibringen.”
    Die Runde lachte.
    “ Ich nehm auch noch eins. Und ‘n Korn”, sagte Brenner, dessen Hals trocken war.
    Er war ein großer, gut aussehender Mann der vor Jahren mal einen braunen Gurt im Taek-won-do erreicht hatte. Aber im Moment hatte er eine Scheißangst. Ein Wunder, dass er es bis hierhin geschafft hatte. Als er an die letzten Stunden dachte, bildete sich Schweiß auf seiner Stirn. Die Übergabe war gut gelaufen. Aber dann hatten sie ihn beschattet. Ganz offen. Unterhalb der Sieben Kurven hätten sie ihn beinahe erwischt. Er hatte gerade

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