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Der Schlitzer

Der Schlitzer

Titel: Der Schlitzer
Autoren: Jason Dark
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Dunkler konnte es auch im All nicht sein!
    Es gab keinen Lichtreflex, es war stockfinster, eine absolut kalte Schwärze, die jedes Fünkchen Helligkeit aufgesaugt hatte wie ein Schwamm die Flüssigkeit. Jeden Atemzug, jeden Schweißtropfen und auch jeden Gedanken.
    James Freeman fühlte sich wohl. Es waren die Zeiten des absoluten Glücks, in dieser Schwärze zu liegen, einfach nur zu sein, so gut wie kaum zu atmen und zu spüren, wie eine Person zu einem anderen Menschen werden konnte.
    Dabei wußte Freeman nicht mehr, ob er schwamm oder schwebte. Er lag in und auf der Flüssigkeit, und diese war leicht wie Tausende von Federn, die ihn davontrugen.
    Weg — weit weg…
    Darauf hatte er gewartet. Freeman merkte, wie dicht er sich an sein Ziel herantastete. Für ihn war es das Absolute, das Wunderbare, da wurde die Grenze zur Vollendung erreicht. Er hatte lange Jahre darauf hingearbeitet, um diesen Weg zu finden. Es hatte nur vage Hinweise gegeben. Vereinzelte Forschungsergebnisse, die aber unter Verschluß gehalten wurden, weil sie eben gefährlich waren.
    Nein, nicht daran denken, es hatte keinen Sinn. Er selbst war wichtiger, sein Fühlen, sein Handeln, sein Zustand, das Wegschweben, das sich Lösen, um die neue Wunderwelt der Psyche zu ergründen. Noch hing der Geist mit dem Körper zusammen, um eine Einheit zu bilden. Aber in der Schwärze hatten andere Dinge des Lebens ihre Wirkung und auch Daseinsberechtigung völlig verloren. Es gab eben nur diese absolute Dunkelheit, das Nichts, die Leere, das Wasser, das ihn trug und auch wegtrug.
    Was bin ich? überlegte Freeman. Wer bin ich? So fragte er sich dann weiter. Bin ich noch ein Mensch? Bin ich bereits ein ES, habe ich die große Grenze schon überschritten?
    Er schaffte es noch, seine Gedanken zu ordnen und stellte fest, daß er dicht davor stand. Die Leichtigkeit hatte ihn überfallen, die Gesetze waren aufgehoben worden, für ihn existierte keine Physik mehr. Wo befanden sich die Grenzen?
    Es gab sie nicht mehr. Auch die letzte Barriere war zerrissen. James Freeman stand dicht vor der Auflösung, für die es jetzt kein Hindernis mehr gab.
    Er flog…
    ***
    Herbst — November! Die Zeit der Toten, der grauen Nebel, der alten Friedhöfe. Zeit der Depression, wo die Menschen sich verzweifelt nach Sonne sehnten und nicht mehr daran dachten, wie brutal heiß der letzte Sommer gewesen war.
    Totenwetter, eine sterbende Natur, die Rückbesinnung vieler in die Vergangenheit. Kein Wetter, um fröhlich zu sein, um sich befreit und lachend zu geben. Dafür eingefangen von grauen Nebelschleiern. Ein Wetter, um wegzulaufen, um sich zu verkriechen, aber nicht, um sich die Tage auf einem Friedhof um die Ohren zu schlagen, obwohl gerade in dieser Zeit der Gedanke an den Tod allgegenwärtig war und die Menschen die Friedhöfe vermehrt besuchten.
    Das hatten auch Bill Conolly und ich getan.
    Wir wollten jedoch keine Toten besuchen und uns auch keine Gräber anschauen, wir waren auf den Friedhof gegangen, um nach Möglichkeit ein Gespenst zu entdecken.
    Davon hatte mir Bill berichtet. Angeblich hatten zahlreiche Zeugen einen Geist gesehen, der sich zwischen den Gräbern herumtreiben sollte, aber das stimmte wohl nicht. Ich hätte auch darüber gelacht und wäre nicht gekommen, wenn nicht einige völlig reale Gründe dagegen gesprochen hätten.
    Da war zum einen mein Freund Bill Conolly, der versprochen hatte, mich einzuladen. Wir würden Essen gehen, eben einen gemütlichen Freitagabend erleben, vor dem sich Suko gedrückt hatte. Ob er anschließend dazustieß, war fraglich. Eingeladen hatten wir ihn zumindest.
    Wir standen in der Nähe einer großen Familiengruft. Von hier aus konnten wir einen Großteil des Geländes überblicken, und in dieser Umgebung war er auch gesehen worden.
    Eben der Geist!
    Es war kühl und nebelnaß, typisches Novemberwetter. In bunten Farben leuchtete das Laub. Es war naß und klebrig, hing an seinen Zweigen wie an dünnen Fäden, wurde vom leichtesten Windstoß abgerissen oder löste sich von allein und segelte träge zu Boden.
    An diesem Nachmittag hatte sich der graue Dunst schon früh gebildet. Er trieb über den Friedhof und machte ihn zu einem verwunschenen Spukort. Lange wollte ich auf diesem Gelände nicht stehenbleiben und warten. Das hatte ich Bill gesagt, er hatte es akzeptiert, und er war nach wie vor davon überzeugt, daß wir keiner Fata Morgana nachhingen und sich ein Geist oder ein Gespenst diesen Friedhof ausgesucht hatte. Bills

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