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Der Schatz von Njinjo (German Edition)

Der Schatz von Njinjo (German Edition)

Titel: Der Schatz von Njinjo (German Edition)
Autoren: Fritz Gleiß
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Träger. Wie schafft der das, was treibt ihn jedes Mal von neuem hoch ins Eis? Und vor allem: Was hatten ihm seine wazungu dieses Mal als Tipp geschenkt, was freiwillig noch zugezahlt? 
    Es war gut ausgegangen, dieses eine Mal. 250 Dollar in Devisen, 300.000 Shilling obendrauf, nirgends mehr Verbindlichkeiten. Doch neben dem Geld trieb Hatten auch der Traum vom großen Glück. Glück wie beim Lottospielen: Einmal das große Los ziehen, den richtigen Touristen führen, Warren Buffet, George Clooney oder so, der sich dann lebenslang erkenntlich zeigt. Der so viel Geld und Einfluss hat, dass sich davon anhaltend profitieren lässt. Und dieses Mal zu Weihnachten steckte in Hattens Geschichte tatsächlich ein Tipp, heiß wie ein künftiger Hauptgewinn: Sie wies auf einen grandiosen kolonialen Schatz.
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4. Kaishe Wabayes Kunde 
     
    Vaters Kunde saß derweil in „Key’s Hotel“ beim dritten Bier und sinnierte vor sich hin. Vor ihm stehen auf plüschigen Ledersesseln die erstandenen Pappen, senkrecht, sodass er sie betrachten kann. In der warmen Nachtluft beginnen sie bereits zu dünsten. Um ihn herum die alte, verfallene Pracht britischer Kolonialhotels: der stillstehende Ventilator an der Decke, der Riesenkühlschrank, die Massivholz-Theke aus Tropenholz, fünfundzwanzig Watt Dämmerlicht, die Whiskeyflaschen. Und davor drei unbeschäftigte livrierte Kellner, heute grauhaarig in weißer Uniform auf dunkler Haut. 
    „Noch ein Safari, master ?“
    „Danke nein, noch nicht, danke.“
    Wenn sie einen schon master nennen müssen, will Kaishes Kunde wenigstens freundlich bleiben. Sein weißes T-Shirt, typischer Dress hellhäutiger Touristen, zeigt noch kaum Flecken, keinen Schweiß. Zwei Sessel weiter fläzt sich die hotelübliche Schöne der Nacht auf der Suche nach ihrem Weihnachtsmann. Finn Schütte ist nicht interessiert. Er ist froh, zurück in der Zivilisation zu sein, freut sich übers Konsumieren und träumt von Trude, Geld und Afrika. Vom Abenteuer. 
    Dabei hatte er es doch gerade erst geschafft! Diese Wanderung bis an alle Grenzen, bis zum Umfallen. Den strapaziösen Aufstieg durch alle Klimazonen dieser Erde, durch dichten Regenwald, über Flechten verhangene Steilhänge, verbrannte Heide, Tundra und verschneite, zugleich ausgetrocknete Mondlandschaften. Die dünne Luft, die immer trockener wird. Dabei der ständig lauernde Kopfschmerz, die Überanstrengung und diese dumme, unbeantwortbare Frage: Warum, warum zum Teufel mach ich das bloß hier? Warum tu ich mir das an? Schließlich dann, beim Sonnenaufgang am letzten Morgen, das in allen Farben glitzernde Licht der Gletscher: Das reinste Glück nach tagelanger Quälerei. Und wie er, auf dem Gipfel angekommen, mitten im Eis am liebsten eingeschlafen und beinah erfroren wäre, hätte ihn nicht Manhatten, der Guide, unbändig zäh voran getrieben. 
    Er hatte es sich so nett vorgestellt. Erst ein paar Tage Ausspannen, zur Akklimatisierung mal eben einen Fast-Sechstausender besteigen und Bergwandern durch exotische Landschaft, dann ab in die alte Hauptstadt zum Recherchieren. Stattdessen dauernd dieses „pole pole“! Wie oft hatte er sich diese Litanei in den letzten Tagen angehört! Anfangs hatte er die jungen Männer nicht verstanden, die ihn auf Schritt und Tritt fast aufdringlich begleiteten und sein Gepäck bergauf beförderten. Dann grinste er unsicher und trabte etwas schneller, um sie abzuhängen. Bis es Manhatten ihm und seiner Wandergruppe irgendwann erklärte: 
    „Sorry, ladys and gentleman, so sorry, dass hier niemand ihre Sprache spricht. Meine Leute sind happy, dass sie in der Schule wenigstens ein paar Brocken englisch gelernt haben. Aber sie sind erfahren: Unseren Gästen soll nichts passieren! Deshalb werden Sie so oft gemahnt: Langsam gehen, pole pole! Bloß nie außer Atem kommen! Durchatmen! Nur so können Sie den Gipfel schaffen.“ War da etwa Spott in der sonoren Stimme?
    „Wie weit ist's denn morgen?“
    „Keine zwölf Kilometer ...“
    „Was, nur drei Stunden?“
    „Nein, sechs.“
    Fürs Spöttische schien dieser schmächtige Mann mit den drahtigen Beinen unter der gefleckten Outdoorhose nicht allzu viel übrig zu haben.
    Am nächsten Abend war Schütte trotz seines leicht dicklichen Umfangs einer von zweien aus der Gruppe, dem nicht hundeelend war. Oder vielleicht gerade deswegen. Erneut hatten sie fast tausend Höhenmeter zur zweiten Hüttenanlage hinter sich gebracht, der Koch hatte Steak, Kartoffeln und Möhren

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