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Der Schatten aus der Zeit

Der Schatten aus der Zeit

Titel: Der Schatten aus der Zeit
Autoren: Howard P. Lovecraft
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H.P. Lovecraft

DER SCHATTEN AUS DER ZEIT

    Originaltitel: The Shadow out of Time

    Nach zweiundzwanzig Jahren alptraumhaften Schreckens, vor dem Schlimmsten nur durch den verzweifelten Versuch bewahrt, bestimmte Wahrnehmungen auf mythische Ursprünge zurückzuführen, bin ich nicht willens, mich für die Wahrheit dessen zu verbürgen, was ich in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1935 in West-Australien gefunden zu haben glaube.

    Es gibt Anhaltspunkte für die Hoffnung, daß mein Erlebnis ganz oder teilweise ein Hirngespinst war wofür tatsächlich Ursachen genug vorhanden gewesen wären. Und doch war es so schauderhaft real, daß mir bisweilen jede Hoffnung vergeblich scheint.

    Wenn es sich wirklich so zugetragen hat, dann muß der Mensch sich bereitfinden, Kenntnis zu nehmen vom Kosmos und von seinem eigenen Platz innerhalb des brodelnden Strudels der Zeit, dessen bloße Erwähnung lähmendes Entsetzen verbreitet. Und muß auch von nun an auf der Hut sein vor einer besonderen, geheimnisvollen Gefahr, die, wenn sie auch nie die ganze Rasse verschlingen wird, doch zumindest fürchterliche, ungeahnte Schrecken über einige ihrer wagemutigsten Mitglieder bringen könnte.

    Aus diesem letzteren Grund dränge ich mit der ganzen Kraft meines Seins auf die endgültige Einstellung aller Versuche, diese Fragmente unbekannter, urzeitlicher Bauwerke auszugraben, die zu erforschen meine Expedition ausgezogen war.

    Wenn man annimmt, daß ich bei Verstand und wachen Sinnes war, so habe ich ein Erlebnis gehabt, wie es nie zuvor einem Menschen widerfahren ist. Es war überdies eine fürchterliche Bestätigung all dessen, was ich bis dahin als Traum und Mythos hatte abtun wollen. Gottlob gibt es keinen Beweis, denn in meinem Schreck verlor ich den furchteinflößenden Gegenstand, der -wenn er echt war und ich ihn aus diesem verderblichen Abgrund mitgebracht hätte ein unwiderlegbares Beweismittel darstellen würde.

    Als ich auf dieses Schreckbild stieß, war ich allein und bis jetzt habe ich niemandem davon erzählt. Ich konnte die anderen nicht davon abhalten, in seiner Richtung weiterzugraben, aber der Zufall und der Treibsand haben sie bisher davor bewahrt, es zu finden. Jetzt muß ich eine endgültige Erklärung abgeben nicht nur meinem eigenen seelischen Gleichgewicht zuliebe, sondern auch zur Warnung all derer, die sie ernsthaft lesen werden.

    Diese Seiten was auf den ersten von ihnen steht, wird den aufmerksamen Lesern der allgemeinen Presse und der wissenschaftlichen Zeitschriften großenteils bekannt sein schreibe ich in der Kabine des Schiffes, das mich nach Hause bringt. Ich werde sie meinem Sohn, Professor Wingate Peaslee von der Miskatonic-Universität geben, der als einziges Mitglied meiner Familie nach der merkwürdigen Amnesie, die mich vor vielen Jahren befiel, zu mir hielt, und der am besten über die Hintergründe meines Falles informiert ist. Von allen lebenden Personen muß ich bei ihm am wenigsten befürchten, daß er ins Lächerliche ziehen wird, was ich über diese schicksalhafte Nacht berichten werde.

    Ich habe ihn nicht mündlich aufgeklärt, bevor ich mich einschiffte, denn ich glaube, daß ihm diese Enthüllung besser in schriftlicher Form zuteil werden sollte. Wenn er sie mit Muße liest, wird er ein überzeugenderes Bild gewinnen, als ich ihm mit meinen wirren Worten zu vermitteln hoffen könnte.
    Er kann mit diesem Bericht tun, was er für richtig hält, kann ihn, mit den nötigen Erklärungen, überall herzeigen, wo er Gutes vollbringen könnte. Denjenigen Lesern zuliebe, die nicht mit den früheren Phasen meines Falles vertraut sind, schicke ich der eigentlichen Enthüllung eine recht umfangreiche Zusammenfassung ihrer Hintergründe voraus.

    Ich heiße Nathaniel Wingate Peaslee, und diejenigen, die sich an die Zeitungsberichte erinnern, die vor nunmehr einer Generation erschienen sind oder an die Briefe und Artikel in psychologischen Zeitschriften vor sechs oder sieben Jahren -, werden wissen, wer und was ich bin. Die Presse war voll von Einzelheiten über meine sonderbare Amnesie in den Jahren 1908 bis 1913, und es wurde viel Aufhebens von den Greueln, dem Wahnsinn und der Hexerei gemacht, die man der alten Stadt in Massachusetts nachsagt, die heute wie damals mein Wohnsitz ist. Doch lege ich Wert auf die Feststellung, daß in meiner Abstammung und meiner Jugend weder Irrsinn noch andere dunkle Veranlagungen eine Rolle gespielt haben. Das ist von größter Bedeutung im Hinblick auf den

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