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Der Pfad der Winde - Sanderson, B: Pfad der Winde - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1 (Part 2)

Der Pfad der Winde - Sanderson, B: Pfad der Winde - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1 (Part 2)

Titel: Der Pfad der Winde - Sanderson, B: Pfad der Winde - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1 (Part 2)
Autoren: Brandon Sanderson
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SEITEN

    FÜNF JAHRE UND ZWEI MONATE FRÜHER
    K aladin, sieh dir diesen Stein an«, sagte Tien. »Er verändert die Farbe, wenn du ihn von unterschiedlichen Seiten aus betrachtest.«
    Kal wandte den Blick vom Fenster ab und sah seinen Bruder an. Tien war jetzt dreizehn Jahre alt, und aus einem erwartungsvollen Jungen war ein erwartungsvoller Heranwachsender geworden. Obwohl er etwas gewachsen war, wirkte er für sein Alter noch immer klein, und sein wuscheliges schwarzes und braunes Haar verweigerte sich auch weiter allen Versuchen des Frisierens. Er hockte neben dem lackierten Esstisch aus Lehmholz. Seine Augen befanden sich auf der Höhe der glatten Tischplatte, während er einen klumpigen kleinen Stein betrachtete.
    Kal saß auf einem Stuhl und schälte mit einem kurzen Messer Langwurzeln. Die braunen Wurzeln waren an der Außenseite schmutzig und wurden klebrig, wenn er sie einschnitt. Seine Finger waren bereits mit einer dicken Schicht aus Krem überzogen. Wieder war er mit einer Wurzel fertig und gab sie an seine Mutter weiter, die sie wusch und in den Eintopf schnitt.
    »Mutter, sieh dir das an«, sagte Tien. Die Strahlen des späten Nachmittags fielen durch das Fenster auf der windabgewandten Seite und badeten den Tisch in Licht. »Von dieser Seite aus glitzert der Stein rot, aber von der anderen Seite aus wirkt er grün.«
    »Vielleicht ist er ja magisch«, sagte Hesina. Ein Langwurzelstück nach dem anderen landete im Eintopf, und jedes machte ein ganz eigenes Geräusch.
    »Das muss es sein«, stimmte Tien zu. »Oder er hat ein Sprengsel. Leben Sprengsel auch in Steinen?«
    »Sie leben in allem«, antwortete Hesina.
    »Sie können nicht in allem leben«, wandte Kal ein und ließ eine Schale in den Eimer zu seinen Füßen fallen. Er warf einen Blick aus dem Fenster und betrachtete die Straße, die von dem Ort zum Haus des Stadtherrn führte.
    »Doch«, sagte Hesina. »Sprengsel erscheinen, wenn sich etwas verändert – wenn Angst entsteht oder es zu regnen beginnt. Sie sind das Herz allen Wandels und daher auch das aller Dinge.«
    »Diese Langwurzel«, sagte Kal und hielt sie misstrauisch hoch.
    »Hat ein Sprengsel.«
    »Und wenn ich sie entzweischneide?«
    »Dann hat jedes Stück ein Sprengsel, aber ein kleineres.«
    Kal runzelte die Stirn und betrachtete die lange Knolle. Langwurzeln wuchsen in Felsspalten, wo sich das Wasser sammelte. Sie schmeckten schwach nach Mineralien, waren aber einfach anzubauen. Seine Familie brauchte in diesen Tagen Nahrungsmittel, die nicht viel kosteten.
    »Also essen wir Sprengsel«, sagte Kal geradeheraus.
    »Nein«, entgegnete seine Mutter. »Wir essen die Wurzeln.«
    »Weil wir es müssen «, fügte Tien mit einer Grimasse hinzu.
    »Und die Sprengsel?«, bohrte Kal nach.
    »Sie werden befreit. Sie kehren an den Ort zurück, wo die Sprengsel leben – wo immer das sein mag.«

    »Habe ich ein Sprengsel?«, fragte Tien und schaute auf seine Brust.
    »Du hast eine Seele, mein Lieber. Du bist ein Mensch. Aber die Teile deines Körpers könnten durchaus lebende Sprengsel besitzen. Allerdings sehr kleine.«
    Tien kniff seine Haut, als wollte er die winzigen Sprengsel herauspulen.
    »Mist«, sagte Kal plötzlich.
    »Kal!«, fuhr ihn Hesina an. »So spricht man nicht beim Kochen!«
    »Mist«, wiederholte Kal jedoch stur. »Hat er auch Sprengsel?«
    »Ich vermute ja.«
    »Mistsprengsel«, sagte Tien und kicherte.
    Seine Mutter zerkleinerte weiterhin die Knollen. »Was sollen denn plötzlich all diese Fragen?«
    Kal zuckte mit den Schultern. »Ich … ich weiß nicht. Einfach so.«
    In der letzten Zeit dachte er oft über die Welt nach – und wo sein Platz darin war. Die anderen Jungen in seinem Alter stellten sich solche Fragen nicht. Die meisten wussten , wie ihre Zukunft aussah. Sie würden auf den Feldern arbeiten.
    Aber Kal konnte wählen. Und in den letzten Monaten hatte er seine Wahl getroffen. Er würde Soldat werden. Er war jetzt fünfzehn Jahre alt und konnte mit dem nächsten Anwerber gehen, der durch den Ort kam. Und genau das hatte er auch vor. Für ihn stand es fest. Er würde zu kämpfen lernen. Das war das Ende seiner Unschlüssigkeit.
    Oder?
    »Ich will verstehen«, sagte er. »Ich will, dass alles einen Sinn ergibt.«
    Seine Mutter lächelte. Sie stand in ihrem braunen Arbeitskleid da und hatte das Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden; der obere Teil war unter ihrem gelben Kopftuch verschwunden.
    »Was ist los?«, wollte er wissen. »Warum lächelst

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