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Der Nacht ergeben

Der Nacht ergeben

Titel: Der Nacht ergeben
Autoren: Alexandra Ivy
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ihre übliche Weise vorwärtszustürmen und in Schwierigkeiten zu geraten. Stattdessen versuchte sie, sich einen Überblick über ihre Umgebung zu verschaffen.
    Zu guter Letzt kam sie zu der Schlussfolgerung, dass sie auf einem Bett lag. Allerdings war es nicht ihr eigenes Bett. Diese Matratze hier war hart und klumpig und verströmte einen muffigen Geruch, über den sie nicht einmal nachdenken wollte. In der Ferne konnte sie die Geräusche von vorbeiströmendem Verkehr hören, und etwas näher ertönte der leise Klang von Stimmen oder vielleicht einem Fernsehgerät.
    Sie befand sich also nicht in Selenas halb verkohltem Haus. Sie war nicht länger in einem klammen Kerker, zusammen mit schreienden Frauen und Dämonen. Und sie war nicht tot.
    Das bedeutete doch sicher einen Fortschritt, oder?
    Abby nahm all ihren Mut zusammen. Langsam hob sie den Kopf von dem Kissen und blickte sich in dem dunklen Zimmer um. Es gab nicht viel zu sehen. Das Bett, auf dem sie lag, nahm den größten Teil des engen Raumes ein. Um sie herum waren kahle Wände und die hässlichsten geblümten Vorhänge zu erkennen, die je hergestellt worden waren. Vor dem Bett befand sich eine kaputte Kommode, auf der ein uralter Fernseher stand, und in der Ecke war ein schäbiger Stuhl zu sehen.
    Ein Stuhl, auf dem derzeit ein großer Mann mit rabenschwarzem Haar saß.
    Oder war er überhaupt kein Mann?
    Abbys Herz zog sich angstvoll zusammen, als ihr Blick über den schlummernden Dante glitt. Du meine Güte. Sie musste wohl wahnsinnig sein, um das zu denken, was sie gerade dachte.
    Vampire? Die in Chicago lebten... oder was auch immer Vampire taten. Das war verrückt. Vollkommen durchgedreht. Wahnsinn.
    Aber der Traum - er war so lebendig gewesen. So realistisch. Sogar jetzt noch konnte sie die faulig stinkende, feuchtkalte Luft und die beißende Flamme der Fackel riechen. Sie konnte immer noch die Schreie und den Gesang hören. Sie konnte noch immer das Gerassel schwerer Ketten wahrnehmen. Sie konnte sehen, wie Dante vorwärts gezerrt wurde, und sie konnte die Fangzähne sehen, die ihn als Bestie kennzeichneten.
    Ob es nun wirklich war oder nicht, es hatte sie so nervös gemacht, dass sie sich etwas Raum zwischen sich und Dante wünschte. Und vielleicht mehrere Kreuze, ein paar Holzpflöcke und eine Flasche mit Weihwasser.
    Abby getraute sich kaum zu atmen. Leise setzte sie sich auf und schwang die Beine über den Rand der Matratze. Ihr Kopf drohte zu explodieren, aber sie biss die Zähne zusammen und stand mühsam auf. Sie wollte hier raus.
    Sie wollte in ihr vertrautes Zuhause, zu ihren vertrauten Sachen.
    Sie wollte diesem Albtraum entkommen.
    Einen Fuß unsicher vor den anderen setzend, bewegte sich Abby durch den Raum. Sie war kurz davor, nach dem Türknauf zu greifen, als sie hinter sich ein sehr leises Rascheln hörte. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, und dann umschlagen sie zwei stahlharte Arme.
    »Nicht so schnell, Liebste«, murmelte eine dunkle Stimme direkt in ihr Ohr.
    Einen Augenblick lang setzte ihr Gehirn aus, und sie war wie gelähmt. Und dann gewann die nackte Angst die Oberhand.
    Abby drückte den Rücken durch und versuchte verzweifelt, nach Dantes Beinen zu treten. »Lassen Sie mich los! Lassen Sie mich gehen!«
    »Gehen?« Sein Griff wurde bei ihren Bemühungen nur noch fester. »Sage mir, Süße, wohin beabsichtigst du denn zu gehen?«
    »Das geht Sie überhaupt nichts an.«
    Überraschenderweise lachte er kurz und humorlos auf.
    »Meine Güte, Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mir wünsche, das sei wahr. Wir wurden beide befreit, ist dir das klar? Wir waren frei. Die Ketten waren zerbrochen.«
    Abby hielt bei seinen harten, anklagenden Worten inne. »Was meinen Sie damit?«
    Er streifte auf eine seltsam vertrauliche Art mit seinem Gesicht über ihren Scheitel, bevor er Abby energisch umdrehte, damit sie ihn ansah.
    »Ich meine: Hättest du deine wunderschöne Nase aus Angelegenheiten herausgehalten, die dich nichts angingen, dann hätten wir beide fröhlich unserer Wege gehen können. Jetzt betrifft es mich allerdings wegen deiner Florence-Nightingale-Aktion sehr wohl, wohin du gehst, was du tust, und auch, was du verdammt noch mal denkst.«
    Worüber redete er da, zum Teufel? Das Letzte, was sie brauchte, waren noch mehr Schwierigkeiten.
    »Sie sind verrückt. Lassen Sie mich gehen, sonst...«
    »Sonst was?«, fragte er mit seidenweicher Stimme.
    Gute Frage. Zu schade, dass sie keine brillante Antwort darauf

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