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Der Nacht ergeben

Der Nacht ergeben

Titel: Der Nacht ergeben
Autoren: Alexandra Ivy
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runter.
    Im Gegensatz zu ihrem eigenen.
    »O ja, Sie müssen wirklich leiden«, gab sie zurück, wobei ihr Blick über das Seidenhemd glitt, das mehr als ihre gesamte Garderobe gekostet haben musste. »Es bricht mir das Herz.«
    In den Silberaugen blitzte eine überraschende Hitze auf.
    »Seien Sie nicht so anmaßend, von Dingen zu sprechen, von denen Sie keine Ahnung haben, Liebste«, warnte er sie.
    Lass es einfach, Abby, ermahnte sie sich streng selbst. Wie groß sein ungezwungener Charme auch sein mochte, der Mann war gefährlich. Nur Dummköpfe spielten absichtlich mit dem Feuer.
    Aber natürlich hätte man ihr genauso gut das Wort Idiotin auf die Stirn tätowieren können, wenn es um Männer ging.
    »Wenn es Ihnen hier nicht gefällt, warum verschwinden Sie dann nicht einfach?«
    Es war enervierend, wie er sie schweigend beobachtete, bevor sich seine Augen langsam verengten. »Und warum tun Sie es nicht?«
    »Wie bitte?«
    »Ich bin nicht der Einzige, der hier leidet, oder? Jeden Tag scheinen Sie ein bisschen mehr zu verblassen. Als ob Ihre Frustration und Traurigkeit Ihnen noch ein Stück mehr von Ihrer Seele genommen hätten.«
    Bei diesem Beweis seiner scharfen Beobachtungsgabe wäre Abby fast umgekippt. Sie hätte sich nie träumen lassen, irgendjemand könnte ihre Verzweiflung über ihre langweilige Existenz bemerkt haben oder die aufkeimende Angst, bald zu alt und zu müde zu sein, um sich noch Gedanken darüber zu machen, dass sie auf der Stelle trat.
    Und ganz sicher nicht dieser Mann.
    »Sie wissen überhaupt nichts.«
    »Ich erkenne ein Gefängnis, wenn ich eins sehe«, murmelte er. »Warum bleiben Sie hinter Schloss und Riegel, wenn Sie so einfach verschwinden könnten?«
    Sie lachte kurz und humorlos auf. Einfach? Offensichtlich war er doch bei Weitem nicht so aufmerksam, wie sie es ihm zugetraut hatte.
    »Weil ich diesen Job brauche. Im Unterschied zu Ihnen verfüge ich nicht über eine großzügige Geliebte, die meine Rechnungen bezahlt und es mir ermöglicht, auf großem Fuß zu leben. Einige von uns müssen sich ihren Lebensunterhalt mit richtiger Arbeit verdienen.«
    Wenn sie angenommen hatte, ihn damit zu beleidigen, hatte sie sich gewaltig geirrt.Tatsächlich führten ihre scharfen Worte bloß dazu, dass sein spöttischer Humor zurückkehrte, den sie so verdammt lästig fand.
    »Halten Sie mich für Selenas Lustknaben?«
    »Sind Sie das etwa nicht?«
    Er zuckte mit seiner breiten Schulter. »Unsere... Beziehung ist etwas komplexer als das.«
    »Oja, ohne Zweifel ist es eine erstaunlich komplexe Angelegenheit, der Gespiele einer reichen, glamourösen Frau zu sein.«
    »Ist das der Grund, warum Sie versuchen, mich auf Distanz zu halten? Weil Sie glauben, dass ich das Bett mit Selena teile?«
    »Ich wahre Distanz, weil ich Sie nicht leiden kann.«
    Er beugte sich vor, bis seine Lippen fast ihre berührten.
    »Sie mögen mich vielleicht nicht, meine Süße, aber das hält Sie nicht davon ab, mich zu begehren.«
    Ihr Herz vergaß weiterzuschlagen, während sie mit sich rang, diese kleine Entfernung nicht zu überbrücken, um sich von ihrem Leiden zu erlösen. Ein Kuss. Nur ein Kuss. Das kribbelnde Verlangen war fast unerträglich.
    Nein, nein, nein. Wollte sie wirklich eine Lückenbüßerin sein, mit der er sich seine Langeweile vertrieb? Hatte sie dieses demütigende Spiel nicht schon vorher gespielt?
    »Wissen Sie, Dante, ich habe zu meiner Zeit bereits meinen Teil an Idioten abbekommen, aber Sie...«
    Sie konnte ihre ziemlich nette Beleidigung nicht zu Ende bringen. In der Luft bildete sich plötzlich eine knisternde Hitze, die so elektrisierend war wie ein Blitzschlag.
    Nervös durch das prickelnde Gefühl drehte Abby ihren Kopf zur Treppe, genau in dem Moment, als eine donnernde Erschütterung das Haus zum Beben brachte. Davon überrascht taumelte sie und fiel nach hinten, während ihr die Luft aus den Lungen getrieben wurde.
    Einen Moment lang lag sie vollkommen still da. Fast erwartete sie, dass die Decke auf sie herunterstürzte. Oder dass der Boden sich auftat und sie verschlang.
    Was zum Teufel war passiert? Ein Erdbeben? Eine Gasexplosion? Das Ende der Welt?
    Was auch immer es war, es hatte ausgereicht, um die Bilder von den Wänden fallen zu lassen und Tische umzuwerfen. Plötzlich passte die Mingvase, die sie zerbrochen hatte, zu jedem der anderen unbezahlbaren Gegenstände.
    Abby schüttelte den Kopf, um sich von dem Klingeln in ihren Ohren zu befreien, und holte tief Luft. Nun ja,

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