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Der Mondmann

Der Mondmann

Titel: Der Mondmann
Autoren: Jason Dark
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andere viel längere Beine besaß und sie sich außerdem ziemlich schwach fühlte. Die Gestalt kam näher.
    Schritt für Schritt...
    Bei jedem Aufsetzen des Fußes glaubte Melody, ein Schaben zu hören, als wäre unter den Sohlen trockenes Laub zerbröselt.
    Je näher der Fremde kam, umso besser konnte sie ihn erkennen. Sie sah den dunklen Schatten auf seinem Kopf. Es musste das kurz geschnittene Haar sein, das ebenso dunkel war wie dieser einem Umhang ähnelnde Mantel, der nur zwischen Hals und Brust geschlossen war. Dass dies so blieb, dafür sorgte eine Spange, die beide Hälften von zwei Seiten festhielt.
    Das Gesicht war für sie noch nicht zu erkennen. Dafür die nach unten gerichteten Arme, die bei jedem Schritt pendelten. Der Mann hielt seine Hände ausgestreckt. So entdeckte Melody die langen und kräftigen Finger daran.
    Unbeirrt ging der Mann weiter. Melody drückte sich mit einem Reflex zurück, aber sie berührte nur die geschlossene Tür. Eine Flucht nach hinten gab es für sie nicht.
    Das Herankommen des Mannes glich einem Bühnenauftritt. Er ließ sich Zeit. Er wollte, dass seine Gestalt in allen Einzelheiten wahrgenommen wurde, was bei Melody auch geschah.
    Ein ungewöhnliches Gefühl durchströmte sie. Sie konnte es sich nicht erklären, und sie merkte, wie sich die Haut in ihrem Nacken spannte.
    Ihr Atem ging schnell und heftig, während der Typ vor ihr überhaupt nicht zu atmen brauchte.
    Zumindest hatte sie den Eindruck, denn sie hörte nur das Schaben seiner Schritte.
    Dann blieb er stehen!
    Melody Marwood schloss für einen Moment die Augen. Sie lauschte nur noch, aber die Schritte klangen nicht mehr auf. Der Fremde war nicht weitergegangen.
    Die Frau hob den Blick wieder an. Sie konnte gar nicht woanders hinschauen, sie musste einfach das Gesicht des Fremden dicht vor sich sehen, und jetzt war es nahe genug bei ihr, um auch Einzelheiten zu erkennen.
    Das Mondlicht schien stärker geworden zu sein und hatte sich auf den Fremden und auf sie konzentriert. So war das Gesicht zu einem bleichen Schatten geworden, obwohl es zugleich völlig natürlich aussah, denn es waren die Augen, die Nase und der Mund vorhanden.
    Melody musste zugeben, dass sie in ein attraktives Männergesicht schaute. Diese Person hätte sie sich auch als Action-Star auf der Leinwand vorstellen können, und sie war in diesen Sekunden von dem Anblick einfach fasziniert. Diese Tatsache passte ihr selbst nicht, doch sie konnte sich davon nicht lösen.
    Der unbekannte Fremde hatte sie tatsächlich in seinen Bann gezogen und alles andere vergessen lassen. Sie dachte nicht mehr an ihren Zustand, und auch der Gedanke an ihren Mann war aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Es gab für sie nur diesen Fremden, dessen Blick sie einfach bannte.
    Ausweichen konnte sie ihm nicht. Er tat etwas mit ihr. Eine innere Erregung hielt sie umklammert, und sie fragte sich, was mit ihr los sei. Dieser Mann war ihr völlig fremd, doch jetzt hatte sie das Gefühl, ihn schon seit Jahren zu kennen.
    Noch immer schaute er sie an.
    Seine Augen unter den dunklen Brauen waren etwas Besonderes. Sie transportierten eine Botschaft, von der Melody nur den Sinn verstand. Sie musste sich darauf einstellen, dass sie jetzt zu ihm gehörte. In ihren Knien merkte sie das weiche Gefühl, doch sie brach nicht zusammen und blieb starr stehen.
    Die Augen!
    Ja, es waren die Augen, die eine so große Faszination ausstrahlten. Wieder durchströmte Melody’s Körper eine Hitze, aber es war eine andere als die durch die Fieberschübe erlebte.
    Ich bin verrückt! Ich bin verrückt! Es gibt keine Erklärung. Wenn dieser Mann ihr befohlen hätte, sich auszuziehen, um sich auf der Stelle ihm hinzugeben, verdammt, sie hätte es getan. Sie kannte sich einfach selbst nicht mehr.
    Bisher hatte er noch kein Wort gesprochen. Das änderte sich. Als Melody seine Stimme vernahm, da glaubte sie, einen Zeitbruch zu erleben, denn plötzlich befand sie sich wieder in der Wirklichkeit.
    »Ich bin da!«, sagte er nur.
    »Ja«, flüsterte die Frau.
    »Ich habe dich gefunden...«
    Melody lächelte mit zuckenden Lippen.
    »Du bist Melody Marwood.«
    »Das bin ich.«
    »Und ab jetzt gehörst du mir!«
    Nein, nein! Ich gehörte nicht dir. Ich gehöre zu meinem Mann, verdammt. Ja. ich gehöre zu meinem Mann. Ich will bei keinem anderen Menschen an der Seite sein. Nur mein Mann ist wichtig. Ich habe mich einmal für ihn entschieden, und dabei bleibt es.
    Das hatte sie sagen wollen, aber sie schaffte es

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