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Der letzte Vampir

Der letzte Vampir

Titel: Der letzte Vampir
Autoren: David Wellington
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Dieser Psychopath würde heute Abend nicht entkommen, soviel stand fest.
    »Special Deputy Arkeley, vielleicht sollten wir uns zurückziehen und das SWAT-Team mit ihm verhandeln lassen?«, schlug Webster vor. Er benutzte meinen offiziellen Dienstrang nur, um öffentlich zu Protokoll zu geben, dass er alles Mögliche tat, um den Einsatz von Gewalt zu vermeiden. Er schützte seinen Arsch. Wir wussten beide, dass Lares niemals freiwillig mitkommen würde. Keine Chance.
    »Ja, vermutlich hast du recht«, sagte ich angespannt. »Ja.« Ich lockerte den Griff um die Pistole und trat wütend gegen den Wagenboden.
    Der Müllcontainer zerplatzte in seine Einzelteile, ein weißer Schemen stürmte auf die Gasse. Kollidierte hart genug mit unserem Wagen, dass er auf die Seite kippte. Die Beifahrertür wurde eingedrückt und quetschte meinen Arm ein und damit auch die Waffe. Webster griff nach seiner Waffe, noch während der Wagen wieder zurückkippte, wir beide in die Sicherheitsgurte geschleudert wurden und mir die Luft aus den Lungen entwich.
    Webster streckte den Arm an mir vorbei und gab drei Schüsse ab. Das austretende Pulver verbrannte mir Gesicht und Hände. Ich roch nur noch Kordit. Für gute dreißig Sekunden war ich taub. Mein Seitenfenster explodierte nach draußen, aber ein paar Splitter tanzten in meinem Schoß.
    Ich wandte den Kopf, von dem Gefühl erfüllt, in geschmolzenem Glas gefangen zu sein – ich konnte normal sehen, war aber so gut wie gelähmt. Das zerstörte Sicherheitsglas rahmte Lares’ grinsendes, zerfetztes Gesicht perfekt ein. Der Regen wusch das Blut von seinem Mund, aber das verbesserte sein Aussehen nicht im Geringsten. Seine Brille war kaputt, die Bügel aus Schildpatt verbogen und die Gläser von Sprüngen durchzogen. Eine von Websters Kugeln hatte Lares’ rechtes Auge durchschlagen. Das weiße Gewebe war zerplatzt und herausgespritzt, blutiger Knochen schimmerte in der Höhle. Die anderen beiden Kugeln waren in die Nase und seine rechte Wange eingeschlagen. Es waren schreckliche Wunden, blutig und definitiv tödlich.
    Noch während ich sie betrachtete, schlossen sie sich. Es war, als würde man über eine dieser unzerbrechlichen Mülltonnen fahren, deren Einbuchtungen sich sofort wieder glätten und innerhalb von Sekunden ihre ursprüngliche Form annehmen. Eine kleine weiße Rauchwolke in Lares’ Augenhöhle verfestigte sich, blies sich zu einem neuen Augapfel auf. Die Wunde in der Nase schrumpfte zusammen, und die in der Wange hätte genauso gut eine Lichtspiegelung sein können. Wie ein Schatten, der einfach verschwand.
    Als er wieder heil und sauber war, nahm er langsam die zerbrochene Brille ab und warf sie über die Schulter weg. Dann öffnet er den Mund und grinste. Jeder seiner Zähne lief spitz zu. Es war nicht annährend wie im Film. Es sah eher wie ein Hairachen aus, Reihe um Reihe kleine Messer im Zahnfleisch. Er gewährte uns einen ausführlichen Blick auf sein Gebiss und sprang über den Wagen. Ich konnte seine Füße auf dem Dach aufprallen hören, dann stand er schon auf der anderen Seite. Er war bereits in der Bewegung gelandet und lief nun auf die Liberty Avenue zu.
    Das SWAT-Team erreichte die Ecke vor ihm und sprang aus dem Panzerwagen. Vier Agenten mit MP5 in den Händen. Sie trugen Helme und Sturmmontur, aber es handelte sich nicht um ihre Standardausrüstung. Der befehlshabende Offizier hatte darauf bestanden, dass ich ihnen Gelegenheit gab, ihre Körperpanzer zu modifizieren. Wir alle wüssten, worauf wir uns da einließen, hatte er gesagt. Wir hätten alle genug Filme gesehen.
    Also waren auf ihren Körpern überall Kreuze aufgeklebt, alles, was sie hatten auftreiben können, von großen, aus Holz geschnitzten römisch-katholischen Kreuzen, an denen furchteinflößende Jesusfiguren hingen, bis zu Nickelkreuzen aus dem Ramschladen, wie man sie an Glücksarmbändern für Kinder finden konnte. Ich wette, sie fühlten sich ziemlich sicher unter all dem Müll.
    Lares lachte laut auf und riss sich den roten Sweater vom Leib. Sein Torso bestand nur aus wogenden Muskeln. Weiße, haarlose Haut ohne Poren zuckte über den darunter verborgenen Höckern seiner Wirbelsäule. Ohne Hemd sah er bedeutend weniger menschlich aus. Eher wie eine Art Albinobär. Ein wildes Tier. Ein Menschenfresser.

2. Einsatzbericht von Special Deputy Jameson Arkeley, 4.10.83
(Fortsetzung)
    »Keine Bewegung!«, schrie einer der mit Kreuzen bedeckten SWAT-Beamten. Die anderen drei ließen sich auf ein

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