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Der Knochenmönch

Der Knochenmönch

Titel: Der Knochenmönch
Autoren: Jason Dark
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war.
    Da blieb sie nicht lange.
    Sie kehrte zurück – und war ein Mensch.
    Zumindest was den Körper anging. Weiter oben, wo normalerweise ein Kopf zu sehen war, zeichnete sich der Schädel einer Hyäne ab. Ein mit dünnem Fell bewachsener, überhäßlicher Schädel, mit einer langen Schnauze versehen, widerlich und abstoßend. Dazu leuchtete in den Augen ein kaltes Licht, das einen blaßgelben Schimmer abgab.
    Ambrizzi war wieder Gestalt geworden.
    Ambrizzi war bereit.
    Ein Dämon aus alter Zeit, der seinen Meister, den Knochenmönch, beschützen sollte.
    Nichts konnte die beiden jetzt noch auf dem Weg zu ihrem Ziel aufhalten…
    ***
    Da Wallraven Gast des Hotels war, hatte er den ihm gebotenen Service ausgenutzt und sich einen Leihwagen besorgen lassen, einen Fiat Croma, in den wir alle hineinpaßten.
    Er selbst wollte auf keinen Fall fahren, wie er uns mehrmals erklärte. Er war zu nervös. Zudem hatte er auch Angst, weil er wußte, daß er ein Verräter war. Er befürchtete, daß der Knochenmönch schon längst über seinen Verrat informiert war und inzwischen einen Racheplan ausbrütete.
    Wir verstanden die Sorgen des Mannes und versicherten ihm ein paarmal, daß wir ihn so gut wie möglich aus dem Fall heraushalten würden. Wichtig waren seine Informationen, wobei wir nicht davon ausgingen, daß alles stimmte. Wallraven versuchte uns immer wieder zu überzeugen, daß er nur die zweite Geige in diesem Fall gespielt hatte.
    Alberti war der Mann gewesen, der an den Fäden gezogen hatte. Er lebte nun nicht mehr und konnte weder etwas bestätigen noch abstreiten.
    Wir ließen Wallraven reden und wiesen nur hin und wieder darauf hin, daß er Suko, dem Fahrer, bessere Informationen geben sollte, damit wir uns nicht im römischen Verkehr verfuhren. Es war sowieso schwer genug, sich durchzuwursteln.
    Aber wir hatten noch einen Father Ignatius, der sich ebenfalls einigermaßen auskannte. Sein Wohnhaus – es gehörte der Kirche – lag in der Nähe des Vatikans. Es war so etwas wie die Zentrale der Weißen Macht, die allerdings hier in Rom einiges von ihrer Schlagkraft eingebüßt hatte. Ignatius war dabei, sie wieder aufzubauen, was allerdings Zeit kostete.
    Er saß mit Driscoll und mir im Fond und sprach davon, daß er wieder einige geweihte Silberkugeln angefertigt hatte, die wir mitnehmen konnten.
    Das ließ sich Father Ignatius nicht nehmen. Was er in seinem Heimatkloster St. Patrick begonnen hatte, führte er auch in Rom fort. Er wußte, was er seinen Freunden schuldig war.
    Es war ihm schwergefallen, sich mit den Tatsachen des neuen Falls abzufinden. Daß der Papst umgebracht werden sollte, wollte ihm nicht in den Kopf. Für ihn war es eine Ungeheuerlichkeit, und es zeigte ihm gleichzeitig, zu was die andere Seite fähig war. Es war ihm auch schwergefallen, die Information nicht weiterzugeben, denn noch fehlte uns der hundertprozentige Beweis.
    Winter in Rom.
    Kein Sonnenschein, ein grauer Himmel, ebenso grau wie der Tiber. Eine Stadt, die zwar nicht schlief, aber auch nicht das Leben zeigte, wie es normalerweise hier pulsierte.
    Selbst die Kuppel des Petersdoms hatte eine andere Farbe angenommen. Sie sah ebenfalls grau aus und ragte traurig in den Himmel. Wir mußten nicht direkt bis auf das Gelände des Vatikans oder in den inneren Zirkel, was uns auch nicht möglich gewesen wäre, doch am Rande dieses Staats im Staate gab es noch genügend Institutionen, die unmittelbar mit ihm zu tun hatten.
    Das fing bei Wohnhäusern an und endete schließlich bei kleinen Souvenirläden.
    »Hier müßte es doch sein«, murmelte Driscoll, der sich neben mich geklemmt hatte.
    »Kennen Sie den Ort?«
    »Nein, John, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß wir dicht vor dem Ziel stehen.«
    »Sind wir auch«, meldete sich Wallraven. Er hatte den Kopf nach rechts gedreht, um alles genau wahrnehmen zu können. »Es ist nicht mehr weit. Fahren Sie langsamer.«
    Suko tat ihm den Gefallen.
    Auf der rechten Seite standen mehrere Häuser. Alte Bauten, von denen einige nach einer Renovierung schrien. Wir sahen Zäune, die leere Grundstücke einfriedeten.
    »Da ist es!«
    »Wo?«
    »Rechts!« Wallravens Arm zitterte. Suko hatte noch Zeit genug, um einen Parkplatz zu finden.
    Wir blieben im Wagen sitzen. Father Ignatius wollte wissen, was hinter den Mauern geschah. Bisher hatte uns Wallraven darüber im unklaren gelassen.
    »Die Mitglieder eines Ordens kümmern sich hier um die armen Menschen, die Gestrauchelten und Gestrandeten.

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