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Der Knochenmönch

Der Knochenmönch

Titel: Der Knochenmönch
Autoren: Jason Dark
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Atmosphäre, die ihn umgab, die andersartige Kühle, als läge sie dort so dick wie ein unsichtbarer Nebel. Er fühlte sich nicht beschützt wie sonst, wenn er eine Kirche betrat. Für Sinclair war dies eine fremde Welt, in der sogar die Zeit nicht mehr weiter vorangeschritten war.
    Eine sehr stumme Welt, in der sogar die normale Bewegung eines Menschen störend wirkte. Sinclair wartete, bis sich die Tür wieder hinter ihm geschlossen hatte, erst dann wandte er sich seinem eigentlichen Ziel zu. Er schaute in den Mittelgang hinein, der die beiden dunklen Bankreihen trennte. In dieser Kirche war auf Pomp und Prunk verzichtet worden. Sie hatte eine nahezu puritanische Ausstrahlung. Weit entfernt stand der Altar. Dort gab eine einzelne Kerze ihr Licht ab, das aussah, als wäre es ein Punkt im All.
    Horace F. Sinclair hatte erwartet, seinen Freund William Cartland hier zu treffen, nur konnte er keinen Menschen entdecken. Er befand sich allein in diesem Gotteshaus, förmlich niedergedrückt von einer lastenden Stille zwischen den Wänden.
    War William noch nicht da? Hatte er sich verspätet? Sinclair dachte darüber nach, und er wunderte sich, denn das war eigentlich nicht Cartlands Art. Auch wenn sie sich lange nicht mehr gesehen hatten, glaubte er daran, daß sich dieser Mann nicht geändert hatte. Gewisse Verhaltensmuster blieben eben bis ins Alter hinein.
    Schon bei der Herfahrt hatte der pensionierte Anwalt kein allzu gutes Gefühl gehabt, was sich nun verstärkte und zu einer gewissen Besorgnis auswuchs.
    Er hatte den Eindruck, beobachtet zu werden, als er sich Schritt für Schritt durch den Mittelgang bewegte. Er wollte sich überall umsehen.
    Den Gedanken, nach Cartland zu rufen, hatte er fallen gelassen.
    Außerdem war da noch etwas, das er sich nicht erklären konnte. Zwar sah er seinen alten Freund nicht, trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, als wäre er hier in seiner Nähe.
    Es war ihm anzusehen, wie sehr er unter Spannung stand. Nach jedem Schritt drehte er den Kopf, um in die Bankreihen zu schauen. Der Steinboden hatte für ihn die Härte verloren. Sinclair ging wie auf einem weichen Wasserbett weiter. Die Fenster ließen nicht viel Tageslicht durch, das sowieso mehr grau als hell war, und dieses Zwielicht bildete zahlreiche Schatten innerhalb der Kirche.
    Ein Geräusch!
    Nicht von ihm verursacht. Es hatte anders geklungen als seine eigenen Schritte.
    Der alte Herr blieb stehen und wartete darauf, daß sich das Geräusch wiederholte.
    Es blieb still. Hatte er sich geirrt?
    Nein, daran glaubte er nicht. Schließlich stand er unter einem derartig großen Druck, daß er auf alles achtete, was sich in seiner Umgebung abspielte.
    Sinclair ging weiter und lauschte dabei auf seinen Herzschlag. Er war lauter als sonst. Jeder Schlag schien eine Warnung zu sein, doch endlich umzukehren und sich nicht dem Schrecken zu stellen.
    Je mehr er sich dem Zentrum der Kirche, dem Altar, näherte, um so unwohler fühlte er sich. Äußerlich war ihm nichts anzusehen, vielleicht waren seine Augen etwas geweitet, um besser das graue Dämmerlicht durchdringen zu können.
    Die Bänke schwiegen. Die Fenster glotzten wie trübbunte Spiegel. Die Luft war noch kälter geworden.
    Der Grund für seine Unruhe lag in ihm selbst, das stand fest. Er fand sich nur nicht mit seiner Umgebung zurecht. Hier fühlte er sich wie ein Fremdkörper, der in ein dreidimensionales Bild hineingedrückt worden war. Daß er sich durch eine Kirche bewegte, daran dachte er nicht mehr.
    Ihm fehlte schlichtweg die innere Überzeugung, daß er sich in einem Gotteshaus aufhielt. Er fühlte sich fremd hier. Er hätte ebensogut auch durch eine Totenlandschaft schreiten können, das Gefühl wäre das gleiche gewesen.
    Sinclair versuchte, dies alles zu fassen, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Und schließlich war er sicher, daß diese Kirche entweiht worden war.
    Entweiht…
    Das Wort gefiel ihm nicht, auch wenn er sich damit abfinden mußte.
    Wenn ja, wer hatte dieses Gotteshaus entweiht? Bestimmt nicht William Cartland, denn so etwas traute er diesem Mann nicht zu, auch wenn er ihn eine Weile nicht gesehen hatte.
    Er dachte an den Pfarrer. Wo lebte der Mann? Vielleicht an einem Ort hinter der Kirche?
    Wieder hörte er das Geräusch. Ein seltsames Scharren, nicht sehr laut, als hätte jemand einen Gegenstand über eine glatte Fläche gezogen.
    Von der linken Seite her, dicht vor ihm. In Sinclairs Kopf drehten sich die Gedanken. In oder an der Bank mußte etwas

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