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Der Klang des Todes - Bartosch Edström, C: Klang des Todes - Furioso

Der Klang des Todes - Bartosch Edström, C: Klang des Todes - Furioso

Titel: Der Klang des Todes - Bartosch Edström, C: Klang des Todes - Furioso
Autoren: Carin Bartosch Edström
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Donnerstag, 10. September
    D er Spaziergang am Strandvägen war schon fast zum Ritual geworden. Seine Lebensgeister erwachten, und er empfand eine Zuversicht wie seit Langem nicht mehr. Er fühlte sich bereits wie ein Gewinner. Nach all diesen Jahren, in denen ihm die Zeit davongelaufen war, hatte er jetzt die perfekte Lösung gefunden. Auch wenn diese nur einen geringen Einsatz erforderte, jedenfalls zu Anfang, so würde es später umso schwieriger werden. Er würde jene, die ihm am nächsten standen, belügen müssen.
    Er war bereit. Er würde tun, was er tun musste, um die Zukunft zu sichern.
    Peder Armstahl war sich seiner Pflicht bewusst gewesen, seit er alt genug war, seine Position in der Erbfolge zu verstehen. Er hatte sie nicht selbst gewählt und auch kein Mitspracherecht gehabt. Und wäre jemand auf den Gedanken gekommen, ihn nach seiner Meinung zu fragen, so hätte er vermutlich geantwortet, es sei ihm eine Ehre. Ganz einfach.
    Es konnte doch nicht so schwer sein, diese ehrenvolle Pflicht, ja eigentlich seine einzige Pflicht im Leben, zu erfüllen. Bisher hatte sich dies jedoch als vollkommen unmöglich erwiesen.
    Mit ungläubigem Staunen nahm er sein wiederholtes Scheitern hin. Und dann auch noch die stumme Nachsicht seiner Familie. Irgendetwas hätten sie ruhig einmal sagen können, um die Unaufrichtigkeit ihrer Glückwünsche zu jeder Taufe ein wenig zu kaschieren. Irgendwas, eine plumpe Bemerkung, nur um dem Umstand, der allen so bewusst war, ein wenig von seiner Schmerzlichkeit zu nehmen. Emily war ihm nie von der Seite gewichen. Vielleicht machten sie ja ihr zuliebe eine gute Miene. Aufrecht und loyal hielt sie zu ihm. Die Gabe seiner Frau, sich von Niederlagen beflügeln zu lassen, bewunderte er wirklich. Sie bestärkte ihn in der Überzeugung, dass er es eines Tages allen zeigen würde.
    Dieser Tag schien jedoch nie zu kommen, und irgendwann wusste er nicht mehr, wie er seine eigene Unzulänglichkeit ertragen sollte. Seine Enttäuschung verwandelte sich in Beschämung. Ihm blieben nur zwei Möglichkeiten. Entweder gab er sich weiterhin seinem Selbstmitleid hin, oder er riss sich zusammen und ging das inzwischen ernste Problem an.
    Die Rettung kam überraschend. Er erinnerte sich noch ganz genau an jede Einzelheit, jeden Geruch und jedes Geräusch des entscheidenden Augenblicks im vergangenen Sommer. Die Familie war nach Torekov gefahren, und er hatte in Stockholm bleiben und arbeiten müssen. Anfang August hatte er recht früh an einem Freitagnachmittag das Boot nach Svalskär genommen. Louise war bereits dort. Allein.
    Zusammen mähten sie den Rasen und strichen die Bänke in der Fliederlaube. Ein paar verrottete Bretter des Zauns um die Himbeerbüsche mussten ersetzt und der Kahn an Land geholt werden. Es war ihm wie ein Luxus vorgekommen, diesen einfachen Verrichtungen nachzugehen, Bretter festzunageln, lose Farbe abzukratzen und Unkraut zu jäten. Verschwitzt und mit erdigen Händen entledigten sie sich ihrer Kleider und sprangen ins Wasser, um sich abzukühlen. Anschließend saßen sie am Ende des Badestegs, ließen die Beine baumeln und tranken Bier. Die Sonne ging bereits hinter der Insel unter. Die letzten Strahlen verbreiteten auf dem immer schwärzer werdenden Meer einen warmen, goldenen Schein.
    Es war ein zauberhafter, lauer Sommerabend gewesen, wie es ihn fast nur in der Erinnerung gibt und an dem sich kein schönerer Ort als die Stockholmer Schären denken lässt. Vor dieser Kulisse, in dieser aufgeladenen Atmosphäre kommt es wie von selbst zu Vertraulichkeiten. Stimmen hallen über dem spiegelglatten Wasser wider. Insekten umschwirren sonnengebräunte Arme und Beine. Ab und zu unterbrachen sie ihre Unterhaltung, schlugen mit der Hand nach einer Mücke und lachten wie früher als Kinder. Konnte es überhaupt schöner werden? Genau das hatte er gedacht, als sich Louise an seine Schulter lehnte. Sie war ernst geworden, und er hatte gewusst, dass sie jetzt etwas Wichtiges sagen würde. Er war der Einzige, dem sie ihre innersten Gefühle anvertrauen konnte.
    Der Zauber des Sommerabends war dahin. Innerhalb von Sekunden ging seine tröstliche Träumerei in einen Zustand glasklarer Wachheit über. Er stieg nicht gleich auf ihre Gedanken ein. Das Ganze war zu groß, als dass er die richtigen Worte gefunden hätte. Außerdem hatte sie ihn noch nicht direkt gefragt. Seine Bierflasche war in seiner Hand vor Schweiß ganz glatt geworden. Er hatte zu laut gelacht, vielleicht sogar ein wenig zu

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