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Der Killer im Lorbeer

Der Killer im Lorbeer

Titel: Der Killer im Lorbeer
Autoren: Arthur Escroyne
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A
n diesem frischen Aprilmorgen steigt der Bag gerführer Melrose auf seine Maschine, verstaut Pausenbrot und Thermoskanne und startet den Diesel. Hinter der Windschutzscheibe steckt ein verblasstes Bildchen. Es zeigt Melrose und seine Familie beim Grillen. Ein Mädchen mit Ponyfrisur hält ihm den Teller hin. Er nimmt ein Würstchen und lacht in die Kamera. Letzte Woche ist das Mädchen mit der Ponyfrisur von zu Hause ausgezogen und lebt jetzt bei seinem Freund. Der Baggerführer lässt seine Frau nicht spüren, wie sehr es ihn schmerzt, dass sie im Haus nur noch zu zweit sind.
    Er pustet den Motor durch, schwarzer Dreck kommt aus dem hochgelegten Auspuffrohr. Mit dem Mittelfinger bedient er den Hebel, der die Baggerschaufel hochfährt. Der hydraulikgetriebene Löffel zieht einen Frauenarm empor. Eine weiße Bluse, blondes Haar, ein weit geöffneter Mund. Mit einem Schrei zuckt der Baggerfahrer zurück. Seine Finger, sonst mit den Schalthebeln verwachsen, hantieren hektisch. Der Körper mit der weißen Bluse wird hochgeschleudert. Ein schwarzer Rock, an den Füßen fehlt ein Schuh. In seiner Panik fürchtet der Baggerfahrer, die Wucht des Greifarms könnte die junge Frau verletzt haben. Behutsam senkt er ihn, stellt den Motor ab und beugt sich über das Armaturenbrett. In der Tiefe der Baugrube schimmert die weiße Bluse. Melrose setzt die Mütze ab und wischt sich über die Stirn.
    »Sie wird im Stau stecken«, sagt Jock, der Polizeiarzt.
    »Es ist nur ein Katzensprung von Sutherly hierher.« Der Constable zeigt zum Schloss hoch. »Sogar zu Fuß müsste sie schon da sein.« Er befestigt das blaugelbe Absperrband am Ast eines Strauches.
    »Vielleicht springt die alte Karre wieder mal nicht an.« Die Spurensicherung, Onkel und Neffe, packt die Koffer aus. Der Ältere sichert den Fundort, der Jüngere macht die Fotos.
    »In sieben Jahren habe ich das nicht erlebt, dass sie zu spät zum Tatort kommt. Wisst ihr noch, wie sie mal mit Gipsbein und Krücken anhumpelte?« Sergeant Bellamy lacht in die Runde, die Kollegen nicken nur.
    Im Hintergrund hockt der Baggerführer auf der Wiese. Den Kopf in beide Hände gestützt, starrt er zu seinem Arbeitsplatz. Wie ist die Frau bloß in die Baugrube geraten? Wie soll er an diesem Ort je wieder baggern?
    Am Gürtel von Sergeant Bellamy klingelt das Diensthandy. »Das wird sie sein!«
    Es ist nicht Detective Inspector Daybell am Telefon. Inspector Daybell weiß nichts von der Toten in der Baugrube. Sie ist noch nicht einmal aufgebrochen. Detective Inspector Daybell hat mit mir geschlafen. Sex während der Dienstzeit ist nicht ihre Angewohnheit, doch heute gab Rosemary der Liebe den Vorzug. Es musste sein, und es musste heute sein. Rosy und ich wünschen uns ein Kind.
    Mitten auf dem Bett erhebt sie sich in den Kopfstand. Erst beim dritten Versuch gelingt es. Rosy schüttelt und rüttelt sich, damit meine schwimmenden Helden ihren Bestimmungsort sicher erreichen.
    Vor einer halben Stunde vibrierte ihr Diensthandy, dann hüpfte es vor zehn Minuten auf dem Frühstückstisch, jetzt vibriert es wieder. Mit einem Handtuch um die Hüften bringe ich Rosy das Telefon. Normalerweise hätte sie die nötigen Aufgaben delegiert und wäre unverzüglich aufgebrochen. Heute verzögert die Kostbarkeit von Rosys Eisprung die Aufklärung eines Mordfalls.
    Ich halte der Frau im Kopfstand das Telefon hin. »Die von deiner Dienststelle sollten dich mal so sehen.«
    Sie presst den Hörer ans Ohr. »Im Labyrinth?«, fragt Rosy. »Und die Todeszeit?« Wie eine Schere klappen ihre Beine auf und zu. »Hat es nachts geregnet? – Weshalb ich nicht abgenommen habe?« Sie sieht mich an. »Ich war in einem Meeting .« Der Turm sinkt in sich zusammen. »Bin gleich da.« Liegend gibt sie mir das Telefon.
    »Kauft Bellamy dir das ab?« Ich gehe ins andere Zimmer. »Weiß er von deinen Babyplänen?«
    »Meinen Babyplänen?« Von nebenan höre ich präzise Handgriffe. Keine schafft es so schnell in die Klamotten wie Rosemary.
    »Unsere«, korrigiere ich. »Natürlich sind es unsere Pläne.«
    »Ist noch Tee da?« Auf Socken kommt sie um die Ecke.
    Ich schenke ihr eine Tasse ein. Vor der Liebe haben wir uns gestärkt. Verschwenderisch liegt der Frühstückstisch vor uns.
    »Was gibt’s denn?«
    »Mord im Labyrinth.« Rosy trinkt in kleinen Schlucken.
    » Lady Carolines Labyrinth?«
    »Ich nehme den Volvo, wenn es dir recht ist.«
    »Nimm lieber ein Rosinenbrötchen mit.« Ich will es mit Butter beschmieren.
    Sie

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