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Der Kaefig - Roman

Der Kaefig - Roman

Titel: Der Kaefig - Roman
Autoren: Richard Laymon
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VORWORT
    von Dean Koontz
     
     
    Seit ich auf diesem Planeten weile – ich bin älter als Microsoft Word 5.0, aber jünger als die englische Sprache – war ich in lediglich zwei Verkehrsunfälle verwickelt. Es lag kaum mehr als ein Jahr zwischen ihnen, und die Umstände ähnelten sich auf unheimliche Weise; eigentlich hätte ich keinen von ihnen überleben dürfen – schon gar nicht unversehrt.
    Im ersten Fall saß ich mit meiner Frau auf dem Weg zu einem Restaurant in einer großen Limousine und hielt an einer Ampel, als ein Auto von hinten mit (laut Schätzung der Polizei) fast 90 Stundenkilometern ungebremst auf uns auffuhr. Da der Frühling anbrach, hatte ich an diesem Tag gerade Sommerreifen auf die Hinterachse gezogen. Die Winterreifen lagen im Kofferraum, um sie bei Gelegenheit bis zum nächsten Winter in der Garage verstauen zu können. Als wir gerammt wurden, wirkten die Reifen als riesige Stoßdämpfer. Trotzdem wurde die hintere Hälfte der Limousine vollkommen zerknautscht, zu einem halben Meter Schrott zusammengedrückt und gegen unsere Kopfstützen geschoben. Die hinteren Türen falteten sich zusammen wie Akkordeons. Die Vordertüren verbogen und ließen sich nicht mehr öffnen. Der Tank zerplatzte, und Benzin sprühte in den Innenraum. Unglaublicherweise lief der Motor weiter. Ich rechnete mit einer Explosion oder einem Feuer
und brauchte ungefähr eine halbe panische Minute, um eine der verbeulten Türen aufzustemmen. Unsere Limousine hatte einen Totalschaden, aber der Wagen, der uns gerammt hatte, war völlig zerstört. Wir dachten, der Fahrer des anderen Autos müsste tot sein, aber zu unserem Erstaunen kletterte er, noch während wir zu ihm eilten, aus seinem zerquetschten Coupé, ebenso unversehrt wie wir. Er stellte sich als sechzehnjähriger Junge heraus, der erst seit einem Monat den Führerschein besaß. Am Morgen eben dieses Tages hatte er sich sein erstes Auto gekauft. Er betrachtete empört das Wrack, sah dann uns an und sagte: »Das kann ich jetzt wirklich nicht gebrauchen«, als wären wir im Gegensatz zu ihm nur durch die Gegend gefahren, weil wir den kranken Wunsch verspürten, von hinten gerammt und getötet zu werden. Wir hatten an diesem Tag gerade die letzte Rate für den Wagen abgezahlt.
    Vierzehn Monate später, nachdem wir fast 5000 Kilometer von Pennsylvania nach Kalifornien gezogen waren, hielten wir auf dem Weg zum Abendessen (unsere Erfahrungen widersprechen aufs Heftigste der allgemein angenommenen Ungefährlichkeit von Restaurantbesuchen) an einer Ampel, als ein Auto von hinten mit (laut Schätzung der Polizei) fast neunzig Stundenkilometern ungebremst auf uns auffuhr. Dieses Mal saßen wir in einem kleinen Sportwagen ohne Rückbank, einem Mercedes 450 SL. Weil der Mercedes ein stabiles und hervorragend konstruiertes Fahrzeug war, zerplatzte weder der Tank noch verbogen die Türen; wir kamen ungeschoren aus dem Wagen. Das Auto, das uns gerammt hatte, eine große Limousine, sah aus wie nach einem Atomwaffenangriff. Wir waren sicher, dass der Insasse tot oder
schwer verletzt sein müsste. Schnell liefen wir zur Fahrertür. Das Fenster war zersplittert. Die Tür war verbogen. Die Fahrerin lebte, war aber offensichtlich betrunken. Als wir ihr gut zuredeten, sie solle ruhig bleiben, wir würden sie rausholen, beschimpfte sie uns und sagte genau wie der junge Fahrer vierzehn Monate zuvor in Pennsylvania: »Das kann ich jetzt wirklich nicht gebrauchen. « Ich bekam sie nicht aus dem Auto gezogen, und auch die Polizei, die zwei Minuten später eintraf, hatte Mühe, sie herauszuholen – nicht aufgrund ihrer etwaig schwierigen Lage im Wrack, sondern ihres festen Entschlusses, ihrer Position gegenüber dem Verlassen des Wagens und der anschließenden Alkoholkontrolle den Vorzug zu geben. Genau wie vierzehn Monate zuvor in Pennsylvania hatte Gerda an diesem Morgen die letzte Rate für unseren Wagen bezahlt.
    Diese geradezu unheimliche Übereinstimmung in den Details deutet für mich – wie so viele Dinge im Leben – auf eine Welt hin, die nicht immer nach den vorhersehbaren Gesetzmäßigkeiten von Physik und Wahrscheinlichkeit funktioniert, sondern auch und vielleicht genauso häufig unter dem Einfluss geheimnisvoller Kräfte steht; Kräfte mit einem wundervoll komplizierten Sinn für Geschichten und einem Plan, der vielleicht nicht undurchschaubar, aber schwierig zu analysieren und zu begreifen ist. Als wir über die beiden Unfälle nachdachten, überlegten Gerda und ich, was

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