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Der Hauch Des Bösen: Roman

Titel: Der Hauch Des Bösen: Roman
Autoren: J. D. Robb , Uta Hege
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Prolog
    Wir beginnen bereits mit unserem ersten Atemzug zu sterben. Der Tod wohnt uns von Geburt an inne und rückt mit jedem Herzschlag tickend ein Stück näher. Er ist das Ende, dem kein Mensch entkommen kann. Trotzdem klammern wir uns an das Leben, und trotz oder vielleicht wegen seiner Flüchtigkeit beten wir es an.
    Gleichzeitig aber denken wir ständig an den Tod. Wir errichten Denkmäler für ihn, erweisen ihm unsere Ehrfurcht mit unseren Ritualen. Wie wird unser Tod werden, fragen wir uns ein ums andere Mal. Wird er schnell und plötzlich oder langsam und qualvoll sein? Werden wir Schmerzen haben? Wird er uns nach einem langen, erfüllten Leben holen oder reißt er uns - gewaltsam, unerklärlich - aus der Blüte unserer Jahre heraus?
    Wann wird unsere Zeit gekommen sein? Der Tod ereilt uns stets und allerorts.
    Wir erschaffen ein Leben nach dem Tod, weil wir es nicht ertragen, die Tage zu durchschreiten, während uns das Gespenst eines möglichen Endes jagt. Wir erschaffen Götter, die uns lenken und die an goldenen Toren auf uns warten, um uns in ein Land zu führen, in dem auf ewig Milch und Honig fließen.
    Wir sind Kinder, die in den Ketten des Guten mit der ewigen Belohnung liegen und in denen des Bösen, für das uns die ewige Strafe ereilen wird. Weshalb die
meisten von uns niemals wirklich leben und niemals wissen werden, was wahre Freiheit ist.
    Ich habe das Leben und den Tod studiert.
    Es gibt nur ein einziges Ziel. Zu leben. Frei zu leben. Sich beständig weiterzuentwickeln. Und sich mit jedem Atemzug bewusst zu sein, dass man nicht nur ein bloßer Schatten ist. Ihr seid das Licht und müsst dieses Licht nähren, aus jeder Quelle, die euch zur Verfügung steht. Dann steht am Ende nicht der Tod. Dann werden wir am Ende selbst das Licht.
    Sie werden sagen, ich wäre verrückt, doch das, was ich gefunden habe, sind geistige Gesundheit, Wahrheit und Erlösung. Wenn meine Entwicklung abgeschlossen ist, wird, was ich bin, was ich tue, was ich habe, unbeschreiblich sein.
    Und wir werden alle ewig leben.

1
    Viel besser konnte das Leben nicht mehr werden. Eve trank ihre erste Tasse Kaffee aus und riss eine Bluse aus dem Schrank. Sie wählte etwas Dünnes, Ärmelloses aus, denn der Sommer des Jahres 2059 drohte New York allmählich zu ersticken und hielt die gesamte Ostküste des Landes in einem festen, verschwitzten Griff.
    Aber, he, lieber diese Affenhitze als irgendeine Form von Kälte, dachte sie.
    Nichts würde ihr diesen Tag verderben. Nichts.
    Sie zog die Bluse an, warf, um ganz sicher zu sein, dass sie allein im Zimmer war, einen schnellen Blick zur Tür, tänzelte mit vergnügt schwingenden Hüften zum AutoChef und füllte dort grinsend ihre Tasse wieder auf. Ein Blick auf ihre Uhr verriet, dass die Zeit reichen würde, noch etwas zu essen, und so gab sie die Bestellung für ein paar frische Blaubeerpfannkuchen auf.
    Dann kehrte sie zurück zum Schrank und suchte ihre Stiefel. Sie war eine große, schlanke Frau, die momentan eine kurze Khakihose und ein blaues Tanktop trug. Die blonden Strähnen, die die gleißend helle Sonne in ihr kurz geschnittenes, braunes Haar gewoben hatte, passten gut zu ihrem etwas kantigen Gesicht mit den großen braunen Augen und dem vollen Mund. In der Mitte ihres Kinns hatte sie ein kleines Grübchen, über das ihr Gatte Roarke gern mit einer Fingerspitze fuhr.

    Trotz der Hitze, die ihr beim Verlassen des großen, herrlich kühlen Schlafzimmers vor dem großen, herrlich kühlen Haus entgegenschlagen würde, zog sie eine dünne Jacke aus dem Schrank und warf sie über das Waffenhalfter, das über der Rückenlehne des Sofas in der Sitzecke hing.
    Ihre Dienstmarke steckte bereits in ihrer Tasche.
    Lieutenant Eve Dallas holte sich die Pfannkuchen und den Kaffee, warf sich gemütlich auf die Couch und bereitete sich vor Beginn des Arbeitstages bei der Mordkommission auf den Genuss eines luxuriösen Frühstücks vor.
    Mit dem Katzen eigenen siebten Sinn für Futter tauchte mit einem Mal der fette Galahad aus dem Nichts neben ihr auf dem Sofa auf und starrte mit seinen zweifarbigen Augen begierig ihren Teller an.
    »Das Essen gehört mir.« Sie spießte ein Stück Pfannkuchen mit ihrer Gabel auf und fixierte den Kater. »Selbst wenn du bei Roarke leichtes Spiel hast, Freundchen, bei mir geht gar nichts. Wahrscheinlich hast du sowieso schon gefuttert«, fügte sie hinzu, legte ihre Füße auf den Tisch und kaute genüsslich. »Ich wette, du warst gleich bei Sonnenaufgang in

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