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Der gelbe Koffer

Der gelbe Koffer

Titel: Der gelbe Koffer
Autoren: Ursel Scheffler
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Der gelbe Juwelen-Koffer
    Tobias Flink sitzt gerade an seinem Schreibtisch und telefoniert. Ungeduldig erklärt er seinem Komplizen alles noch einmal genau und eindringlich.
    „Und du kommst Punkt zwölf! Es ist wichtig, dass die Sache klappt. Sonst bin ich pleite!“ Endlich scheint der andere zu begreifen. Flink beendet das Gespräch und seufzt. Seine Versicherungsgeschäfte laufen zur Zeit nicht besonders. Da muss er sich schon was einfallen lassen. Immerhin ist heute Freitag der dreizehnte. Das ist gewöhnlich sein Glückstag! Jetzt muss er noch den Juwelier Rasch anrufen. Rasch will eine ganze Kollektion sehr wertvoller Schmuckstücke bei ihm versichern lassen, die er für die Internationale Schmuck-Ausstellung in New York zusammengestellt hat.
    Flink lächelt zufrieden. Das ist seine Chance! So wird er mit einem Schlag alle seine finanziellen Probleme lösen können.
    Er nimmt den Hörer ab und wählt die Nummer des Juwelier-Ladens Goldvogel in der Innenstadt.
    „Rasch“, meldet sich der Juwelier.
    „Flink, Versicherungen aller Art“, antwortet Flink und macht einen kleinen Scherz über die beiden schnellen Namen.

    Der Juwelier am anderen Ende der Leitung lacht und sagt: „Schaun wir mal, wie flink Sie hier sein werden, Herr Flink! Ich kann nämlich schon nicht mehr ruhig schlafen, seit die Schmuckstücke hier im Tresor sind. Unversichert!“
    „In zehn Minuten bin ich bei Ihnen“, sagt Flink und greift nach den vorbereiteten Unterlagen.
    Fünf Minuten später steuert er seinen nagelneuen zitronengelben Jaguar durch das Verkehrsgewühl. Er parkt ihn direkt in der Einfahrt. Das hat Rasch ihm bei seinem ersten Besuch empfohlen. Das Geschäft liegt im Zentrum der Stadt. Da sind Parkplätze fast so kostbar wie Diamanten.
    Um 11.50 Uhr betritt Flink den Laden. Der Juwelier erwartet ihn schon und führt ihn in sein Büro. Durch ein vergittertes Fenster, das auf den Hinterhof hinausgeht, scheint die Mittagssonne herein und fällt auf einen flachen gelben Lacklederkoffer.
    „Das sind sie!“, sagt der Juwelier und öffnet andächtig den Deckel. Auf mehreren Lagen von schwarzem Samt blitzen und funkeln die herrlichsten Schmuckstücke.

     
    „Da fehlen einem die Worte!“, sagt Flink leise und bekommt Augen, so groß wie Kaffeeteller.
    „Mir wird ganz heiß bei dem Anblick. Kann ich einen Augenblick das Fenster aufmachen?“
    „Natürlich. Es ist ja vergittert“, sagt Rasch. „Da kann nichts passieren.“
    „Eine Pracht-Kollektion! Jetzt kann ich Ihre Unruhe verstehen, Herr Rasch. Wir müssen schnellstens den Versicherungsvertrag machen. Ich hab alles vorbereitet“, sagt Flink und wirft einen raschen Blick auf die Armbanduhr. Es ist kurz nach zwölf.
    Flink atmet tief durch, öffnet seine Aktentasche und sagt: „Oh, da hab ich doch glatt meinen Taschenrechner und die Verträge im Auto liegen lassen. Ist mir peinlich!
    Eine Sekunde! Ich hole die Sachen rasch aus dem Auto!“
    Sekunden später kommt Flink völlig aufgeregt zurück und ruft:
    „Mein Auto! Mein nagelneuer Jaguar ist weg! Gestohlen! Hier in der Einfahrt stand er.“
    Die beiden Angestellten im Laden haben nichts bemerkt. Sie waren mit Kunden beschäftigt. Und vom Laden aus kann man die Einfahrt nicht sehen.
    „Wir müssen sofort die Polizei verständigen“, sagt Rasch. Er wählt die 110. Aber das Telefon gibt keinen Ton von sich.
    „Störung!“, murmelt Flink. „Das passiert leider in letzter Zeit öfter.
    Bestimmt wegen der Kanalbauarbeiten hier in der Gegend.
    Können wir nicht nebenan im Tabakladen fragen, ob wir eben telefonieren dürfen ...“
    „Klar, kommen Sie!“, sagt Rasch.
    „Ich hol nur eben mein Notizbuch.
    Dann kann ich gleich meinen Freund anrufen, dass er mich später abholt“, murmelt Flink und läuft noch mal kurz ins Büro zurück. Als Flink in den Tabakladen kommt, hat Rasch bereits telefoniert und sagt: „Die Polizei ist schon unterwegs. Kommissar Kugelblitz persönlich wird sich um die Angelegenheit kümmern. Ein tüchtiger Mann.“
    „Oh, Sie kennen den berühmten Kommissar persönlich?“, sagt Flink überrascht.
    „Kann man wohl sagen. Wir gravieren immer die Medaillen für das Polizei-Sportfest“, erklärt der Juwelier stolz.
    Als Kommissar Kugelblitz eintrifft, findet er den Juwelier auf dem Teppichboden seines Geschäftes. Er ist ohnmächtig.
    „Ein Schock!“, erklären die beiden Verkäuferinnen. „Stellen Sie sich vor, jetzt ist auch noch der gelbe Juwelenkoffer verschwunden!“
    „Erst mein

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