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Der Flug der Aurora – Die Frontier-Saga (1): Die Frontier-Saga 1 (German Edition)

Der Flug der Aurora – Die Frontier-Saga (1): Die Frontier-Saga 1 (German Edition)

Titel: Der Flug der Aurora – Die Frontier-Saga (1): Die Frontier-Saga 1 (German Edition)
Autoren: Ryk Brown
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flammten am Kopf der Treppe zwei blassblaue Scheinwerfer auf, die auf den Senator und dessen Gemahlin gerichtet waren. Wiederum im Einklang mit der Musik reckte der Senator triumphierend die Rechte, eine Geste, die er bei seiner letzten Siegesfeier populär gemacht hatte. Die Menge jubelte und spendete donnernden Applaus, während der Senator die Hand seiner Frau ergriff und an ihrer Seite die Treppe hinunterschritt. Die Scheinwerfer folgten ihnen und erfassten hin und wieder einzelne besonders bekannte Gäste. Es herrschte überschwänglicher Jubel, wenngleich alles strengstens choreografiert war.
    Als der Senator unten angelangt war, ließ seine Frau seine Hand los und verschwand nach links in der Dunkelheit, während der auf sie gerichtete Scheinwerfer abblendete. Der Senator trabte nach rechts, wobei er ungeachtet seines Alters einen körperlich fitten, energischen Eindruck machte. Er gelangte genau in dem Moment zum Sprechpult, als die Musik ihren Höhepunkt erreichte.
    »Danke!«, sagte er mehrmals hintereinander, während er darauf wartete, dass der Applaus verebbte. »Amüsiert ihr euch auch alle am Gründertag?«, rief er, was ihm tosendes Gebrüll einbrachte. Er schwenkte eine volle Minute lang die Arme, bis er sich endlich verständlich machen konnte.
    »Gut. Es freut mich, dass alle den Abend genießen. Dies ist ein wichtiger Tag in der Geschichte unserer Welt, und er sollte gefeiert werden.« Der Senator betrachtete die Menge, während der Applaus versiegte. Schließlich begann er seine vorbereitete Rede und passte seinen Tonfall entsprechend an.
    »Vor langer Zeit wurde die Menschheit in eine Periode beispielloser Finsternis und Verzweiflung zurückgeworfen. Tausend Jahre lang kämpften unsere Ahnen nach der schwersten Katastrophe, die je über die Menschheit hereingebrochen ist, ums Überleben. Eine Plage biblischen Ausmaßes löschte fast die gesamte Menschheit aus. Nur diejenigen, die über eine angeborene Immunität verfügten, überlebten und konnten von Neuem beginnen. Aber die schwere bio-digitale Plage hatte nicht nur die Bevölkerung dezimiert. Sie löschte auch unsere Zivilisation und Infrastruktur aus. Sie beraubte uns der Einheit. Sie nahm uns unsere gemeinsamen Träume und Ziele. Sie raubte uns sogar den Willen zum Durchhalten …«
    Der Senator legte eine Kunstpause ein und musterte die Gesichter der auf seinem Rasen versammelten Gäste, bis er den Moment für gekommen hielt, zwei Worte hinzuzufügen.
    »Beinahe jedenfalls. Denn ungeachtet aller Beschwernisse, ungeachtet des Leids und der Schmerzen, ungeachtet der vielen tausend Massengräber und der zahllosen Selbstmorde aus abgrundtiefer Verzweiflung, hat die Menschheit durchgehalten. Zunächst haben wir uns zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen und gemeinsam ein karges Auskommen gefunden. Und im Laufe der Zeit wurde es besser. Im Laufe der Zeit vergaßen wir. Wir vergaßen das Grauen, die Verzweiflung, die Tragik. Und mit jeder neuen Generation vergaßen wir auch uns selbst: wer wir waren, woher wir stammten und was wir einmal gewesen waren. Wir vergaßen sogar, dass auf Welten, die wir einst kolonisiert hatten, Menschen wie wir ums Überleben kämpften.«
    Der Senator legte eine weitere Pause ein und stellte mit einigen Personen in der Menge Blickkontakt her. Er wusste, dass jeder, dem er in die Augen sah, eine Wählerstimme ausmachte.
    »Jahrhundertelang haben wir einfach nur dahinvegetiert und kaum Anstrengungen unternommen, zurückzuholen, was wir verloren hatten. Als die Bevölkerung wuchs, machte uns die Not schließlich erfinderisch. Nach und nach entwickelten wir uns weiter und nahmen den Wiederaufbau in Angriff. Aber wir mussten alles, was wir vergessen hatten, neu erlernen. Wir mussten im Laufe der Zeit die gleichen Experimente durchführen, die gleichen Forschungen und Entwicklungen vorantreiben und die gleichen zahllosen Rückschläge erleiden wie unsere Ahnen. Bis zu jener schicksalhaften Entdeckung und dem Tag, da wir erkannten, dass alles, was wir einst waren, nicht verloren, sondern nur … verlegt war. Dies war der Tag, an dem die Menschheit alles zurückbekam, was uns genommen worden war. Es war der Tag, an dem die Datenarche entdeckt wurde!«
    »Mein Gott«, murmelte ein junger Mann und trank von seinem Cocktail. »Man könnte meinen, er wäre persönlich dabei gewesen.« Er leerte das Glas, setzte es ab und winkte dem Barkeeper, ihm nachzuschenken, dann wandte er sich wieder der Bühne zu. Von seinem Platz an der
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