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Der erste Marsianer

Der erste Marsianer

Titel: Der erste Marsianer
Autoren: A. E. van Vogt
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DER ERSTE MARSIANER
     
    Ich hatte meinen Druckanzug angelegt und ging durch das Bahnhofsgebäude von Eastport, dem Eisenbahnknotenpunkt auf Mars, als ich den breiten, untersetzten Burschen mit dem mahagonifarbenen Gesicht auf mich zukommen sah. Ich wußte sofort, daß er eine Art Indianer sein mußte.
    „Señor“, sagte er.
    Ich blieb höflich stehen und musterte ihn.
    „Señor, ich bin der neue Mann, der Sie ablösen soll.“
    Das traf mich. Ich wußte, daß ein neuer Lokomotivführer meine Strecke übernehmen sollte. Ich wußte auch, daß auf dem Mars nahezu alle Rassen und Religionen vertreten waren. Aber nur weiße Männer fuhren die schweren, reaktorbefeuerten Dampflokomotiven über die endlosen Ebenen und durch die Berge.
    Ich versuchte, mir meine Überraschung nicht anmerken zu lassen. „Freut mich“, sagte ich. „Dann ziehst du dir am besten gleich deinen Druckanzug an. Wir fahren in dreißig Minuten. Wie heißt du? Ich bin Hecton. Bill Hecton.“
    „José Incuhana. Ich trage keinen Druckanzug.“
    „Klingt nach Südamerika“, sagte ich – und brach ab. „Hör zu, Joe“, sagte ich endlich, „sei vernünftig und geh in den Ausrüstungsraum und laß dir einen HA 2 geben. Aber mach schnell. Es dauert eine Weile, bis man in diese Dinger hineinkommt. Sieh zu, daß du in zwanzig Minuten bei der Maschine bist.“
    Ich wandte mich ab, unbeholfen in meinem eigenen HA 2. Ich hatte nie viel für diese Druckanzüge übrig gehabt, aber auf dem Mars mit seiner dünnen Atmosphäre sind sie für Menschen, die ihre Unterkünfte verlassen, lebensnotwendig.
    Ich war ungefähr fünf Schritte gegangen, als ich merkte, daß er immer noch bei mir war. Er sagte: „Ich kann so mitgehen, Señor Hecton.“ Es klang etwas unsicher.
    Ich drehte mich um und sah ihn an. Zügelte meine Ungeduld. „Joe, wie lange bist du schon hier auf dem Mars?“
    Er sah mich aus seinen sanften dunkelbraunen Augen an. „Zwei Tage, Señor.“ Er hielt zwei Finger hoch.
    „Warst du schon draußen?“ Ich zeigte zum nächsten Fenster, hinter dem die trostlose Einöde sichtbar war.
    Er nickte. „Gestern.“
    Seine Augen hatten einen intelligenten Ausdruck, und sie starrten mich an, als warte er noch immer auf die Pointe. Ich blickte verdutzt umher und entdeckte Manet, den Bahnhofsvorsteher. „He, Charles!“ rief ich.
    Manet, ein behäbiger Franzose mit zwinkernden schwarzen Augen, kam herüber. Er sagte: „Ihr habt euch schon miteinander bekanntgemacht?“
    „Charles“, sagte ich, „erzähl Joe vom Mars. Daß Luftdruck und Sauerstoffgehalt der Atmosphäre ungefähr so sind, wie wir es zu Hause in achttausend Metern Höhe haben. Er glaubt, er brauche keinen Druckanzug.“
    Manet schüttelte den Kopf. „Bill, Señor Incuhana stammt aus dem bolivianischen Hochland. Sein Geburtsort liegt in fünftausend Metern Seehöhe. Für ihn ist der Mars nicht viel mehr als einer von diesen Andengipfeln.“
    Er brach ab. „Ah, da ist Frank. He, Frank, komm mal ‘rüber!“
    Frank Gray war Maschinist für die vom Atomreaktor der Lokomotive betriebene Dampfmaschine. Er schlenderte näher, ein sehniger, straffer Mann von beträchtlicher Länge, der in seinem Druckanzug riesig aussah. Er wurde Incuhana vorgestellt, wollte dem Neuankömmling die Hand geben, zog sie jedoch rasch wieder zurück.
    „Was geht hier vor?“ fragte er gereizt. „Auf der Liste der Lokomotivführeranwärter stehe ich ganz oben. Wer bringt Außenseiter herein?“
    Er wartete keine Antwort ab, sondern fuhr ärgerlich fort: „Ich erinnere mich jetzt; ich habe von dieser Indianer-Idee gehört. Das ist eine Beleidigung für einen guten Techniker. Was soll das heißen? Halten die da oben uns vielleicht für einen Haufen Tagelöhner?“
    „Frank“, sagte Manet beschwichtigend, „sei vernünftig. Wenn wir Leute kriegen können, die tatsächlich in dieser Umgebung leben …“
    Er verstummte. Frank hatte sich abgewandt. Wir standen schweigend und sahen ihn weggehen. Ich blickte zu José Incuhana, aber sein Gesicht war ausdruckslos. Manet zog seine Uhr heraus.
    „Geht jetzt lieber an Bord“, sagte er. „Es gibt ein paar Sachen, die du José zeigen mußt, und ihr habt nur noch sechzehn Minuten bis zur Abfahrt.“
    Die Atom-Dampflokomotive „Wüstenratte“ wurde von einer elektrischen Rangiermaschine in die riesige Kammer geschoben, die als Luftschleuse zwischen dem Bahnhof und der marsianischen Außenwelt diente. Einige Augenblicke später öffnete ich das Drosselventil. Die

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