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Der Engelmörder - Spindler, E: Engelmörder

Der Engelmörder - Spindler, E: Engelmörder

Titel: Der Engelmörder - Spindler, E: Engelmörder
Autoren: Erica Spindler
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zurück.
    „Freut mich, dass Sie herkommen konnten, um mich Ihre Meinung wissen zu lassen.“
    „Danke, Detective“, sagte Kitt, auch wenn Mary Catherine Riggio keineswegs so wirkte, als würde es sie tatsächlich freuen. Sie wandte sich wieder ihrem ehemaligen Partner zu. „Die Haltung der Hände weicht ab.“
    Brian nickte, seine Miene nahm einen bewundernden Ausdruck an. „Das hatte ich ganz vergessen.“ Er schaute M.C. an. „Bei den früheren Morden waren die Hände immer nahe dem Herzen vor der Brust gefaltet.“
    Roselli warf ihnen über die Schulter einen Blick zu. „Die Hände stellen übrigens ein sehr interessantes Element dar.“
    M.C. runzelte die Stirn. „Wieso denn das?“
    „Die Haltung ist eindeutig unnatürlich. In diesem Fall hat der Mörder sie nach der Tötung in diese Stellung gebracht.“
    „Das überrascht mich nicht. Was soll daran …“
    „… interessant sein? Nun, interessant ist daran, wie lange er damit gewartet hat.“
    „Ich verstehe nicht“, sagte Kitt. „Er musste doch schnell handeln, ehe die Leichenstarre einsetzte.“
    Der Pathologe schüttelte den Kopf. „Irrtum, Detective. Er musste warten, bis die Leichenstarre eingesetzt hatte.“
    Sekundenlang erwiderte niemand etwas darauf. M.C. war die Erste, die der Stille ein Ende machte: „Von welchem Zeitrahmen reden wir hier?“
    „Von einem recht kurzen. Je nach Umgebungstemperatur setzt die Leichenstarre zwei bis sechs Stunden nach dem Tod ein. Da die Heizung läuft und es hier im Haus relativ warm ist, würde ich auf drei bis vier Stunden tippen.“
    Kitt wollte ihren Ohren nicht trauen. „Wollen Sie sagen, er saß hier und wartete darauf, dass ihr Körper steif wurde?“
    „Genau das will ich damit sagen. Und damit sich seine Mühe lohnt, musste der Körper gefunden werden, bevor die Leichenstarre nachließ, was zehn bis zwölf Stunden nach dem Tod geschieht.“
    Brian stieß einen leisen Pfiff aus und sah zu Kitt. „Dann ist die Stellung der Hände für ihn sogar extrem wichtig.“
    „Er macht damit eine mutige Aussage … eine arrogante Aussage.“
    „Die meisten Mörder verschwinden nach der Tat, so schnell sie können.“
    „Die meisten einigermaßen schlauen Mörder“, präzisierte Kitt. „Und der ursprüngliche Engelmörder war sogar verdammt intelligent.“
    „Und was soll die Stellung der Hände bedeuten?“
    „Du und ich“, überlegte White.
    Kitt nickte. „Wir und sie. Drinnen und draußen.“
    „Oder sie bedeutet gar nichts“, warf M.C. gereizt ein.
    „Das wohl kaum, wenn man bedenkt, welches Risiko er einging, um diese Haltung zu erreichen.“ Brian sah zu Kitt. „Fällt dir sonst noch etwas auf, das anders ist als damals?“
    Sie schüttelte bedächtig den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste.Jedenfalls noch nicht.“ Dann wandte sie sich an Detective Riggio: „Fehlt irgendetwas?“
    „Wie?“
    „Der damalige Engelmörder nahm nie eine Trophäe seines Opfers mit, was natürlich gar nicht zum Profil des typischen Serienmörders passte.“
    M.C. und White schauten sich an. „Wir müssen die Eltern des Mädchens befragen, um das festzustellen“, sagte sie schließlich.
    White nickte und machte sich eine Notiz.
    „Macht es etwas aus, wenn ich mich hier noch etwas gründlicher umsehe?“ Um die andere Frau friedlich zu stimmen, richtete Kitt die Frage an Riggio, auch wenn Brian es ihr sofort gestattet hätte, da er von allen Anwesenden der Ranghöchste war und seine Entscheidung von niemandem angefochten worden wäre.
    Doch es war Detective Riggios Fall, und Kitt merkte ihr an, dass sie darauf aus war, sich zu beweisen. Sie war eine von diesen Polizistinnen, von denen Kitt mehr als genug erlebt hatte. Polizeiarbeit war immer noch was für Jungs, und Frauen mussten darum kämpfen, ernst genommen zu werden. Bis dahin galten sie als Menschen zweiter Klasse. Viele Frauen reagierten darauf, indem sie die humorlose, harte Tour einschlugen, dabei aber schweren Testosteronneid erkennen ließen. Oder anders ausgedrückt: Diese Frauen verhielten sich, als seien sie Männer. Kitt wusste genau, dass es so war – sie selbst hatte es nicht anders gemacht.
    Inzwischen war ihr längst klar, was eine Polizistin auszeichnete: nämlich die Tatsache, dass sie eben kein Mann war. Ihre Instinkte, die Art, wie sie reagierte, wie sie mit anderen umging – das unterschied eine Polizistin von einemmännlichen Kollegen.
    „Gerne“, antwortete M.C. „Lassen Sie mich wissen, wenn Ihnen etwas

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