Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der dunkle Kreuzzug

Der dunkle Kreuzzug

Titel: Der dunkle Kreuzzug
Autoren: W Hunt
Ads
Wind in seinem Geist flaute plötzlich ab. Die gedankliche Form von Belustigung wich einer anderen, die Zurückhaltung, Vorsicht, ja, sogar Angst vermittelte.
    Das sonderbare Bild des Würfels verschwand.
    Nein, sagte die Drohne in Alans Kopf. Nein …
    Er war in der Lage, zur Seite zu schauen. Sam Navarros erstarrte Gestalt zuckte ein wenig, als würde sich der Griff der Drohne allmählich lockern.
    Ein Licht blitzte auf, ein grelles Licht, das einen Moment lang blendete und aus allen Farben des Regenbogens bestand. Und dann brach die Hölle los: Waffen wurden abgefeuert, die zuvor unter dem Einfluss der Drohne auf die Marines blockiert gewesen
waren, und trafen die Kreatur aus allen Richtungen mindestens zwei Dutzend Mal.
    In Howes Verstand wurden die Schreie der Drohne durch die Projektionstechnik um ein Vielfaches verstärkt. Doch ihre letzten Worte brannten sich in sein Bewusstsein ein: Es ist besser zu sterben, als den Zerstörer zu wecken.
    Dann verlor er zum Glück das Bewusstsein.
     
    »General.«
    Jim Agropoulous drehte sich um und sah Gyes’ru HeKa’ans gezogenes chya , das dieser nur wenige Zentimeter über der Brust des Patienten im Krankenbett hielt. Der Patient hatte die Augen geöffnet, doch von einem gelegentlichen Blinzeln abgesehen zeigte er keinerlei Regung. Es war offensichtlich, dass er wusste, welche Gefahr von der Klinge des Zor für ihn ausging.
    »Name«, forderte Jim und stellte sich ans Fußende des Betts.
    »Alan Cleon Howe«, antwortete der Mann im Bett und sah von dem ihm drohenden Zor zum General, der ihn soeben angesprochen hatte.
    »Dienstgrad.«
    »Hören Sie, Jim, Sie wissen …«
    »Dienstgrad«, wiederholte der General.
    »Fühlenden-Spezialist Nr. 9. Colonel, Imperiale Armee.«
    »Dienstnummer und Posten.«
    »392AH2397-04 143-209. Sonderattaché der Gruppe 127 der Imperialen Marines.«
    »Zitieren Sie Abschnitt 124 des Militärgesetzbuchs. Beginnen Sie mit Absatz zwei.«
    »Wie bitte?«
    »Sie haben mich verstanden. Also lassen Sie hören.«
    »Ich habe keine Ahnung, was in Abschnitt 124 steht, Jim, und das wissen Sie. Könnten Sie dann se Gyes’ru bitten, sein chya zurück in die Scheide zu stecken, bevor er irgendjemanden verletzt – insbesondere mich?«

    »Also gut.« Jim Agropoulous seufzte und nickte dem Zor zu. »Stecken Sie die Klinge weg, se Gyes’ru. Er ist es wirklich.«
    Der Zor-Krieger kam der Aufforderung nach, schob das chya in die Scheide und nahm eine entspanntere Haltung ein, während er einen Schritt nach hinten ging. »Ich bitte achttausendmal um Entschuldigung, se Alan. Sie verstehen die Notwendigkeit.«
    »Ja, natürlich.«
    Jim setzte sich auf die Bettkante. »Ich schwöre, wenn Sie angefangen hätten, aus dem Gesetzbuch zu zitieren, dann hätte ich Sie persönlich erschossen. Gyes’ru sagte zwar, er nehme Sie nicht als einen Vuhl wahr, aber man kann nie vorsichtig genug sein.«
    »Na, dann kann ich wohl von Glück reden, dass ich nicht das nervöse Zucken habe. Und einen Hüter würden Sie nicht einfach nehmen, weil …«
    »Sie kennen den Grund.« Agropoulous runzelte die Stirn. »Zumindest sollten Sie ihn kennen.«
    »Weil Sie diesen schleimigen Bastarden nicht über den Weg trauen.«
    »Nicht mal denen, die uns sympathisch sind. Und wie fühlen Sie sich?«
    »Ich habe unvorstellbare Kopfschmerzen, würde aber sagen, ich bin insgesamt in einer weit besseren Verfassung als die meisten anderen Opfer. Wie lange war ich …?«
    »Sechzehn Stunden.«
    »Wie ist unser Status?«
    »Das Gefecht ist vorüber. Nachdem Sie die Drohne auf der Brücke erledigt hatten, war nicht mehr viel Kampfgeist in ihnen verblieben.«
    »Nachdem ich …« Alan Howe sah auf seine Hände. »Ich bin mir nicht so sicher, ob ich sie ›erledigt‹ habe. Ich … na ja, die Drohne … sie gab auf.«
    »Erklären Sie mir das.«
    »Sie müssen längst einen Bericht erhalten haben. Die Vuhl-Drohne wurde vom hochenergetischen Feuer aus zahlreichen
automatischen Gewehren getötet, während ich sie bekämpfte. Aber … ich war im Begriff, den Kampf zu verlieren. Verdammt, sie hätte mich fast erledigt.«
    »Was? Und wieso war sie dann genügend abgelenkt, dass die Männer sie töten konnten?«
    »Das werden Sie mir bestimmt nicht glauben.«
    »Nach all den Jahren glaube ich mittlerweile so ziemlich alles. Sagen Sie mir, was passiert ist.«
    »Sie gab auf. Sie sagte etwas zu mir, Jim, unmittelbar bevor sie … bevor sie zuließ, sich töten zu lassen.«
    »Raus mit der

Weitere Kostenlose Bücher

Memed mein Falke
Memed mein Falke von Yasar Kemal
Die Eltern-Trickkiste
Die Eltern-Trickkiste von Gräfe und Unzer <München>
Schneegeflüster
--
Hera Lind
Schneegeflüster von Hera Lind , Rebecca Fischer , Steffi von Wolff , Andrea Vanoni