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Der dunkle Grenzbezirk

Der dunkle Grenzbezirk

Titel: Der dunkle Grenzbezirk
Autoren: Eric Ambler
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Frühlingsnachmittag. Der Professor hatte einen Moment das Gefühl, als sei er soeben aus einem Alptraum erwacht, aber die Nachwirkungen des Grauens hafteten noch immer an ihm. Als er sich dazu zwang, Groom wieder in die Augen zu blicken, spürte er, wie er zitterte.
    »Warum erzählen Sie mir das?«
    Groom beugte sich vor.
    »Ungefähr vor zwei Wochen traf ein Vertreter der Ixanischen Regierung in England ein und gab bekannt, daß er Maschinen zur Herstellung von Süßigkeiten zu kaufen wünsche. Eine der Firmen, an die er sich wendete, gehört zufällig dem Cator & Bliss Konzern, und da es sich um eine Maschine handelte, die nicht dem Standardtyp entsprach, wurde es ans Hauptbüro weitergeleitet. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich aber waren die gewünschten Änderungen. Sie stammten von einem Mann, der entweder keine Ahnung von Zuckerwerkmaschinen hat oder solche Maschinen für einen anderen Zweck benutzen will. Gewisse Kreise begannen sich für die Sache zu interessieren, und es erging Order, sich diesen Auftrag um jeden Preis zu sichern. Fürs erste haben wir es somit in der Hand, die Massenherstellung der Bombe unseres Freundes Kassen eine Zeitlang hinauszuschieben.«
    Der Professor rutschte auf seinem Stuhl hin und her.
    »Mr. Groom, ich kann mir nicht helfen, aber mir scheint, daß Sie diese Geheimnisse etwas – nun – unvorsichtig preisgeben. Schließlich bin ich ja für Sie ein völlig Fremder und …«
    Groom hob seine Hand.
    »Professor«, sagte er, »ich habe gelernt, nur zwei Dingen zu vertrauen: dem Schicksal und meiner Intuition. Beide sagen mir, daß dies hier eine günstige Gelegenheit ist, und ich nehme ihren Rat dankbar an. Es ist unumgänglich, daß wir in den Besitz sämtlicher die Herstellung der Kassenschen Bombe betreffenden Informationen gelangen. Ich bin, wenn ich Ihnen alles das erzähle, nicht so indiskret, wie es Ihnen erscheinen mag. Ich möchte Ihnen nämlich einen Vorschlag unterbreiten. Doch zuvor sollte ich Ihnen vielleicht etwas über meine Stellung erzählen. Ich bin der Auslandsvertreter von Cator & Bliss und einer der Direktoren. Jeder meiner Vorschläge kann, wenn nötig, binnen zwei Stunden schriftlich bestätigt werden. Meine Kollegen im Aufsichtsrat vertrauen meinem Urteil voll und ganz. Sie verstehen doch, was ich sagen will?«
    Groom war jetzt ganz Geschäftsmann.
    »Kurz, mein Vorschlag ist folgender. Ich erwarte jeden Moment Nachrichten von der Abreise des Ixanischen Vertreters. Er muß jeden Augenblick abreisen. Ich werde ihm folgen. Meine Agenten in Ixanien werden ihn beschatten und die Quelle seiner Instruktionen ausfindig machen. Wie ich die Beamtenschaft in Ixanien kenne, dürfte es nicht schwerfallen, diese Informationen zu kriegen. Jedoch, Professor, ist es leider fast ebenso sicher, daß man versuchen wird, uns wertlose Informationen anzudrehen. Ich brauche einen technischen Berater. Cator & Bliss verfügen selbstverständlich über einmalige technische Mittel und über die besten Fachleute, aber dies hier ist ein Sonderfall. Es gibt auf der ganzen Welt nur einen einzigen Menschen, der mehr über die Möglichkeiten angewandter Atomenergie weiß als Sie, und der heißt Kassen. Das kann ausgeglichen werden. Professor Barstow, ich bitte Sie, mit mir nach Zovgorod zu fahren. Ich offeriere Ihnen den Posten eines technischen Beraters von Cator & Bliss.«

2. Kapitel
    17. und 18. April
     
    Es vergingen einige Sekunden, bevor Professor Barstow begriff, was der andere wollte.
    »Aha«, sagte er dann.
    Sanft fuhr Groom fort: »Natürlich wird Ihre Beziehung zu Cator & Bliss absolut vertraulich behandelt. Was die finanzielle Seite der Sache betrifft, so kann ich Ihnen versichern, daß Sie verlangen können, was Sie wollen, in einem vernünftigen Rahmen selbstverständlich. Wir haben eigentlich nur eine einzige Bedingung: Alle Ergebnisse Ihrer Arbeit bleiben das alleinige Eigentum von Cator & Bliss.«
    Der Professor ermannte sich.
    »Und wenn ich das Angebot ablehne?«
    »Für diesen unwahrscheinlichen Fall werden Sie sich selbstverständlich daran erinnern, daß Sie mir Ihr Wort gegeben haben, alles, was ich Ihnen mitteilen würde, streng vertraulich zu behandeln. Nichts liegt mir ferner, als Ihnen etwas suggerieren zu wollen, aber ich glaube, daß Sie als verantwortungsbewußter Staatsbürger davor zurückschrecken werden, eine internationale Krise heraufzubeschwören, die ganz gewiß zu einem Krieg führen würde – das heißt immer vorausgesetzt, es

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