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Der Briefwechsel

Der Briefwechsel

Titel: Der Briefwechsel
Autoren: Siegfried Peter-Unseld Handke
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    In förmlichem Ton formulierte Siegfried Unseld den Eingangssatz seines ersten Briefs an den nicht einmal 23jährigen Peter Handke: »ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir nach genauer Lektüre Ihres Manuskriptes uns entschieden haben, Ihre Arbeit in den Suhrkamp Verlag zu übernehmen.« Mit der Zusage einer Publikation des Debütromans Die Hornissen setzt 1965 eine Korrespondenz ein, die nach über 600 Schreiben mit einem handschriftlichen Brief des Autors endet. Unter dem 18. April 2002 heißt es: »Lieber Siegfried, Du bist der Verleger, und also bist Du es, dem ich das beiliegende Stück ›Untertagblues‹, entstanden zwischen Dezember und jetzt, schicke. Ich wünsche Dir ein gutes Lesen.«
    Über einen Zeitraum von mehr als 35 Jahren besprachen Peter Handke und Siegfried Unseld das ihnen Wichtigste schriftlich: die Literatur, die Bücher, unterrichtete der Autor den Verleger von seinen Vorhaben, hielt Unseld schriftlich seine Eindrücke über die neuen Manuskripte fest, diskutierten beide Erscheinungstermin und Ausstattung von Büchern, Publikationsstrategien und Kritikerrezensionen. So entfaltet sich die innere Biographie des Autors Peter Handke und des Verlegers Siegfried Unseld. 
    Am Leitfaden der intensiv-emphatischen Arbeit für und mit Literatur eröffnet dieser Briefwechsel weitreichende Einsichten in die Bedingungen des Schreibens und der Verbreitung von Büchern, macht das unbedingte Streben dieses Autors nach poetischer Wahrheit und entsprechenden neuen Ausdrucksformen deutlich. Konflikte sind dabei unausweichlich – ebenso unausweichlich ist es, daß sie beigelegt werden, denn für Peter Handke wie für Siegfried Unseld gilt: Allein die Literatur schafft Möglichkeiten eines freien Lebens, in dem Phasen des Glücks vorherrschen können.
     
    Peter Handke, geboren 1942 in Griffen, Österreich, lebt heute bei Paris. 1966 erschien sein erster Roman, Die Hornissen . Sein erzählendes, dramatisches, lyrisches und essayistisches Werk erscheint im Suhrkamp Verlag und umfaßt mehr als 70 Einzelbände.
     
    Siegfried Unseld, geboren 1924 in Ulm, leitete von 1959 bis zu seinem Tod im Oktober 2002 den Suhrkamp Verlag. Er wurde mit der Ehrendoktorwürde zahlreicher Universitäten ausgezeichnet. Mit dem Verhältnis zwischen Autor und Verleger beschäftigte er sich auch in theoretisch-historischer Perspektive in seinem Buch Goethe und seine Verleger .
     
    Raimund Fellinger arbeitet als Lektor im Suhrkamp und Insel Verlag.
     
    Katharina Pektor ist Mitarbeiterin im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Projekt: Forschungsplattform Peter Handke.

 
    Peter Handke
    Siegfried Unseld
    Der Briefwechsel
    Herausgegeben
von Raimund Fellinger
und Katharina Pektor
    Suhrkamp Verlag

 
    eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2012
    © Suhrkamp Verlag Berlin 2012
    Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung,
    des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch
    Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.
    Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form
    (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren)
    ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert
    oder unter Verwendung elektronischer Systeme
    verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
    Satz: Hümmer GmbH, Waldbüttelbrunn
    Umschlag: Hermann Michels und Regina Göllner
    Umschlagfoto: Ruth Walz
     
    eISBN 978-3-518-79800-3
    www.suhrkamp.de

9 1965
    [1; Anschrift: Griffen 1 ]
    Frankfurt am Main 2
    10. August 1965
    Sehr geehrter Herr Handke,
    ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir nach genauer Lektüre Ihres Manuskriptes uns entschieden haben, Ihre Arbeit in den Suhrkamp Verlag zu übernehmen. 3 Ich glaube, daß sich Ihre Arbeit neben denen von Peter Weiss und Ror Wolf gut ausnehmen und die Perspektiven dieser Autoren weiterführen wird.
    Nun scheint mir freilich ein Gespräch über Einzelheiten erforderlich zu sein. In Ihrem Manuskript befinden sich manche Austriazismen und auch einige umständliche Formulierungen, an denen doch noch gefeilt werden sollte. Es wäre das beste, könnte dies in einem Gespräch geschehen. Führt Sie Ihr Weg ohnehin einmal nach Frankfurt?
    Wenn wir im Laufe der Monate September oder Oktober eine Verständigung darüber herbeiführen könnten, so würden wir das Buch noch in der ersten Hälfte 1966 herausgeben.
    Ich freue mich sehr, daß ich Ihnen dies mitteilen kann. Ich sehe Ihr Manuskript gerne bei uns als Buch.
    Mit freundlichen Grüßen
    [Siegfried

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