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Der Blinde Uhrmacher - Ein neues Plädoyer für den Darwinismus

Der Blinde Uhrmacher - Ein neues Plädoyer für den Darwinismus

Titel: Der Blinde Uhrmacher - Ein neues Plädoyer für den Darwinismus
Autoren: Richard Dawkins
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Vorwort
     
    Dieses Buch ist in der Überzeugung geschrieben, daß unsere eigene Existenz zwar früher einmal das größte aller Rätsel war, heute aber kein Geheimnis mehr darstellt, da das Rätsel gelöst ist. Gelöst haben es Darwin und Wallace, auch wenn wir ihrer Erklärung wohl noch eine Zeitlang Fußnoten anfügen werden. Ich schrieb dieses Buch, weil ich überrascht war, daß so viele Leute diese elegante und schöne Lösung dieser tiefgreifendsten aller Fragen nicht nur nicht kannten, sondern die meisten sich auch - so unglaublich es scheint - nicht einmal bewußt waren, daß es da überhaupt eine Frage gab, auf die man eine Antwort brauchte.
    Es geht um das Problem des komplexen Entwurfs oder Bauplans. Der Computer, auf dem ich diese Worte schreibe, hat eine Speicherkapazität von etwa 64 Kilobyte (ein Byte ist die Einheit, die ein Schriftzeichen eines Texts speichert). Der Computer wurde bewußt geplant und mit Überlegung hergestellt. Das Gehirn, mit dem der Leser meine Worte aufnimmt, ist eine Anordnung von einigen zehn Millionen Kiloneuronen. Viele dieser Milliarden Nervenzellen haben mehr als tausend »elektrische Drähte«, die sie mit anderen Neuronen verbinden. Auf der Ebene der Molekulargenetik enthält jede einzelne dieser mehr als eine Billion Zellen eines Körpers mehr als tausendmal soviel präzis kodifizierte Information wie mein ganzer Computer. Der Komplexität der lebenden Organismen entspricht die elegante Leistungsfähigkeit ihres scheinbaren Entwurfs, ihres angeblichen Bauplans. Wenn jemand behauptet, diese ungeheure Menge an Komplexität schreie nicht nach einer Erklärung, dann gebe ich auf. Natürlich gebe ich nicht auf, denn eines meiner Ziele in diesem Buch ist es ja, etwas von dem unglaublichen Wunder der biologischen Komplexität an jene weiterzuvermitteln, deren Augen diesem Wunder noch nicht geöffnet sind. Wenn ich dann das Geheimnis aufgebaut habe, besteht mein zweites Hauptziel in diesem Buch darin, es wieder abzubauen, indem ich die Lösung erkläre.
    Erklären ist eine schwierige Kunst. Man kann etwas erklären, so daß der andere die Worte versteht; und man kann etwas erklären, so daß der andere es im innersten Mark fühlt. Um letzteres zu erreichen, ist es manchmal nicht genug, dem anderen die Beweise leidenschaftslos vorzulegen. Man muß zum Anwalt werden und sich der Tricks eines Anwalts bedienen. Dieses Buch ist keine nüchterne wissenschaftliche Abhandlung. Es gibt auch solche Bücher über den Darwinismus, und viele von ihnen sind hervorragend und lehrreich und sollten zusammen mit diesem Buch gelesen werden. Dieses Buch ist nicht so sehr nüchtern und distanziert geschrieben, sondern, wie ich gestehen muß, teilweise mit einer Leidenschaft, die in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift Kritik herausfordern könnte. Natürlich will es informieren, aber es will auch überreden und sogar - man kann sein Ziel nennen, ohne vermessen zu sein - begeistern. Ich möchte den Leser inspirieren, unsere eigene Existenz als Geheimnis zu verstehen, das auf den ersten Blick atemberaubend ist; gleichzeitig möchte ich ihm das Aufregende an der Tatsache vermitteln, daß für dieses Geheimnis eine unserem Verständnis zugängliche, elegante Lösung gefunden wurde. Mehr noch, ich möchte den Leser davon überzeugen, daß die Darwinistische Weltsicht nicht nur zufällig richtig ist, sondern daß sie die einzige bekannte Theorie ist, die das Geheimnis unserer Existenz überhaupt lösen konnte. Das macht sie zu einer besonders guten Theorie. Vieles spricht dafür, daß der Darwinismus nicht nur auf diesem Planeten zutrifft, sondern im gesamten Universum gilt, wo immer Leben gefunden werden mag.
    In einer Beziehung jedoch möchte ich mich dringend von berufsmäßigen Anwälten distanzieren. Ein Jurist oder Politiker wird dafür bezahlt, daß er seine Leidenschaft und seine Überzeugungskraft einbringt im Namen eines Klienten oder einer Sache, die er persönlich vielleicht gar nicht vertritt. Ich habe dies nie getan und werde es auch nie tun. Kann sein, daß ich nicht immer recht habe, aber mir ist die Wahrheit sehr wichtig, und ich sage nie etwas, woran ich nicht glaube. Ich erinnere mich, wie schockiert ich war, als ich einen Universitäts-Debattierklub besuchte, um mit Anhängern des Kreationismus zu diskutieren. Beim Abendessen nach der Debatte saß ich neben einer jungen Dame, die einen recht überzeugenden Vortrag zugunsten des Kreationismus gehalten hatte. Sie selbst konnte

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