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Der 48-Stunden-Mann (German Edition)

Der 48-Stunden-Mann (German Edition)

Titel: Der 48-Stunden-Mann (German Edition)
Autoren: Susan Mallery
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aalglatt. Viel zu glatt für jemanden wie sie.
    „Hannah?“ Nick deutete auf ihr Glas, das sie halb ausgetrunken hatte.
    Sie winkte ab, und er entließ die Kellnerin. Die vollbusige Blondine bedachte ihn mit einem Lächeln, bevor sie verschwand. Komisch, er schien es nicht einmal zu bemerken.
    „Aber sie ist schön“, platzte Hannah heraus und hielt sich viel zu spät die Hand vor den Mund, um die Worte noch zurückzuhalten.
    Nick runzelte die Stirn. Das war jetzt schon das zweite Mal in ebenso vielen Minuten. Hannah mochte es, wenn sich seine Augenbrauen so zusammenschoben. Dann wurde seine Stirn ganz kraus, und wenn er sich entspannte, sah sie wieder ganz glatt aus.
    „Wer ist schön?“
    Da sie ihre Bemerkung schon fast wieder vergessen hatte, brauchte sie einen Augenblick, um zu begreifen, wovon er sprach. „Die Kellnerin.“
    Er warf nicht einmal einen Blick in Richtung Bar, um die betreffende Frau zu finden. „Wenn Sie meinen.“
    „Finden Sie etwa nicht, dass sie gut aussieht?“
    „Ist mir nicht aufgefallen.“
    „Ja, klar.“
    Junge, als Nächstes würde er ihr von seinem Strandgrundstück in Arizona erzählen, dem nur noch das große Beben fehlte, das Kalifornien ins Meer schieben würde. Nur dass Kalifornien bei einem Erdbeben nicht im Meer landen würde. Die tektonischen Platten schoben sich nach Norden. Irgendwann einmal würden Los Angeles und San Francisco auf Pendlerdistanz nebeneinanderliegen. Höchstens noch zwei Millionen Jahre, dann war es geschafft.
    „Geografie hat mir immer Spaß gemacht“, sagte sie.
    „Darum können Sie Ihr Grundstück mit Meeresblick gern behalten.“
    „Wie bitte?“
    Er wirkte verwirrt. Völlig perplex. Hannah lächelte. Zumindest hatte sie das Gefühl, sie würde lächeln, aber das war schwer zu sagen, denn ihre Lippen fühlten sich ganz taub an. Perplex. In Gedanken wiederholte sie das Wort. Ein schönes Wort mit einem guten Klang. Sie sollte versuchen, es öfter einmal in einen Satz einzubauen.
    „Hannah?“
    Sie schaute auf und sah, dass Nick sie verwirrt ansah.
    „Was?“, fragte sie.
    „Was soll das heißen, ‚was‘? Warum reden Sie von Geografie?“
    „Mach ich doch gar nicht.“
    „Aber Sie haben gerade gesagt …“ Er schüttelte den Kopf. „Es hat Sie umgehauen. Ich fasse es nicht. Eineinhalb Margaritas, da kann man von einem Leichtgewicht reden.“
    „Und noch zwei Kurze“, rief sie ihm ins Gedächtnis und überlegte, ob sie protestieren sollte, weil er behauptete, sie wäre betrunken. Natürlich war sie das. Und dann dieses lästige taube Gefühl, das ihr von den Lippen in die Wangen strahlte. „Das ist Ihre Schuld“, brummelte sie.
    „Meine Schuld? Wie das?“
    „Sie sind immer da.“ Sie trank noch einen Schluck von ihrem Cocktail. „Sie quatschen mich an. Laden mich ein. Warum machen Sie das?“
    „Vielleicht, weil ich Sie mag.“
    „Oh, sicher.“ Er mochte sie. Richtig, ja. Daran bestand keinerlei Zweifel. Schließlich waren durchschnittlich aussehende Polizeibeamtinnen der Traum eines jeden Mannes. Nur komisch, dass sie nicht täglich hundert Angebote bekam.
    „Sie glauben mir nicht.“ Es war keine Frage.
    „Warum sollte ich?“
    Langsam verzog er die Lippen zu einem leichten Lächeln, dessen Wirkung sie bis hinunter in die Zehenspitzen spürte. Er sah sündhaft gut aus mit seinen großen nachtblauen Augen, die von dichten Wimpern – eine Art Mittelbraun mit etwas Gold an den Spitzen – umrahmt wurden. Dazu das stufig geschnittene goldblonde Haar, das ihm gerade bis an den Kragenrand reichte. Nick Archer hatte breite Schultern und – soweit sie das unter den teuren Anzügen erkennen konnte – einen fantastischen Körper. Obwohl er ein Krimineller war, kleidete er sich wie der Manager eines Großunternehmens. Er war witzig, auch wenn sie sich immer alle Mühe gab, nicht über seine Witze zu lachen. Ein Schwätzer war er, charmant und bei Weitem eine Nummer zu groß für sie. Sie würde sich hüten, irgendetwas von dem zu glauben, was er ihr sagte.
    Nick beugte sich vor und berührte ihre Hand. Es war nur sein Finger, der ihre Haut kaum streifte. Und obwohl sich ihre Wangen völlig taub anfühlten und sie ihre Beine schon gar nicht mehr spürte, brannte diese kleine Berührung durch sie hindurch wie Laser durch Stahl.
    Sie sagte sich, dass sie ihre Hand zurückziehen oder ihm wenigstens einen ordentlichen Klaps geben sollte. Aber sie tat nichts, als auf seinen Finger, seine Hand und ihre beiden Hände zu starren, die

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