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Department 19 – Die Mission

Department 19 – Die Mission

Titel: Department 19 – Die Mission
Autoren: Will Hill
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kennenzulernen.«
    Der Mann bleckte die Zähne und machte einen Schritt auf Jamie zu – da explodierte die Haustür in einer Wolke aus Sägemehl, und eine riesige Gestalt mit einem gewaltigen Rohr in den Fäusten stand im Eingang zum Wohnzimmer.
    »Weg von ihm, Alexandru!«, bellte der Neuankömmling in einem Befehlston, der das ganze Haus erzittern ließ.
    Der Hagere in dem grauen Anzug fauchte und machte einen Buckel. »Das geht dich überhaupt nichts an, Monster!«, zischte er. »Hier ist noch eine alte Rechnung offen!«
    »Sie wird offen bleiben«, erwiderte der Riese und zog an dem Griff, der unter dem Rohr hing. Es gab einen mächtigen Knall wie von einem riesigen platzenden Luftballon, und etwas Spitzes schoss aus dem Rohr durch den Raum und zog eine dünne Metallschnur hinter sich her.
    Alexandru machte einen gewaltigen Satz in die Luft, und das Projektil krachte hinter der Stelle, wo er noch einen Sekundenbruchteil zuvor gestanden hatte, in die Wand, nur um sogleich wieder genauso blitzartig in das Rohr zurückzuschnellen.
    Die Kreatur in dem grauen Anzug verharrte in der Luft. Ihre roten Augen blitzten vor mühsam gezügelter Wut. Sie knurrte die Gestalt im Durchgang an, bevor sie mit irrsinniger Geschwindigkeit durch das große Fenster an der Frontseite des Hauses schoss und in den Nachthimmel hinaussprang.
    Jamie hatte sich nicht gerührt.
    Der Riese rannte zum Fenster und verrenkte den mächtigen Hals in die Richtung, in der das Ding namens Alexandru verschwunden war.
    »Er ist weg«, sagte er. »Für den Moment.«
    Dann drehte er sich zu Jamie um, und als der seinen Retter zum ersten Mal deutlich sehen konnte, stieß er einen entsetzten Schrei aus.
    Der Riese war mindestens zwei Meter zwanzig groß und beinahe genauso breit. Seine Haut war grün-grau meliert. Über der unglaublich hohen, massigen Stirn saß ein dichter Schopf schwarzer Haare. Er trug einen dunklen Anzug und einen langen grauen Mantel. Ein Schlauch lief vom Ende des Rohrs in seiner Hand an seinem Ärmel entlang nach oben und verschwand irgendwo über seiner Schulter.
    Der Riese machte einen Schritt auf Jamie zu, und als Angst und Entsetzen bereits anfingen, dessen Bewusstsein abzuschalten, erblickte er noch zwei Metallbolzen, die jeweils rechts und links aus dem Hals des Riesen herausragten. Sein Retter streckte ihm die Hand hin.
    »Jamie Carpenter«, sagte er. »Mein Name ist Frankenstein. Ich bin hier, um dir zu helfen.«
    Jamies Augen rollten zurück in den Kopf, und süße, leere Dunkelheit umfing ihn.

4
    Retter in der Not
    Staveley, North Derbyshire
Sechsundfünfzig Minuten zuvor
    Matt Browning saß an seinem Computer, als es passierte.
    Er arbeitete an einem Essay, einem Vergleich der Reden von Brutus und Marcus Antonius in Shakespeares Julius Cäsar , und tippte eifrig in seinen alten Laptop, als etwas vom Himmel rauschte und in den kleinen Garten hinter dem Reihenhaus krachte, in dem Matt mit seinen Eltern und seiner Schwester wohnte. Fontänen aus Dreck und Gras wirbelten in die Luft.
    Matt hörte, wie seine Mutter unten einen erschrockenen Schrei ausstieß und sein Vater sie anfuhr, still zu sein. Im Zimmer nebenan fing Matts kleine Schwester Laura an laut zu weinen, ein hohes, klagendes Heulen, verwirrt und empört zugleich.
    Matt speicherte seine Arbeit und stand auf. Er war klein und zierlich für seine sechzehn Jahre, mit braunen Haaren, die ihm wirr in die Stirn hingen und gegen den oberen Rand seiner Brille stießen. Sein Gesicht war blass und beinahe feminin, die Züge weich und wenig markant. Er trug sein dunkelrotes Lieblings-T-Shirt mit dem Harvard-Logo und dazu eine dunkelbraune Cordhose. Matt schob die Füße in ein paar dunkelblaue Vans, bevor er hastig über den Flur zum Zimmer seiner kleinen Schwester lief.
    Laura lag in ihrem Bettchen, das Gesicht vor Empörung gerötet, die Augen fest zugekniffen, der Mund ein perfekter Kreis. Matt bückte sich und hob sie hoch, wiegte sie an der Brust und redete mit sanften, leisen Worten beruhigend auf sie ein. Einen wundervollen Augenblick lang herrschte Stille, während sie tief Luft holte, dann setzten die Schreie genauso vehement wieder ein. Matt durchquerte das Zimmer, öffnete die Tür und stieg die Treppe hinunter.
    In der Küche im hinteren Teil des Hauses war seine Mutter völlig außer sich. Sie lief in ihrem hellen Schlafrock und den blauen Pantoffeln zwischen den beiden Fenstern über dem Spülbecken hin und her, spähte immer wieder hinaus in den dunklen

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