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Department 19 – Die Mission

Department 19 – Die Mission

Titel: Department 19 – Die Mission
Autoren: Will Hill
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und sein linker Arm wurde auf seinem Rücken weiter nach oben verdreht, was eine erneute Woge von Schmerz durch seine Schulter jagte.
    »Brich ihm den Arm, Danny«, rief jemand. »Reiß ihn aus!«
    »Lust dazu hätte ich«, antwortete Danny Mitchell zwischen Runden wilden Gelächters. Dann wurde seine Stimme leise, und er flüsterte Jamie ins Ohr: »Ich könnte es, weißt du? Ganz leicht.«
    »Geh runter von mir, du fettes …«
    Eine riesige Hand mit Fingern wie Würste packte ihn an den Haaren und drückte sein Gesicht wieder in den Matsch. Jamie kniff die Augen zu und ruderte mit der rechten Hand blindlings umher in dem Versuch, sich aus dem nassen Dreck zu befreien.
    »Haltet seinen Arm fest!«, rief Danny. »Haltet ihn fest!« Eine Sekunde später wurde Jamies rechtes Handgelenk gepackt und ebenfalls auf den Boden gedrückt.
    Sein Kopf begann zu schmerzen, als sein Körper um Sauerstoff bettelte. Er konnte nicht atmen. Seine Nasenlöcher waren voll mit klebrigem, faulig stinkendem Matsch. Außerdem konnte er sich nicht bewegen mit dem fünfundneunzig Kilo schweren Danny Mitchell, der rittlings auf ihm hockte.
    »Das reicht jetzt!«
    Jamie erkannte die Stimme von Mr. Jacobs, dem Englischlehrer.
    Mein Held und Befreier. Ein fünfzig Jahre alter Pauker mit Mundgeruch und Schweißflecken unter den Armen. Großartig.
    »Mitchell! Runter von ihm! Ich will das nicht zweimal sagen!«, rief der Lehrer, und plötzlich waren der Druck auf Jamies Arm und das Gewicht auf seinem Rücken verschwunden. Er hob den Kopf aus dem Matsch und atmete tief durch. Seine Brust bebte.
    »Das war nur ein Spiel, Sir«, hörte er Danny Mitchell sagen.
    Tolles Spiel. Echt lustig.
    Jamie rollte sich auf den Rücken und sah in die Gesichter der Menge, die sich eingefunden hatte, um seine Demütigung zu beobachten. Sie starrten in einer Mischung aus Abscheu und Erregung auf ihn herab.
    Dabei mögen sie Danny Mitchell nicht mal. Aber mich hassen sie eben noch mehr als ihn.
    Mr. Jacobs ging neben ihm in die Hocke.
    »Alles in Ordnung, Carpenter?«
    »Alles bestens, Sir.«
    »Mitchell sagt, es wär nur ein Spiel gewesen. Stimmt das?«
    Über Jacobs’ Schulter hinweg sah Jamie Dannys warnenden Blick.
    »Das ist richtig, Sir«, sagte er. »Schätze, ich hab verloren.«
    Mr. Jacobs musterte Jamies schlammbesudelte Kleidung. »Sieht ganz danach aus.« Der Lehrer hielt ihm die Hand hin, und Jamie ergriff sie und zog sich daran aus dem Matsch. Es gab ein lautes schmatzendes Geräusch. Ein paar Schüler in der Menge kicherten, und Mr. Jacobs wirbelte mit vor Zorn hochrotem Gesicht herum.
    »Geht mir aus den Augen, ihr Geier!«, rief er. »Macht, dass ihr in euren Unterricht kommt, oder wir sehen uns alle beim Nachsitzen wieder!«
    Die Menge zerstreute sich, und Jamie stand mit Mr. Jacobs allein auf dem Feld.
    »Jamie«, begann der Lehrer. »Wenn du über irgendetwas reden möchtest, dann weißt du, wo mein Büro ist.«
    »Worüber reden, Sir?«, fragte Jamie.
    »Nun ja, du weißt schon … deinen Vater und … und das, was passiert ist.«
    »Was ist denn passiert, Sir?«
    Mr. Jacobs sah ihn lange schweigend an, dann senkte er den Blick. »Gehen wir«, sagte er. »So kannst du nicht zur nächsten Stunde gehen. Du kannst die Lehrertoilette benutzen, um dich zu waschen.«
    Als die Glocke das Ende des Unterrichts verkündete, schlenderte Jamie langsam über den Hof in Richtung Tor. Seine Instinkte waren normalerweise scharf, insbesondere, wenn Gefahr im Verzug war, doch irgendwie war es Danny Mitchell gelungen, sich in der Pause unbemerkt von hinten an ihn heranzuschleichen. Das würde ihm nicht noch einmal passieren.
    Er verlangsamte sein Tempo und mischte sich unter die anderen Schüler, die zu den Bussen und wartenden Autos gingen. Dabei schweiften seine Blicke unablässig hin und her auf der Suche nach einem möglichen Hinterhalt.
    Dann entdeckte er Danny Mitchell ein Stück weit links von sich, und seine Brust zog sich zusammen. Mitchell lachte sein albernes Lachen, wedelte wild mit den Armen und ließ vor seiner bewundernden Schar von Speichelleckern die üblichen Prahlereien vom Stapel.
    Jamie schlüpfte zwischen zwei Bussen hindurch und überquerte die Straße, während er auf die Rufe und das Geräusch rennender Füße wartete, die anzeigten, dass man ihn gesehen hatte. Doch sie kamen nicht. Dann war er außer Sicht und verschwand zwischen den hübschen Reihen identischer Häuser des Wohnviertels, in dem er mit seiner Mum lebte.
    In den

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