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Department 19 – Die Mission

Department 19 – Die Mission

Titel: Department 19 – Die Mission
Autoren: Will Hill
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    Prolog
    Brenchley, Kent
3. November 2007
    Jamie Carpenter saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher, als er hörte, wie der Wagen seines Vaters auf dem Kies der Einfahrt knirschte – viel, viel früher als sonst. Jamie sah zur Wanduhr über dem Fernseher und runzelte die Stirn. Erst Viertel nach fünf. Julian Carpenter war, soweit Jamie sich erinnern konnte, noch nie früher als um sieben Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen – und selbst das nur zu besonderen Gelegenheiten wie dem Geburtstag seiner Mum oder wenn Arsenal in der Champions League spielte.
    Jamie, ein groß gewachsener, linkischer Vierzehnjähriger mit hagerer Statur und unbändigem braunen Haar, stemmte sich vom Sofa hoch und trat ans Fenster.
    Der silberne Mercedes parkte an der gleichen Stelle wie immer, vor der vom Haus abgesetzten Garage. Sein Dad stand im Schein der Rücklichter am Kofferraum und hob etwas heraus.
    Vielleicht ist er krank? , überlegte Jamie. Doch bei genauerer Betrachtung sah er überhaupt nicht krank aus – seine Augen schimmerten hell im roten Licht der Rückleuchten, und er bewegte sich schnell, als er irgendwelche Sachen aus dem Kofferraum in seine Taschen stopfte. Und noch etwas bemerkte Jamie: Sein Dad blickte immer wieder über die Schulter zur Straße, als würde er …
    Da sah Jamie aus den Augenwinkeln eine Bewegung bei der Eiche am Ende des Gartens. Er schaute genauer hin. Plötzlich überzog Gänsehaut seine Arme und seinen Rücken, und ihm wurde bewusst, dass er Angst hatte.
    Hier stimmt was nicht , dachte er. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.
    Der Baum mit seinem knorrigen, nach links geneigten Stamm und den mächtigen Wurzeln, die den Rasen durchzogen und gegen die Gartenmauer drückten, sodass diese sich nach außen wölbte, sah genauso aus wie immer. Was auch immer Jamie gesehen hatte – sein Vater hatte es ebenfalls bemerkt. Er stand reglos hinter dem Wagen und starrte hinauf in die Zweige des Baums. Jamie fixierte angestrengt den Baum und die langen schwarzen Schatten, die das Mondlicht ins Gras warf. Falls sich dort wirklich irgendetwas bewegt hatte – jetzt rührte es sich nicht mehr. Doch während er zur Eiche starrte, wurde Jamie klar, dass irgendetwas anders war als sonst.
    Dort waren mehr Schatten, als da sein sollten.
    Wegen des bevorstehenden Winters hatte der Baum seine Blätter schon abgeworfen, und sein Schatten hätte die dünnen Umrisse leerer Zweige abbilden müssen. Doch die dunklen Muster auf dem Rasen waren fett und ausladend, als wären die Zweige voll von …
    Was? Voll von was?
    Jamie sah wieder zu seinem Dad. Plötzlich wollte er ihn im Haus haben, sofort, auf der Stelle. Sein Vater starrte noch immer in den Baum hinauf. Er hielt etwas in der Hand, das Jamie nicht erkennen konnte.
    Wieder eine Bewegung. Beim Baum.
    Die Angst schnürte Jamie die Kehle zu.
    Komm ins Haus, Dad! Komm sofort rein! Da draußen ist etwas Böses …
    Die Schatten auf dem Rasen begannen, sich zu bewegen.
    Vor lauter Angst konnte Jamie noch nicht einmal schreien, als sich die dunklen Muster plötzlich entfalteten. Er starrte in den Baum und sah, wie die Zweige sich bewegten, hörte das leise Rascheln der Rinde, als sich etwas im Geäst der Eiche rührte.
    Nicht irgendetwas  – viele Dinge; es klingt, als wären es sehr viele …
    Er blickte verzweifelt zu seinem Vater, der immer noch reglos beim Wagen stand, angeleuchtet von den roten Rücklichtern, und in den Baum starrte.
    Warum stehst du noch da? Komm ins Haus! Bitte Dad, komm ins Haus!
    Jamie wandte sich wieder zum Baum – und sah direkt in das bleiche Gesicht eines Mädchens, das ihn aus dunkelroten Augen zähnefletschend von draußen anstarrte. Jamie schrie so laut auf, dass er glaubte, seine Stimmbänder müssten reißen.
    Das Gesicht verschwand in der Dunkelheit, und dann sah Jamie, wie sein Vater über die Auffahrt zum Haus rannte. Die Haustür flog auf, und Julian Carpenter platzte genau in dem Moment ins Wohnzimmer, in dem seine Frau in der Küchentür auftauchte.
    »Weg von den Fenstern, Jamie!«, rief sein Vater.
    »Dad, was ist …«
    »Tu, was ich dir sage. Wir haben jetzt keine Zeit für Diskussionen!«
    »Was soll das heißen, Julian, keine Zeit?«, fragte Jamies Mum mit schriller Stimme. »Was ist hier los?«
    Julian Carpenter ignorierte sie. Er zog ein Handy hervor, das Jamie noch nie gesehen hatte, und wählte eine Nummer. »Frank? Ja, ich weiß, ich weiß. Wann werdet ihr hier sein? Ganz sicher? Okay. Pass auf dich

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