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Den schnapp ich mir Roman

Den schnapp ich mir Roman

Titel: Den schnapp ich mir Roman
Autoren: Sasha Wagstaff
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Kapitel 1
    Tessa Meadmore atmete tief die gesunde Luft der Cotswolds ein und raste weiter in ihrem korallenroten Audi A4 auf das Dorf Appleton zu. Die liebliche Landschaft flog nur so an ihr vorbei, und sie nahm die ordentlich umzäunten Felder, die von der späten Junisonne schon leicht gelblich waren, und die putzigen Cottages kaum wahr.
    Dann hielt sie mit quietschenden Reifen vor einem Pub an, über dessen Eingang duftende Blumenarrangements in Körben hingen. Sie warf einen Blick auf die Karte und suchte die Abzweigung zu ihrer Pension. Da winkte ihr ein attraktiver älterer Mann fröhlich mit einer Bloody Mary in der Hand zu. Er hatte angegraute goldblonde Haare, die mit der honigfarbenen Mauer hinter ihm kaum kontrastierten, und sexy, aber rotgeränderte Augen. Er unterhielt sich mit einer hübschen jungen Kellnerin, die ihm ärgerlich, aber nicht sehr überzeugend einen Klaps auf die Hand gab, mit der er ihr Hinterteil betastet hatte. Tessa winkte fröhlich zurück, ehe sie in der entgegengesetzten Richung davonschoss.
    Gott, Adam würde es hier gefallen, dachte sie, doch dann rief sie sich zur Ordnung. Nachdem sie fast ein ganzes Jahr zusammen verbracht und sich gerade sehr schmerzlich getrennt hatten, spielte es keine Rolle mehr, was Adam gefiel. Ihre Beziehung war zu Ende, und sie ignorierte sein jämmerliches Flehen, sich doch wieder zu vertragen, mit so viel Würde, wie sie unter den Umständen gerade eben aufbringen konnte.

    Tessa wand sich bei der Erinnerung daran, wie sie seinen Betrug entdeckt hatte.
    »Hallöchen!«, hatte Adam gerufen, als er durch die Tür trat. Auf seinem Hemd prangten die Worte »Ich liebe dich« in knallrotem Lippenstift. Er hatte ein Tablett mit heißen gebutterten Muffins in der Hand, warf eine Flasche Laurent-Perrier und zwei ihrer besten Waterford-Champagnergläser von Marc Jacobs auf ihr Bett und wackelte aufreizend mit dem Hinterteil. Sie hatte gekichert, als er sich eine samtrote Rose zwischen die nackten Backen klemmte und ein paar übertriebene Tanzschrittchen machte. Ein einziger Blick auf Tessas sorgfältig gestylte Kastanienlocken und ihren nackten Busen, den sie mit Massageöl eingerieben hatte, genügte, dass er sofort einen beeindruckenden Ständer vorweisen konnte – wie ein Pferd, das vor dem Start des Grand National aufgeregt in der Box tänzelt.
    Adam wollte sich gerade zwischen ihre Schenkel drängen, als ein Handy zu piepsen begann. Tessa griff danach, weil es in ihrer Nähe lag. Es war einer jener Augenblicke, in denen die Annahme eines Anrufs den Unterschied zwischen seligem Nichtwissen und der schmerzhaften Wirklichkeit bedeutet. Es war nämlich nicht ihr Handy, und die SMS, die da auftauchte, fragte in scherzhaftem Ton, ob Adam »nach dreijähriger Zweisamkeit endlich eine ehrbare Frau aus ihr machen würde …«
    Dann war die Hölle ausgebrochen. Adam hatte verzweifelt alles abgestritten. Die rote Rose lag auf dem Boden, weil sein Schließmuskel wohl in Panik geraten war. Sein Ständer folgte unmittelbar darauf in derselben Richtung – er fiel schlapp in sich zusammen.
    Tessa wusste genau, wie man sich dabei fühlte. Sie hatte ihm alle Schimpfnamen der Welt an den Kopf geworfen und ihm eines ihrer kostbaren Champagnergläser entgegengeschleudert.
Adam war wie wild zur Tür gestürzt, hatte wie ein Mädchen gekreischt und beide Hände über seine Genitalien gelegt. Nachdem sie ihn nackt und zitternd auf die Straße hinausbefördert hatte, hatte Tessa sich keineswegs erwachsen und tapfer benehmen wollen. Vielmehr war sie ihrem Instinkt gefolgt, hatte sich unter der Decke zusammengerollt und geheult wie ein Baby.
    Drei Wochen später hatte sie sich wieder gefasst. Jilly, ihre Chefin, hatte sie wegen einer Prominentenhochzeit in den Cotswolds angerufen, und Tessa hatte ohne zu zögern ihre gesamte Habe ins Auto gepackt und ihre Wohnung einer Freundin angeboten, die gerade eine schlimme Scheidung durchstand.
    Tessa schnitt ein Gesicht. Nicht einmal der Anblick der charmanten Antiquitätenläden und der altmodischen Teestuben in den hübschen Dörfchen vermochte ihr Gefühl von Demütigung zu vertreiben. Sie war blöd gewesen, aber sie hatte keinen Anlass gehabt, Adams Abwesenheit und seine angeblichen Verpflichtungen im Büro für einen schwer arbeitenden Anwalt nicht als völlig normal zu betrachten.
    Der verdammte Betrüger!, dachte Tessa, schoss auf den Parkplatz der Frühstückspension und erwischte dabei um ein Haar eine verhärmt aussehende rote

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