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Delete: Thriller (German Edition)

Delete: Thriller (German Edition)

Titel: Delete: Thriller (German Edition)
Autoren: Karl Olsberg , Karl-Ludwig von Wendt
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verabreden, Udo Pape vielleicht, aber das hätte auch nur so gewirkt, als wolle er sich ausheulen. Verdammt, andere Leute lebten auch allein. So schwer konnte es doch nicht sein, etwas Sinnvolles mit seiner Freizeit anzufangen!
    Schließlich sah er ein, dass er mit irgendwem reden musste, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hatte, jemand, der ihm neutralen Rat geben konnte. Er überlegte einen Moment, dann wählte er eine Handynummer.
    »Erik Häger?«
    »Hallo Erik, hier ist Adam.«
    »Hey, das ist ja ’ne Überraschung! Ich hab ja ewig nichts von dir gehört!«
    Eisenberg hatte mit Erik Häger auf der Polizeihochschule in Münster studiert. Sie hatten nach dem Studium Kontakt gehalten, auch wenn ihre Karrieren sehr unterschiedlich verlaufen waren. Während Eisenberg bei der Kripo in Hamburg die traditionelle Laufbahn des gehobenen Polizeidienstes eingeschlagen hatte, war Häger direkt zum Bundeskriminalamt nach Wiesbaden gegangen. Inzwischen war er Leiter der Sicherungsgruppe des BKA in Berlin, die für den Schutz der Verfassungsorgane zuständig war. Eisenberg erzählte seinem alten Freund von dem missglückten Einsatz.
    »Tut mir leid, wenn ich dir hier was vorheule, aber ich brauche einfach mal jemanden, der mir unabhängig seine Meinung sagt. Was, denkst du, soll ich tun?«
    »Die Frage ist weniger, was du tun sollst, sondern was du tun willst. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist dein Chef ein Idiot. Selbst wenn es ein Fehler gewesen sein sollte, den Zugriffsbefehl zu geben …«
    »Du glaubst also auch, dass es falsch war?«
    »Ich glaube, dass diese Frage müßig ist. Ich habe selbst genug Entscheidungen getroffen, über die ich mir hinterher nicht mehr sicher war. Man kann nie wissen, was gewesen wäre, wenn man anders gehandelt hätte. Wenn das Mädchen gestorben wäre, hättest du dir dein Leben lang Vorwürfe gemacht. So machst du dir Vorwürfe wegen der Hintermänner. Das gehört einfach zum Job. Entscheidend ist, dass dieser Greifswald dir nicht vertraut. So, wie du ihn beschreibst, ist der völlig untauglich für eine verantwortungsvolle Führungsposition. Wenn du willst, kann ich mal versuchen, rauszukriegen, was er selbst schon für Mist gebaut hat.«
    »Nein, lass mal. Ich werde ihm sicher nicht ans Bein pinkeln.«
    »Wie du meinst. Aber du musst dich zwischen Konfrontation und Flucht entscheiden.«
    »Konfrontation kann es nicht sein«, sagte Eisenberg nach kurzem Überlegen. »Erstens hat Greifswald einen sehr guten direkten Draht zum Innensenator, der ihn persönlich in seine jetzige Position gehievt hat. Zweitens halte ich nichts davon, meine Zeit und Energie mit internen Machtspielchen zu vergeuden. Dafür habe ich weder Ehrgeiz noch Talent. Ich will Straftäter überführen. Das ist mein Job, und damit werde ich erst aufhören, wenn ich pensioniert bin.«
    Häger lachte.
    »So, wie ich dich kenne, wirst du auch danach noch weitermachen. Aber bis dahin bleibt dir dann wohl nur die Versetzung.«
    »Wenn du mich kennst, weißt du, dass ich nicht so schnell klein beigebe. Außerdem ist die Sache mit dem Mädchenhändlerring noch nicht vorbei. Sie fängt gerade erst wieder an.«
    »Du wolltest meinen Rat. Hier ist er: Wenn Greifswald nicht doch noch seine Meinung ändert, wirst du wenig bis gar nichts dazu beitragen, diesen Mädchenhändlerring auffliegen zu lassen. Das wird dich zermürben. Also lass dich versetzen. Du bist ein viel zu guter Polizist, um unter einem unfähigen Chef zu versauern. Ich würde dich sofort in die Sicherungsgruppe holen, aber wir haben gerade eine Stellenkürzungsrunde hinter uns und stehen ohnehin unter Druck, weil ein Teil unserer Aufgaben an die Bundespolizei übertragen werden soll. Aber wenn du willst, höre ich mich mal um.«
    »Ich weiß nicht. Mir kommt es immer noch feige vor, wenn ich das Handtuch werfe.«
    »Gib’s ruhig zu: Dich wurmt, dass Greifswald selber dir das nahegelegt hat. Du hättest gern hingeworfen, aber jetzt seinem Willen zu entsprechen passt nicht in deine Vorstellung eines angemessenen Verhaltens gegenüber einem Arschloch.«
    Eisenberg zögerte einen Moment.
    »Na schön, du hast recht. Es stinkt mir, zu tun, was er will.«
    »Vielleicht will er es ja gar nicht wirklich.«
    »Wie meinst du das?«
    »Überleg doch mal. Er kennt dich vermutlich gut genug, um zu wissen, dass du ein Dickkopf bist. Nehmen wir mal an, er wollte dich nur zurechtstutzen, aber auf keinen Fall verlieren. Dann war seine Versetzungsaufforderung vielleicht

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