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Deborahs Totenacker

Deborahs Totenacker

Titel: Deborahs Totenacker
Autoren: Jason Dark
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die andere Seite, die mit Religion nichts zu tun hatte, eher mit Mord.
    »Ich warte auf eine Antwort, Carlo.«
    »Weiß ich, Sophia, weiß ich. Es muß nicht sein, daß es mit dem Tod aufhört.«
    »Womit denn?«
    »Ich will den anderen zeigen, wer hier der Herr im Haus ist.« Carlo regte sich auf. »Verdammt noch mal, wir können uns doch nicht fertigmachen lassen! Wir sind hier nicht in Neapel oder auf Sizilien, wo die Mafia und die Camorra ihre Fäden ziehen. Wir sind hier in England und haben alles aufgebaut…«
    »Ihr Arm reicht so weit. Er reicht sogar bis weit über den Atlantik, vergiß das nicht, Carlo. Es ist einfach naiv von dir, anzunehmen, daß die Mafia es nicht schafft, über den Kanal zu kommen. Sie sind da, diese Hundesöhne haben doch alles unter Kontrolle. Da sind sie gnadenlos.«
    »Trotzdem. Ich will es nicht. Ich will hier nicht alles aufgeben. Ich kann es einfach nicht. Wir haben dieses Geschäft aufgebaut. Man kommt zu uns, weil man sich wohl fühlt, weil wir so gut sind, weil unser Name für Qualität steht, Sophia. Wir haben uns eine wahnsinnige Mühe gegeben, wir sind oben, und ich kann das alles nicht aufgeben. Verstehst du das denn nicht? Ich will nicht Sklave in meinem Geschäft sein.«
    Sie runzelte die Stirn. »Ich bin kein Mann, Carlo. Männer sind ja angeblich stärker als Frauen, doch wir Frauen denken nach!«
    »Das tun wir auch.«
    Sophia rang sich ein Lachen ab. »Si, ihr denkt nach, Carlo, aber ihr denkt mit der Waffe in der Hand nach. Und das ist schlimm. Ein Revolver ist kein Gehirn. Ein Revolver oder ein Gewehr will töten. Es ist dafür geschaffen worden, um zu töten. Verstehst du das denn nicht?«
    »Das weiß ich, Sophia. Aber manchmal können Revolver auch Leben retten.«
    »Wir sind nicht mehr im Wilden Westen, Carlo!«
    »Sind wir das wirklich nicht?«
    Sie schwieg, schaute zu Boden und schüttelte den Kopf. Dabei wischte sie ihre Hände mit einer Geste der Verlegenheit an ihrer Schürze ab, und Carlo sah, daß sie weinte.
    Er ging auf seine Frau zu, nahm sie in die Arme, und Sophia weinte weiter. Auch ihm war zum Heulen zumute. Er kam sich plötzlich so irrsinnig allein vor, von aller Welt verlassen, bis auf Sophia, die als letzte zu ihm hielt.
    »Willst du es dir nicht noch mal überlegen?« flüsterte sie.
    »Und dann?«
    »Läuft alles so weiter wie bisher. Wer weiß denn schon, was hier geschehen ist?« Sie befreite sich von ihrem Mann und schaute ihm ins Gesicht. »Kochst du deshalb schlechter, Carlo? Sag es mir, sag es mir jetzt ins Gesicht. Kochst du schlechter, nur weil dir das Lokal nicht mehr gehört?«
    »Es würde mich beeinflussen, denn ich müßte immer daran denken, glaub mir.«
    »Ist das schlimm? Wenn sich die Gäste beschweren und anschließend wegbleiben, schmälert das den Gewinn der anderen. Wir haben damit nichts zu tun.«
    »Das sagst du so leicht.«
    »Nein, ich habe nachgedacht. Auch wenn sie uns aus dem Lokal jagen, wir haben immerhin unser Leben gerettet, und das ist mehr als alles andere auf der Welt.«
    Er dachte nach. Schwere Falten zeichneten ein Muster auf seiner Stirn.
    »Si, es ist möglich, daß du recht hast, Sophia.«
    »Nicht nur möglich, ich habe recht.«
    Er hob die Schultern.
    Noch einmal redete sie beschwörend auf ihren Mann ein. »Gib ihnen, was sie verlangen! Tu es! Sie werden sich zufriedengeben und uns am Leben lassen.«
    Carlo hob die Schultern.
    »Ich gehe jetzt Wäsche waschen, dann muß ich die Gästeliste für morgen abend zusammenstellen. Es sind Landsleute, die eine Taufe feiern wollen. Aber das weißt du selbst. Wenn ich zurückkomme, möchte ich etwas von dir haben, Carlo.«
    »Was denn?«
    Sophia schaute ihn hart an. »Deine Waffe, Carlo. Ich möchte, daß du mir deinen Revolver gibst.« Er schwieg.
    »Denk darüber nach.« Sophia drehte sich um und ging weg. An der Tür zur Küche schaute sie noch einmal zurück, als wäre es das letzte Mal, daß sie ihren Mann sah.
    Er wollte ihr etwas zurufen, sie trösten, aber kein Wort drang über seine Lippen. Statt dessen stand er auf der Stelle und ballte vor Wut die Hände zu Fäusten.
    Stille kehrte ein. Carlo selbst rührte sich nicht. Er stand da und starrte ins Leere. Seine Gedanken kreisten um das, was seine Frau gesagt hatte.
    Im Prinzip hatte sie recht. Es nutzte nichts, wenn man sich gegen die Mafia stellte. Sie war der Saurier, der alles unter sich zerdrückte.
    Carlo ging auf die Theke zu. Er wollte einen Grappa trinken. Er nahm den besten, schenkte das

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