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Deborahs Totenacker

Deborahs Totenacker

Titel: Deborahs Totenacker
Autoren: Jason Dark
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gesagt, und sie hatten es akzeptiert. So ließen sie ihn fahren.
    Im zweiten Wagen saßen noch weitere Kollegen, die darauf warteten, daß die Nacht zu Ende ging. Sie standen nicht grundlos hier. Es hatte in London mal wieder einige Bombenanschläge der IRA gegeben, und da wurden eben alle Ausfallstraßen kontrolliert.
    Der mißtrauische Polizist schaute seinem Kollegen zu, wie dieser den Mund aufriß und gähnte.
    »Müde, Slim?«
    »Und ob.«
    »Noch eine Nacht, dann haben wir Schichtwechsel.« Slim schaute zu, wie sein Kollege einen Zettel aus der Brusttasche holte. »Was ist das denn?«
    »Ich habe mir nur die Nummer dieser Lady notiert.«
    »Na und?«
    »Ich weiß nicht.«
    »Was weißt du nicht?« fragte Slim.
    Der Angesprochene verzog das Gesicht. »Ich kann mich geirrt haben, aber ich glaube nicht daran. Hast du es denn nicht gerochen?«
    »Was sollte ich gerochen haben?«
    »Na ja, den… den…«
    »Sag schon!« forderte Slim.
    »Es stank irgendwie nach Leiche.«
    »Ha, ha – wie bitte? Wonach soll es gestunken haben? Nach einer Leiche, sagst du?«
    »Ja, Slim. Nach einem Toten. Ja, das war Verwesungsgeruch!«
    Slim wollte sich die Haare raufen, er ließ die Mütze aber auf dem Kopf.
    »Spinnst du?«
    »Nein.«
    »Aber das ist doch Quatsch. Wie kann eine Frau, die einen Wagen fährt, nach Leiche riechen?«
    »Genau das ist das Problem, mein Lieber.« Slim tippte gegen seine Stirn…
    ***
    Als ich die Tür öffnete, nahm ich den Kerzengeruch und den bereits verwelkter Blumen wahr. Den Gestank kannte ich vom Friedhof her, aber dort preßte man mir keinen Waffenlauf gegen die Stirn, so wie es hier in dieser Wohnung im dritten Stock passierte.
    Ich blieb stehen. »Was soll das?«
    Vor mir war kein Licht. Der Flur lag im Dunkeln. Nur von der rechten Seite her schimmerte ein schmaler Streifen, der sich aber auf dem Boden verlor. »Bist du Sinclair?«
    »Seit meiner Geburt.«
    »Keine Scherze. Bist du allein?«
    »Nein, ich habe einen Kollegen mitgebracht.«
    »Wer ist es?«
    »Suko.« Ich holte tief Luft. Bisher war ich noch friedlich gewesen. Das mochte auch an der Witterung liegen, denn über Nacht war plötzlich der Winter von einem ersten Frühlingstag abgelöst worden. Südwind brachte eine warme Luftströmung mit, die bei vielen Menschen Kopfschmerzen verursachte, bei anderen aber das Gefühl des Wohlseins verstärkte. Ich gehörte eben zu den anderen.
    Mein Freund Suko und ich waren der Bitte eines Mannes gefolgt, ihn in einer Wohnung zu besuchen. Wir wußten nur, daß wir uns einen Toten anschauen sollten, mehr nicht.
    Daß mich nun die kalte Waffenmündung berührte, gefiel mir überhaupt nicht, und ich erklärte dem für mich nicht sichtbaren Typ im Dunkel des Flurs, daß er die Kanone wegnehmen sollte, wollte er keinen großen Ärger bekommen.
    Der Mann gehorchte, und der unangenehme Druck an meiner Stirn verschwand. »Und nun?« fragte ich.
    »Ihr könnt eintreten.«
    »Das wurde auch Zeit«, murmelte Suko hinter mir. »Ich hätte beinahe meine gute klösterliche Kinderstube vergessen.«
    »Frag mich mal.«
    Kaum standen wir in der Wohnung, als jemand das Licht einschaltete, und wir konnten auch die Person erkennen, die uns auf so ungewöhnliche Art und Weise empfangen hatte. »Ich habe übrigens einen Waffenschein«, sagte der Mann, der einen schwarzen Anzug und eine dunkle Krawatte trug, als wäre er in Trauer. Auch sein Haar war schwarz. Er hatte es zu Locken drehen lassen, die sich wie kleine, fettige Schlangen auf seinem Kopf ausbreiteten. In seinem Gesicht fiel die kleine, nach oben gebogene Nase auf und die strichdünnen Brauen über den dunklen Augen. Er war ungefähr so groß wie Suko, nur schmaler.
    »Sind Sie Luigi Serrano?« fragte ich.
    »Si.«
    »Dann haben Sie uns angerufen.« Er lächelte beinahe entschuldigend.
    »Eine Kollegin von mir gab mir den Rat.«
    »Kollegin?«
    »Ja, was dachten Sie denn?«
    »Na ja, bisher war mir unbekannt, daß eine Kollegin mit der Mafia zusammenarbeitet.«
    Serrano verzog den Mund, als wollte er uns anspeien. »Wie kommen Sie auf die Mafia?«
    »Nur so«, sagte ich.
    »Hier haben wir es nicht direkt mit der Mafia zu tun. Nicht die Menschen, die trauern.«
    »Und wie war das mit der Kollegin?« erkundigte sich Suko. »Können wir ihren Namen erfahren?«
    »Ja, sie heißt Jane Collins. Eine tolle Frau, ich hatte mal mit ihr zu tun.«
    Seine Augen bekamen den typischen Glanz eines Mannes, der sich eine Frau vorstellt.
    »Die kenne ich«, bestätigte ich.

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