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Das Weihnachtsversprechen

Das Weihnachtsversprechen

Titel: Das Weihnachtsversprechen
Autoren: Donna Vanliere
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meinte Marshall. »Ich spende all die hier
und
Mützen und Schals für Ihre Sache.«
    Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich für eine »Sache«eintrat, aber als ich die Kleidungsstücke hinten aus meinem Kofferraum holte und bei der Hilfsorganisation ablieferte, wusste ich, dass die Sache mich gefunden hatte. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft benötigten Menschen Hilfe. Ich hatte mich lange genug hängen lassen und bemitleidet und musste etwas dagegen unternehmen.
    »Danke, Miss Glory«, sagte der Mann mit der roten Mütze, als ich ihm ein Paar Socken brachte. Der Name Miss Glory – Miss Lichterglanz – blieb mir.
    Seit jener Zeit habe ich alles genommen, was ich bekommen konnte, und es an Obdachlose und in Not geratene Familien weitergegeben – vor allem an junge alleinstehende Mütter mit Kindern. Mein Mann und ich hatten vier Kinder, und ich konnte mir nie vorstellen, dass ich sie allein hätte großziehen können.
    In meinem Haus gab ich Kochkurse sowie Unterricht in so einfachen Dingen wie Führung eines Haushaltsbuchs oder Grundlagen der Kinderpflege. Dalton gab Computerunterricht und führte Bewerbungstrainings durch. All unsere Gruppen waren klein, ich hatte in meinem Haus nicht viel Platz, aber das machte nichts.
    »Er kommt bald«, versprach Heddy. »Dann hat Miriam keinen Grund, sich zu beschweren.«
    »Das bezweifele ich«, erwiderte ich.
    »Gloria?« Heddys Tonfall hatte sich geändert, und ich fragte mich, was los war. »Wir haben gehört, dass Rikki Huffman gestern Abend wegen Drogenbesitzes verhaftet wurde.«
    Ich ließ mich auf einen Küchenstuhl fallen. Rikki war eine alleinstehende Mutter, die ich während der vergangenen zwei Jahre betreut hatte und die nun allmählich Boden unter die Füße zu bekommen schien.
    »Nein! Sie hat sich so gut gemacht. Wo ist sie?«
    »Im Bezirksgefängnis.« Heddy schwieg kurz und fuhr schließlich fort: »Sie wird wegen dieses Vergehens eine Gefängnisstrafe bekommen, Gloria.« Das vermutete ich, aber ich hoffte, dass Heddy noch etwas anderes sagen würde. »Ist alles mit dir in Ordnung?«
    »Nicht wirklich«, antwortete ich und fuhr mir über die Stirn. »Bei wem sind ihre Kinder?«
    »Im Heim. Das Jugendamt wird sie unterbringen. Möglicherweise haben sie das bereits gemacht. Du hast alles in deiner Macht Stehende für Rikki getan. Das weißt du doch, oder?«
    Ich seufzte. »Mein Verstand weiß das, klar.«
    »Rikki kann den Kreis einfach nicht durchbrechen«, sagte Heddy. Ich war still. »Gloria? Gloria!«
    Ihre Stimme ließ mich zusammenfahren. »Ja.«
    »Gib dir nicht die Schuld dafür.« Das war für mich immer leichter gesagt als getan. »Du kannst nicht jeden retten. Das ist nicht deine Aufgabe.«
    Ich legte den Hörer auf, blieb aber noch lange am Tisch sitzen und dachte über Rikki nach. Bevor ich wieder nach draußen ging, trank ich eine Tasse Kaffee.
    »Ich mache fünf Tage Urlaub, Gloria.« Ich drehte mich um und sah Miriam hinter dem Zaun stehen. Das klang wunderbar für meine Ohren. Nachdem ich von Rikkis Inhaftierung erfahren hatte,war ich nicht in der Stimmung, mich mit Miriam wegen Nichtigkeiten auseinanderzusetzen.
    »Das ist großartig«, sagte ich. »Es tut Ihnen doch immer gut wegzugehen.« Ich spürte jäh, dass dies nicht die richtige Formulierung war. »Ich meine, es tut Ihnen gut zu verreisen.« Ich machte es noch schlimmer, indem ich das freundlichste künstliche Lächeln aufsetzte, das ich zustande bringen konnte.
    »Ich habe Geburtstag«, teilte sie mir mit. »Meine Tochter und ihre Familie haben mich eingeladen, ihn mit ihnen gemeinsam zu feiern. Man wird schließlich nur einmal fünfzig, nicht wahr?«
    Es verschlug mir den Atem.
    »Ha!«, stieß ich aus, bevor ich mich zügeln konnte. Miriam sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Fünfzig! Na, dann ... herzlichen Glückwunsch ...
mal wieder
«, fügte ich – die letzten beiden Worte flüsternd – hinzu.
    »Würden Sie für mich auf das Haus aufpassen?«
    »Natürlich«, antwortete ich.
    »Halten Sie einfach die Augen auf, und benachrichtigen Sie die Polizei, wenn irgendjemand hässlichen Müll abstellt.«
    Ich zog die Schultern zusammen. Es war wirklich schwer, diese Frau zu mögen.
    Der Bus war an jenem Morgen voll. Einige Fahrgäste hatten ihre Rucksäcke an die Fenster gedrückt, um zwischen den Haltestellen ein paar Minuten Schlaf herauszuschinden. Der vierundzwanzigjährige ChazMcConnell saß neben einem dicken Mann, der irgendwie der Auffassung war, dass er das

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