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Das war eine schöne Reise

Das war eine schöne Reise

Titel: Das war eine schöne Reise
Autoren: Horst Biernath
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I

    Natürlich kann man auch in Deutschland wundervolle Urlaubstage verleben, an der See, im Schwarzwald, im Chiemgau oder im Allgäu, Voraussetzung ist nur, daß das Wetter schön ist. Aber dann kamen die verregneten Sommer der letzten Jahre, einer immer trüber und trostloser als der andere, und schließlich der im vergangenen Jahr, über den man die feinsten Leute in den unfeinsten Ausdrücken fluchen hörte, denn man fährt ja nicht in den Urlaub, um in den Kneipen herumzusitzen und aus lauter Kummer ein Bierchen nach dem anderen zu zischen. Da war es natürlich ein Glück, am Strand von Rimini zu liegen, wo die Sonne jeden Morgen strahlend über der blauen Adria aufstieg und am Abend in feuriger Glut hinter den Bergen versank. Und als einmal ein kleiner Wind ein paar dunkle Wolken heranblies, aus denen es ein wenig tröpfelte, da rannte alles ins Freie, um den Regen auf der Haut zu spüren und einmal eine Luft zu atmen, die ein wenig kühler war als die dreißig Grad im Schatten, die man sonst am Thermometer ablas. Und es war direkt komisch, die Italiener zu beobachten, die das bißchen Wind einen Zyklon nannten und sich dicke Wollschals um den Hals wickelten, als ob jeder von ihnen die Stimme von Caruso oder Gigli zu schützen hätte.
    Alles war wunderbar, die Reise im Schlafwagen, der blaue Himmel, der sich plötzlich auftat, kaum, daß der Zug ein Stückchen ins Land Tirol hineingerollt war, und dann der heiße gelbe Strand, und die bunten Sonnensegel, und das Baden im Meer, und die netten kleinen Kneipen, wo man den halbsüßen schäumenden Wein von San Marino für billiges Geld vorgesetzt bekam. Auch das Essen war reichlich und gut, wenn auch sehr italienisch, und mit Ausnahme von Herrn Schnürchen hingen die ewigen Spaghetti, mit Verlaub gesagt, allen Reisenden nach wenigen Tagen zum Hals heraus. Und als Frau Lobedanz am vorletzten Urlaubstag am Strand im Schatten des grün-weiß gestreiften Sonnensegels zu planen begann, was sie ihrem Sohn Otto in den ersten acht Tagen nach dem Urlaub daheim vorsetzen würde, da bekam die ganze Gesellschaft vor lauter Schlucken Halsschmerzen. Der Mensch ist eben nie zufrieden, er meckert sogar im Paradies und muß erst daraus vertrieben werden, ehe er merkt, was er verlor.
    Das aber waren Gedanken, die Frau Lobedanz durch den Kopf gingen, als Rimini nur noch eine Erinnerung war, ein Traum, dessen leuchtende Farben nun langsam verblaßten. Kaum zu glauben, daß es erst etwa vierzehn Tage her sein sollte, als man Herrn Schnürchen und Frau Pütterich und Fräulein Sonntag Lebewohl und auf Wiedersehen gesagt hatte, wenn man auch auf das Wiedersehen aus verschiedenen Gründen keinen allzu großen Wert legte. Vierzehn Tage erst... Ihr kam es vor, als ob inzwischen, Monate vergangen wären.

    Herr Klampmann von Klampmann & Spiller, bei dem Otto Lobedanz sich am ersten Arbeitstag zurückmeldete, empfing ihn mit dem üblichen Schmus: Ah, siehe da, unser Italienfahrer Lobedanz! Braun wie eine Kaffeebohne und munter und ausgeruht wie Piksieben. Na, Verehrtester, dann mal wieder mit frischen Kräften ‘ran an den Speck! — Und dazu mußte man noch lächeln und höflich Jawohl sagen. Die Kollegen hauten ihm auf die Schultern und taten mächtig erfreut, ihn wiederzusehen, und keiner von ihnen ließ sich anmerken, was er im Innern dachte: daß die dümmsten Bauern eben immer die größten Kartoffeln ernten. Denn das Allerwunderbarste an dieser Urlaubsreise war, daß sie ihn — bis auf einige persönliche Ausgaben — keinen Pfennig gekostet hatte. Und wenn inzwischen auch vierzehn Tage vergangen waren, so wußte Otto Lobedanz doch ganz genau, daß der Glanz dieser Ferienfahrt nie verblassen würde, denn in Rimini war er der großen Liebe begegnet. Das Peinliche daran war nur, daß seine Mutter von seinem Glück nichts ahnte. Seit Tagen wartete er auf die passende Gelegenheit, es ihr schonend beizubringen. Und heute nach dem Mittagessen sollte es geschehen!

    Kaum, daß er die Haustür geöffnet hatte, zog ihm ein niederträchtiger Brandgeruch in die Nase. Aha, dachte er mit einer leisen Schadenfreude, bei Birngeists gibt es mal wieder Margarinebrot zu Mittag. Die Familie Birngeist wohnte im ersten Stockwerk rechts, und weil Frau Birngeist über der regen Unterhaltung mit den Nachbarsfrauen im Milchgeschäft Zöllner oder bei Kaufmann Arnold oft genug zweimal in der Woche den Milchtopf oder das Gulasch auf dem Feuer vergaß, roch es im Treppenhaus manchmal infernalisch. Ein leichter

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