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Das Süße Geheimnis Der Leidenschaft: Roman

Das Süße Geheimnis Der Leidenschaft: Roman

Titel: Das Süße Geheimnis Der Leidenschaft: Roman
Autoren: Liz Carlyle
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Prolog
    Den Teufel soll man nicht rufen,
    er kommt von selbst.
    E r war allein, als sie kamen. Es war früh am Morgen. Der Hahn hatte noch nicht gekräht; die Regenschauer der Nacht lagen noch über dem Gras. Der Geruch nach Heu und Pferden hing schwer in der stillen Morgenluft. Die beiden grau lackierten Kutschen mit den geschwärzten Wappen und den geschlossenen Vorhängen rollten wie Schatten durch den Nebel, lautlos und heimtückisch.
    Er wollte die Pferde selbst anspannen, um einen Schilling zu sparen. Das war ein dummer Gedanke gewesen. Man konnte nicht sagen, dass er ein vertrauensseliger Mensch war, aber seine Wachsamkeit hatte nachgelassen, und sein Verstand schlief noch halb. Seine Gedanken weilten bei seiner jungen Braut, die ihn bis in die Nachtstunden und darüber hinaus wach gehalten hatte. Bis zur Morgendämmerung war kein Geheimnis unerforscht geblieben. Kein atemloses, drängendes Flüstern mehr, kein Lachen, das von der alten Bettdecke erstickt wurde.
    Sie war irgendwann eingeschlafen, eine Faust in das Kissen gedrückt, ein langes schlankes Bein ausgestreckt zu seiner Seite des Bettes. Es war ein Bild, das auf einmal so wunderbar neu und zugleich so wunderbar vertraut war. Er hatte nicht geschlafen. Vielleicht, weil er gewusst hatte, wie kostbar jeder Augenblick war.
    Er war aufgestanden und hatte sie betrachtet. Die zierliche, rosa schimmernde Ohrmuschel. Den sanften Schwung ihres cremefarbenen Nackens. Das Heben und Senken ihrer Brüste, die so klein und so vollkommen waren, dass er sich fragte, ob Gott wirklich gewollt hatte, dass ein Mann sie sah. Mit großem Widerstreben hatte er nach seinen Hosen gegriffen und sich angezogen. Er wollte diesen einen Schilling sparen, wobei Gott doch wusste, dass sie gar nichts zum Sparen hatten.
    Im Stall brannte noch kein Licht. Er fand eine Lampe, zündete sie an und ging zu seinen Pferden. Er fütterte und bürstete sie und holte Wasser aus dem Trog im Hof. Es waren einfache Pflichten; eine beruhigende Routine für einen Mann, der seinen Platz in der Welt erst noch finden wollte. Als diese Aufgaben erledigt waren, nahm er das Zaumzeug für das erste der Pferde von dem schmiedeeisernen Haken.
    Die Hand, die ihn packte, war schwer und kalt.
    Man sagt, dass ein Mensch, zu dem der Tod kommt, sein ganzes Leben vor seinem inneren Auge ablaufen sieht. Doch was durch sein Bewusstsein wirbelte, waren die Bilder seines Hochzeitstages. Er sah sie aufblitzen, wie man ein verwunschenes Haus zwischen alten Bäumen aus einer schnell dahinfahrenden Kutsche heraus aufschimmern sah.
    Er ließ die Lederriemen fallen, die er von der Wand genommen hatte, und fuhr herum. Ja, er hatte diese schwarz-silberne Livree schon einmal gesehen. Und auch einige der Männer, die noch größer gewesen waren als der, der jetzt vor ihm stand, und dem die zunehmende Morgenwärme den Schweiß auf die Stirn trieb.
    Die Hand zerrte ihn aus dem Dämmerlicht des Stalles auf den Hof. »Jemand will mit dir reden.« Die Stimme passte zu der Hand. Sie war kalt wie der Tod.
    Die Männer, die auf ihn warteten, sahen nicht aus, als wollten sie plaudern. Natürlich versuchte er, sich zu wehren. Aber es waren vier gegen einen. Er war ein starker Mann und an harte, körperliche Arbeit gewöhnt, aber sie brauchten nicht lange, ihm das Hemd herunterzureißen und ihn fast bewusstlos zu schlagen. Er hätte einen von ihnen fast im Wassertrog ertränkt und einen anderen kopfvoran gegen eine der glänzenden grauen Kutschen gestoßen. Er brach die Nase des dritten, und es bereitete ihm große Genugtuung, das Blut auf dessen feine, fleckenlose Livree tropfen zu sehen.
    Natürlich hatte er gewusst, dass sein Glück nicht von Dauer sein würde. Er wusste auch, dass sie vorhatten, ihn zu töten. Als sie ihn schließlich überwältigten, warfen sie ihn zu Boden wie einen Hirsch, der von einer geifernden Hundemeute gehetzt worden war. Und als er auf dem Hof lag und Blut und Dreck und Gott weiß was spuckte, rissen sie ihn hoch und begannen von Neuem, auf ihn einzuprügeln.
    Er erinnerte sich nicht daran, wie er sie abgeschüttelt hatte. Er erinnerte sich weder an die Mistforke noch daran, dass er danach gegriffen hatte. Er erinnerte sich nur daran, wie es sich angefühlt hatte, als er sie seinem Gegner in den Leib gerammt hatte. Und er konnte sich an das Mädchen erinnern, das im Schatten des Stalles gestanden und geschrien hatte. Immer wieder geschrien hatte.
    Dann hatte jemand die Tür der grauen Kutsche geöffnet, und

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