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Das Schloss der tausend Sünden

Das Schloss der tausend Sünden

Titel: Das Schloss der tausend Sünden
Autoren: Portia Da Costa
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schien. Sie sah förmlich vor sich, wie die Naturgewalten das kleine gelbe Auto in die Luft schleuderten und auch ihr bis dato noch unbekanntes Quartier soeben in Flammen aufging.
    «Hab keine Angst, Lindi», flüsterte Jonathan ihr ins Ohr und legte ihr seinen feuchten, aber warmen Arm um die Taille. «Die Chancen, vom Blitz getroffen zu werden, sind astronomisch gering. Und wenn es uns erwischt, dann wenigstens zusammen.»
    Merkwürdigerweise beruhigte sie diese etwas geistlose Bemerkung, und auch der starke, männliche Arm verfehlteseine Wirkung nicht. Er hatte etwas tröstlich Entschlossenes und gab ihr eine Sicherheit, die unerwartet, aber ganz und gar nicht unwillkommen war. Sie waren beide klatschnass, aber Jonathans Körper war so nah und bewegte sich so rhythmisch neben ihr, dass sie seine ungewöhnliche Hitze und Lebendigkeit durch die nassen Sachen noch deutlicher spürte.
    Belinda sagte nichts. Als sie ihren eigenen Körper noch fester an den ihres Begleiters presste, spürte sie auf einmal seltsame Gefühle in sich aufsteigen – Gefühle, die Gewitter normalerweise nicht auslösen.
    Das Prasseln des Regens und der feuchte Stoff auf ihrer Haut fühlten sich an wie ein verstohlenes, aber fortwährendes Streicheln. Sie spürte, wie das Wasser überall hinfloss. Es kitzelte sie, rann in Kaskaden über ihre Brüste, tröpfelte zwischen ihre Beine und benetzte ihre Spalte, die bereits von ihren eigenen Säften feucht war.
    Und auch die Gegenwart des Mannes war ihr überaus bewusst. Der Kopf sagte Belinda zwar, dass es sich nur um Jonathan handelte – den guten alten Jonathan, ihren Kollegen und Teilzeit-Lover   –, aber ihre Sinne nahmen ihn in diesem Moment einfach nur als Mann wahr. Ein starkes, schlankes, muskulöses Wesen mit der schieren Macht von Sex zwischen seinen Beinen.
    Gott, bin ich heiß! Unglaublich, aber wahr. Ich bin geil, ohne dass ich es will. Nur wegen Jonathan.
    Sie konnte im Moment nichts dagegen tun, und das Erkennen ihrer Lust machte der erregten Frau geradezu Angst. So scharf war sie seit Wochen nicht mehr gewesen.
    Beim nächsten Blitz schmiegte sie sich noch etwas enger an ihren Freund und passte ihren Schritt dem seinen an, sodass ihre Brüste sich leicht an seinem Rippenbogen rieben.
    «Alles klar, Kleines?», fragte er und drückte sie.
    Belinda nickte und lächelte ihn an. Als sie einen Schluck des warmen Regens hinunterschluckte, wurde aus dem Lächeln ein Lachen.
    «Das Ganze tut mir echt leid», fuhr er fort und schaute hinauf zum schwarzen Himmel, als wäre es wirklich seine Schuld. «Ich meine, der Wagen ist eigentlich wirklich gut in Schuss für sein Alter. Der ganze Regen war wohl zu viel für den Vergaser.»
    «Nicht so schlimm», brüllte Belinda gegen den Donner an, «wir wollten doch schließlich auch mal was Aufregendes erleben, oder?»
    Jonathan grinste seine Gefährtin an. «Wenigstens kann das Wetter deiner Frisur nichts anhaben.»
    «Mistkerl!», konterte Belinda scherzhaft. Sie wussten beide immer noch nicht recht, ob ihnen der neue Look nun gefiel oder nicht. Nachdem sie ihr rotbraunes Haar jahrelang schulterlang getragen hatte, war sie kürzlich dem spontanen Impuls gefolgt, ihre Locken zu einem Kurzhaarschnitt stutzen zu lassen. Dieser Akt war ein ziemlicher Schock gewesen, und es gab heute noch Momente, wo sie voller Überraschung in den Spiegel schaute. Doch an einem Abend wie diesem war sie äußerst dankbar für ihre Entscheidung. Der praktische, elfenhafte Stil ließ ihre Kopfform viel besser zur Geltung kommen und fühlte sich gerade in diesem Regen erheblich besser an als eine feuchte, schwere Mähne, die über Hals und Schultern reichte.
    Durch die neue Frisur kam Belinda sich kein bisschen weniger weiblich vor. Um genau zu sein, fühlte sie sich im Augenblick überaus weiblich – als hätten die tobenden Elemente sie in eine Gewitternymphe verwandelt. Sie sah erneut zu Jonathan auf, der genau in diesem Moment auch zu ihr blickte. Die Intensität ihres Blickes schien ihn kurz zu irritieren, doch dann lächelte er, und seine grauen Augenweiteten sich erfreut. Keiner sagte etwas, aber Jonathans Griff wurde fester, und er zwinkerte ihr keck zu.
    Eine Unterkunft war nötiger denn je.
    Nach ein paar weiteren Minuten auf der Straße schien es plötzlich, als hätte irgendein Sturmgeist sich ihrer erbarmt, denn sie gelangten an eine Mauer, die parallel zur Straße verlief. Das Gebilde war dunkel und moosbewachsen, aber ohne Zweifel eine Mauer – eine

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