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Das Schloss der tausend Sünden

Das Schloss der tausend Sünden

Titel: Das Schloss der tausend Sünden
Autoren: Portia Da Costa
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Prolog
    Begonnen hatte alles auf dem Empfang des Erzherzogs. André erinnerte sich genau an die strahlenden Gesichter und den geistreichen Charme der Anwesenden und die herrliche Musik. Der junge Mann hatte etwas abseits gestanden und auf das Erscheinen seiner geliebten Arabelle gewartet, als ein unerwarteter Schauer sein heißes Blut mit einem Mal zum Gefrieren gebracht hatte.
    Den Blick nach oben gewandt, sah er eine Frau vorübergehen, die ihren weißen Arm auf den Arm ihres Begleiters gelegt hatte. Zunächst hatte er sich bei dem Anblick nichts weiter gedacht – schließlich war der Raum angefüllt mit solch prächtig gekleideten Wesen, von denen viele auch ausgesprochen hübsch anzuschauen waren. Doch als die erspähte Person sich umgedreht und direkt in seine Richtung geblickt hatte, war sein Schauern augenblicklich einem Fieber gewichen. Der Blick aus ihren leuchtend grünen Augen war ihm direkt in die Glieder gefahren und wärmte seinen Körper ebenso sehr, wie die Kälte ihn gerade zuvor erschauern ließ.
    Die Unbekannte war atemberaubend, ihre Haltung majestätischer als die einer Königin. Sie trug ein herrliches Kleid mit einem ausladenden Reifrock aus rotem Samt, dessen Saum mit Goldstickereien versehen war. Der Aufzug gab ihrer Figur etwas Zierliches, ließ sie gleichzeitig jedoch überaus üppig wirken. Sie nickte ihm leicht zu, sodass sich das Licht der Lampen im bläulichen Glanz ihrer schwarzgelockten Haare spiegelte.
    Wer seid Ihr?, fragte er sich stumm und fühlte sich geradezu verlassen, als sie sich von ihm fortbewegte und irgendwann nur noch das scharlachrote Kleid in der Menge zu sehen war.
    Nachdem André einen Bekannten nach der Schönen mit dem rabenschwarzen Haar gefragt hatte, wusste er schon ein paar Minuten später ihren Namen. Sie war Isidora, die Gräfin Katori, und ihr Ruf ebenso berüchtigt wie ihre Schönheit. Man erzählte sich gar, dass sie in den magischen Künsten wohlbewandert war.
    Das ist unrecht von dir, schalt er sich, während seine Augen den Ballsaal nach ihr absuchten, um sie schließlich durch die komplizierten Tanzfiguren zu begleiteten. Er knirschte mit den Zähnen und versuchte, das plötzliche Zucken in seinen Lenden zu ignorieren.
    Ich sollte sie nicht begehren. Ich darf sie nicht begehren. Ich bin verliebt, und in einer Woche werde ich verlobt sein. Es konnte sich nur noch um wenige Minuten handeln, bis seine geliebte Arabelle hier eintraf – die amüsante, strahlende Belle, der er voller Zuneigung seine sterbliche Seele zu Füßen legen konnte.
    Und doch bestimmte die extravagante Gräfin seine fleischlichen Gelüste. Sein schuldvolles Herz hämmerte, als sie schließlich wie ein Flaschengeist aus dem Nichts vor ihm auftauchte – auf den vollen roten Lippen ein Lächeln, das ihn ganz und gar sprachlos machte.
    «Kennen wir uns nicht von irgendwoher, Sir?», erkundigte sie sich mit tiefer, leicht anzüglicher Stimme und neigte den Kopf etwas zur Seite.
    «Ich   … ich glaube nicht», erwiderte André. Er beugte sich zu einem Handkuss vor und stellte dabei voller Erregung fest, dass die Haut der Fremden weich wie Seide war. «Graf André von Kastel, gnädige Frau. Zu Ihren Diensten», stellte er sich vor, ließ ihre Hand dabei aber nur zögerlich los.
    «Isidora, Gräfin Katori», entgegnete sie mit leichtem Akzent, der ihren Namen wie ein zartes Streicheln klingen ließ. Dann nickte sie mit einer kleinen, eleganten Geste in Richtung der Tanzenden und ging in dem festen Glauben, er werde ihr schon folgen, auf die sich drehenden Paare zu.
    André kam ihr etwas verlegen nach und fühlte sich dabei wie ein unreifer Bengel, der die wilde Leidenschaft einer ersten Liebe erlebte. Diese kühne, attraktive Gräfin hatte ihn ohne jede Anstrengung in einen unerfahrenen Jüngling verwandelt. Doch nicht nur das! Sie hatte ihn, sehr zu seinem Missfallen, auch hart werden lassen. Seine Erregung war für alle Anwesenden deutlich sichtbar. Obwohl ihn diese Tatsache sehr störte, konnte er doch nichts dagegen tun, und als sie zu tanzen begannen, kümmerte es ihn ohnehin nicht mehr.
    Wieso ich?, frage André sich während des Tanzes. Sein Aufzug – ein einfacher, gutgeschnittener Anzug mit Kniehosen – war im Vergleich zur Kleidung der anderen Gäste geradezu schlicht. Und auch sein Titel war nicht von allzu hohem Rang. Seine Erscheinung war zwar durchaus angenehm, aber auch nicht unbedingt herausragend oder bemerkenswert zu nennen. Wieso um alles in der Welt hatte die

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