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Das Reich des dunklen Herrschers - 8

Das Reich des dunklen Herrschers - 8

Titel: Das Reich des dunklen Herrschers - 8
Autoren: Terry Goodkind
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und anschließend Waldführer geworden. Er kannte sich hervorragend mit Tieren und dem Leben in der freien Natur aus, eine Erziehung, die für Kahlan, die in einem Palast in den Midlands groß geworden war immer noch etwas Exotisches hatte. Sie liebte es, sich von ihm die Natur erklären zu lassen, liebte es, seine Begeisterung über die Wunder dieser Welt, die Wunder des Lebens, zu teilen. Natürlich war er seinem früheren Leben als Waldführer inzwischen längst entwachsen. Ihre erste Begegnung mit ihm, damals in den Wäldern seiner Heimat, schien ein ganzes Menschenleben her zu sein, dabei waren seitdem tatsächlich nur wenig mehr als zweieinhalb Jahre vergangen.
    Sie hatten nicht nur eben erst von der Existenz seines Halbbruders erfahren, sondern auch herausgefunden, daß Richard eine Halbschwester hatte: Jennsen. Nach allem, was sie seit ihrer Begegnung am Tag zuvor hatten in Erfahrung bringen können, war auch sie in den Wäldern aufgewachsen. Es war rührend zu sehen, wie sie sich in ihrer einfachen, aufrichtigen Art freute, endlich einen nahen Verwandten gefunden zu haben, mit dem sie vieles gemeinsam hatte. Ihr ungläubiges Staunen über Kahlan und deren geheimnisumwitterte Jugend im Palast der Konfessoren in der fernen Stadt Aydindril wurde nur noch übertroffen von ihrer Begeisterung für ihren großen Bruder.
    Jennsen und er hatten verschiedene Mütter, gezeugt aber hatte sie ein und derselbe gewalttätige Tyrann: Darken Rahl.
    »Ich habe Falken kleine Tiere in Stücke reißen sehen«, sagte Jennsen. »Ich glaube, die Vorstellung, es könnte einen so großen Falken, ganz zu schweigen fünf von dieser Sorte geben, behagt mir ganz und gar nicht.«
    Betty, ihre Ziege, schien diese Einschätzung zu teilen.
    »Wir werden nachts abwechselnd Wache halten«, entschied Kahlan wie als Antwort auf Jennsens unausgesprochene Befürchtung. Das war zwar nicht der einzige Grund, aber Grund genug.
    In der gespenstischen Stille verströmte das leblose Felsgestein ringsum noch immer sengende Hitzewellen. Der beschwerliche Fußmarsch von der Ödnis auf dem Grund des Tales und anschließend durch die umliegende Ebene hatte einen vollen Tag gedauert, trotzdem hatte sich niemand über das mörderische Tempo beschwert. Nur Kahlan hatte von der quälenden Hitze hämmernde Kopfschmerzen. So ungeheuer müde sie auch war, sie war sich bewußt, daß Richard in den letzten Tagen weit weniger Schlaf bekommen hatte als alle anderen. Auch wenn seinem ausgreifenden Schritt davon nichts anzumerken war, stand ihm die Erschöpfung deutlich ins Gesicht geschrieben.
    Plötzlich wußte Kahlan, warum ihre Nerven zum Zerreißen gespannt waren: Es war die unnatürliche Stille. Man hörte keine Kojoten kläffen, kein Wolf heulte in der Ferne, keine Fledermäuse flatterten, nirgendwo vernahm man das Rascheln eines Waschbären oder das leise Scharren einer Wühlmaus - selbst das Sirren und Zirpen der Insekten fehlte. Normalerweise war das Verstummen all dieser Geräusche ein Zeichen der Gefahr, die Totenstille hier jedoch war auf die Abwesenheit jeglichen Lebens zurückzuführen; es gab weder Kojoten noch Wölfe oder Fledermäuse, nicht einmal irgendwelches Kerbgetier. Nur selten verirrte sich ein Lebewesen in diese vollkommen dürre Ödnis. Die Nacht war hier so lautlos wie der Sternenhimmel.
    Die drückende Stille bewirkte, daß trotz der Hitze ein eisiges Frösteln Kahlans Rücken hinaufkroch.
    Sie blickte ein letztes Mal zu den Riesenkrähen hinüber, die vor dem Hauch von Violett am westlichen Himmel gerade eben noch zu erkennen waren. Nicht einmal sie, so schien es, mochten lange in dieser Ödnis verweilen, wo sie nicht hingehörten.
    »Ziemlich beängstigend, eine Begegnung mit diesen bedrohlichen Kreaturen, vor allem, wenn man überhaupt nichts von der Existenz dieser Tiere wußte«, meinte Jennsen. Sie wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und wechselte das Thema. »Ich hab mir sagen lassen, es bedeutet eine Warnung, wenn am Anfang einer Reise ein Raubvogel über einem kreist.«
    »Einmal habe ich zu Beginn einer Reise einen Habicht über mir kreisen sehen«, erwiderte Richard.
    »Und was ist passiert?«, fragte Jennsen - so ernst, als könnte seine Erklärung den alten Aberglauben ein für alle Mal klären.
    Richards Lächeln ging in ein breites Grinsen über. »Ich habe Kahlan geheiratet.«
    Cara, die aufmerksame Mord-Sith-Wächterin Richards, verschränkte trotzig die Arme. »Womit lediglich bewiesen wäre, daß die

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