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Das Mädchen und die Herzogin

Das Mädchen und die Herzogin

Titel: Das Mädchen und die Herzogin
Autoren: Astrid Fritz
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Prolog
    «Nein, den will ich nicht heiraten. Niemals!»
    Die Kleine stampfte wütend auf. Dabei rutschte ihr die perlenbesetzte Haube ins Gesicht, das puterrot angelaufen war. In den Fäusten hielt sie eine Miniatur, die einen etwas dicklichen Jungen von etwa zehn Jahren zeigte, im Gewand eines gerüsteten Knappen, dabei in kriegerischer Pose auf das Schwert gestützt. Das seitlich einfallende Licht ließ seine rötlichen Krauslocken wie Kupfer schimmern. Entschlossen reckte er das noch kindlich-zarte Kinn in die Höhe, die Mundwinkel waren leicht herabgezogen, und aus den halb zusammengekniffenen Augen blickte er äußerst missmutig in die Welt. Das fand zumindest Sabina.
    Der ganze Abend war ihr verdorben. Dabei hatte er so schön begonnen: Nach langer Zeit wieder einmal hatten die Eltern beschlossen, Karten zu spielen, und sie durfte mitspielen, zum allerersten Mal. Gleich nach dem Nachtessen waren sie alle zusammen hinüber in die Erkerstube marschiert, in beinahe feierlichem Gleichschritt, Sabina an der Hand ihrer Kinderfrau. Sie liebte diesen Raum, den freundlichsten in der düsteren Alten Veste, mit seinen lustigen bunten Butzenscheiben im Erkerturm und dem Kaminfeuer, das winters wie sommers, tags wie nachts flackerte. In fröhlicher Runde hatten sie gespielt und gelacht, Sabina an der Seite ihrer beiden älteren Schwestern, angefeuert von der versammelten Dienerschaft und dem allgegenwärtigen Narren. Die Musikanten spielten ihre Weisen auf Leier und Zwerchflöte, während die beiden Äffchen über Stühle und Bänke tobten. So aufregend und gemütlich zugleich war dieser Abend gewesen, bis vor einerhalben Stunde dieser herzogliche Sendbote hereingeplatzt gekommen war, um ihrem Vater mit knapper Verbeugung eine Lederschatulle zu überreichen.
    «Aha, endlich zeigt sich uns der junge Recke», hatte ihr Vater ausgerufen, voller Entzücken, wie ihr schien, und aus der Schatulle ein Bildnis gezogen, mit feinem Pinselstrich in Öl gemalt. Und dann hatte ihre Mutter sie zur Seite genommen und ihr in wenigen leisen Worten gesagt, was sie jetzt erst, ganz langsam, zu begreifen begann.
    Sabina schob trotzig die Unterlippe vor und warf die Miniatur auf den Tisch. Mit diesem aufgeblasenen Gecken also sollte sie verheiratet werden – sie, eine Prinzessin zu Baiern und Pfalzgräfin bei Rhein, eine direkte Nachfahrin Kaiser Ludwigs des Baiern, Enkelin des verstorbenen Kaisers Friedrich und Schwestertochter König Maximilians, des künftigen Kaisers! Sollte diesen Hanswurst heiraten, der auf dem Bildnis dastand wie einer, der die ganze Welt besiegt hatte und dabei doch nichts war als der künftige Herr über ein jämmerlich verarmtes und verlottertes Herzogtum namens Wirtemberg.
    «Allein, wie der ausschaut», stieß sie hervor, «mit diesen blöden Locken.»
    Ihre Unterlippe begann zu zittern, und schon rollten ihr die ersten Tränen über die rundlichen Wangen.
    «Bitte, liebster Herr Vater, sagt, dass das nicht wahr ist.»
    Hilflos sah der dickleibige Herzog Albrecht, genannt der Weise, zu seiner Frau, dann runzelte er die Stirn.
    «Nun ja, mein kleiner Schatz – es ist, wie es ist. Die Heiratsabsprache hat bereits Hand und Fuß, will sagen: es ist alles schriftlich fixiert und besiegelt. Aber du hast ja noch zehn lange Jahre Zeit. Du wirst sehen, ganz rasch hast du dich an den Gedanken gewöhnt, dereinst Herzogin von Wirtemberg zu sein.»
    Da erst erkannte sie, was hinter all der Geheimniskrämerei der letzten Monate gesteckt hatte. Angefangen hatte es, als König Maximilian im Sommer vom Freiburger Reichstag her direkt zu ihnen nach München angereist kam, um mit seiner Schwester, ihrer über alles geliebten Mutter, tagelange Gespräche hinter verschlossenen Türen zu führen. Herzogin Kunigunde hatte, wenn sie dann zu den Mahlzeiten erschien, gerötete Augenlider gehabt, und Sabina war sich sicher gewesen, dass wohl ein großer Krieg bevorstand und dass sie dann die wehrhafte Alte Veste niemals mehr würden verlassen dürfen. Doch nichts dergleichen war geschehen. Stattdessen war zum Herbstbeginn eine Gesandtschaft von wichtig tuenden, ernst dreinblickenden Herren eingetroffen, die sie und ihre Schwestern umschlichen und beäugten wie das Vieh auf dem Markt. Zur selben Zeit hatte sie dem Hofmaler Modell sitzen müssen, hatte tagelang stillsitzen müssen im zugigen Rittersaal, zitternd und frierend in einer viel zu dünnen schulterfreien Robe und mit einem riesigen albernen Hut auf dem Kopf. Auf die Frage, für wen

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